Mittwoch, 20. August 2014



Nachlese 1.8.2014                                           Christian Brehmer

Unsere letzte Philrunde war gut besetzt. Nach dem tradierten Ritual – Sharingrunde („sich outen“) und Entspannungsreise in die Sophia – gab es eine kurze Einführung   zu Teilhard de Chardin.
Philosophen, Freunde der Weisheit, befassen sich mit den großen Fragen    des Lebens.                                                                                                              
 Woher komme ich?  Wohin gehe ich?  Was soll ich hier in meinem Leben?
Diesmal war es der bedeutende französische Naturwissenschaftler, Philosoph und Jesuit Pierre Teilhard de Chardin, der uns zum Nachdenken und zu einem Gespräch inspirierte. Oder besser zu einer Diskussion, denn die Ansichten gingen wie erwartet auseinander. Uns fehlte die Moderation durch das Herzkissen, das jeweils der Sprecher bekommt, der sich gemeldet hat. Denn das Herzkissen soll uns daran erinnern, was am 1.7. mit Angela Thema war: die „Gewaltfreie Kommunikation“.  Schauen wir noch einmal auf  die Nachlese vom letzten Mal. Vielleicht sollten wir uns ein kurzes Innehalten zwischen zwei Aussagen angewöhnen, das bringt Ruhe und Reflektion.
Teilhard entwirft, so wussten wir bereits aus der Vorschau und aus Wikipädia, ein ganzheitliches Weltbild, eine Zusammenschau mit Hilfe der Evolutionstheorie von Wissenschaft und Religion. Man sollte beide auseinanderhalten, so wurde zunächst argumentiert. Wissen forscht im Objektiven, Glauben und Mythos im Subjektiven. Der Einwand kam, dass auch die Naturwissenschaft einer Evolution unterliegt. Tatsächlich konvergieren in der Quantenphysik Objektivität und Subjektivität, wie es die Heisenberg´sche Unschärferelation oder der Wellen/Partikel-Dualismus nahelegt. Große Physiker, wie Einstein und Heisenberg waren offen für Mystik. Und  Teilhard  war beides, Naturwissenschaftler und Mystiker. Es gibt ernsthafte Aussagen, dass im Vereinheitlichten Feld, im Logos, Geist und Materie,  Bewusstseinsvacuum (die STILLE) und Quantenvacuum, konvergieren.
Die Frage, wie es mit der Menschheit weitergeht, brachte uns in die Gegenwart. Tatsächlich befindet sich die Welt momentan in einem Chaos. So erlebte es  auch schon Teilhard  im 1. Weltkrieg, wo er eine Vision Christi hatte. Das war wahrscheinlich die Inspiration für sein großes, befreiendes Werk, das noch immer der gebührenden Rezeption harrt.
Sicherlich wird die Triebkraft der Evolution, von der Teilhard spricht, und die vom Urknall bis zur Gegenwart immer komplexere und höhere Bewusstseinsträger hervorgebracht hat, auch weiter im Menschen wirken (s. Vorschau vom 1.8.).    Gibt es neben der Triebkraft „von unten“, der Evolution, auch ein Zugkraft „von oben“ eine Involution? Diese Frage wurde in der Gesprächsrunde eingebracht, anlehnend an das Buch von Armin Risi „Der radikale Mittelweg“.
Ja, da gibt es Schätze zu heben! Aber der größte Schatz, das höchste Wissen, liegt ins: „Erkenne dein SELBST, dann wirst Du die Welt erkennen“ (Orakel zu Delphi).    



Vorschau 5.9.2014                                               Angela Muselmann-Bruhn 

Die Integrale Philosophie
ist ein Orientierungssystem und kann hilfreich sein, mehr Bewusstheit ins eigene Bewusstsein zu bringen.
Seit Beginn der Menschheit, stellt sich der Mensch die Frage nach dem Sinn der eigenen Existenz und was es ist, was ihn umgibt.
Die Beantwortung dieser Frage hängt von den eigenen Erfahrungen und der erworbenen Sichtweise der Welt ab. Der Blick auf die Geschichte zeigt, dass die Weltsicht Wandlungen unterworfen ist.
Auch die Integrale Philosophie kann nur ein Hilfsmittel sein, um sich der Frage: „Was ist wahr ?“ zu nähern. Sie versucht, der Komplexität dieser Frage mit einem Überblick  des aktuellen Weltwissens gerecht zu werden, indem von einer Wirklichkeit der Non-Dualität, als immer –gegenwärtige So-heit der Wirklichkeit im Hier und Jetzt ausgegangen wird, und wo sich aktuelle Wissenschaft, Quantenforschung und östliche Philosophien, also Wissenschaft und Religion wieder vereinigen und aus diesem Überblick, eine Integration, Verstehen und Annahme aller anderen durchlaufenen Stufen möglich wird.
Individuell geht es nicht nur darum integral zu denken, sondern um eine lebenspraktische Vorbereitung der eigenen Selbstentwicklung, durch Körperarbeit, Meditationspraxis, bewusstes Miteinander und annehmen lernen der eigenen Widerstände.
Ken Wilber, ein amerikanischer Philosoph und interdisziplinärer Denker unserer Zeit, entwickelte die Integrale Theorie.
Er unterscheidet zum Verständnis der Vielzahl der Erscheinungen  in der Welt der Formen,
fünf Hauptkategorien: Quadranten, Ebenen, Linien, Zustände und Typen.
- Die vier Quadranten beschreiben die Sichtweisen des Seins, innerlich individuell, innerlich kollektiv, äußerlich objektiv, äußerlich interobjektiv.
- Die Ebenen sind sogenannte Meilensteine der Entwicklung der Menschheitsgeschichte z.B. prärational-rational-transrational.
- Linien beschreiben individuelle Entwicklungsprofile, diese Kompetenzen können in allen vier Quadranten unterschiedlich sein.
Ebenen und Linien berücksichtigen, dass sich vieles im Universum in Entwicklung befindet.
- Zustände sind wechselnd und vorübergehend und sagen etwas über meinen Wachheitsgrad aus, bei Freude, Angst, Traum- oder Tiefschlaf.
- Es gibt unzählige Typologien, wie z.B. Sternzeichen, Elemente oder das Enneagramm; sie zeigen unterschiedliche Ausprägungsformen unseres Selbst, auf jeder Ebene des Bewusstseins an.

Anmerkung: Dies ist nur der Versuch, einer absolut verkürzten Darstellung, da Kim aus Abwesenheitsgründen nicht selbst eine Einführung übernehmen konnte. Leider gab es auch keine Absprache zwischen mir und ihr, so dass wir alle nur gespannt sein können, wie und was sie uns am 5. September dazu leicht verständlich vortragen wird.

Dienstag, 22. Juli 2014



Nachlese  4.Juli 2014                Angela Muselmann

Der Einführungsabend in die vier Schritte der gewaltfreien Kommunikation nach M.Rosenberg, strebt eine humanistische, authentische, empathische, gleichberechtigte, wertschätzende, Ressourcen orientierte, pazifistische Gesprächshaltung an.
Trotz zwei Konkurrenzveranstaltungen Fußball und Jogakongress in Berlin, fanden sich doch sieben Teilnehmer zu diesem Abend ein, um zu erfahren, was sich hinter den vier Schritten :
1) Beobachtung
2) Gefühl
3) Bedürfnis
4) Bitte
verbirgt und wie ich die Kenntnisse zur Selbsteinfühlung und zum besseren Verstehen eines Anderen nutzen kann.
Zur Selbsteinfühlung, begannen wir mit der Entspannung über die tiefe Bauchatmung und verbanden die Innenschau mit der Reflexion über einen gesprochenen Satz. Anschließend
übten wir uns im aktiven Zuhören und im Erkennen, wann eine Aussage in eine Bewertung abgleitet, die den Gesprächsfluss hemmen kann.
Wir versuchten unser Gefühl treffend zu formulieren und unterschieden ein Gefühl, vom Denken, wie ich fühle. Wir identifizierten Du-hast-mich-Gefühle und wie sie mich behindern Verantwortung für mein eigenes Fühlen zu übernehmen.
Wir freundeten uns erst einmal damit an, dass es natürlich und wichtig ist, gut für die eigenen Bedürfnisse zu sorgen und dass ein unangenehmes Gefühl, ein Zeichen ist, dass ein Bedürfnis im Mangel ist.
Kann ich transparent machen, welches Ereignis bei mir welches Gefühl ausgelöst hat, weil ein mir wichtiges Bedürfnis nicht berücksichtigt wurde, kann ich, durch diese Selbstmitteilung auf Verständnis hoffen und eine konkrete Bitte äußern. Hier gilt es zu unterscheiden, ob es eine Bitte, oder eine Forderung ist. Eine wirkliche Bitte, kann auch mit einem Nein leben.
Es wurde zugehört, nachgefragt, diskutiert und ausprobiert, gezweifelt, geübt und eigene Erfahrungen mit eingebracht.
Als wir am Ende uns noch einmal mit den Grundannahmen der Gewaltfreien Kommunikation beschäftigten, stellten wir fest, dass sich dort Themen aus der Neurobiologie, Freier Wille, Wertebildung, Friedensarbeit u.a., welche schon Gegenstand manch anderer Treffen waren, wiederfinden.
Es war spannend für mich, auf offene Ohren zu treffen und auf Menschen, die bereit waren sich mit dem Vorgetragenen auseinander zu setzen.
Mein Bedürfnis, die vier Schritte als Handwerkszeug für ein verständnisvolleres Miteinander, weitergeben zu wollen, endete in einem erfüllten und freudvollen Nachhauseweg.
Vielen Dank !                                                                                    Angela Muselmann-Bruhn
Das nächste Treffen am 1.8. werden Werner und Christian über Teilhard de Chardin vorbereiten.

 Vorschau 1. August 2014                    Christian Brehmer

Das letzte Treffen war ein Beitrag zur Optimierung unseres Verständnisvermögens. Es galt also dem Subjekt. Denn egal womit wir uns befassen, wir verstehen alles nur nach Maßgabe unseres individuellen Verständnisvermögens. Und dies wird zwischenmenschlich durch gewaltfreie Kommunikation gefördert.
   Unser kommendes Treffen hat die Evolutionstheorie nach Teilhard de Chardin zum Thema. Wir wenden uns also einem Objekt zu, das natürlich nur von einem Subjekt, also jedem von uns, „subjektiv“  verstanden wird. Und dieses Objekt – die Evolutionsgeschichte –  berührt uns zutiefst, wenn wir uns dafür öffnen. Denn es ist unsere eigene Geschichte, vom Urknall bis zu Gegenwart. Es klärt unseren Standort, vermittelt uns eine Perspektive und relativiert unser Leben. Wir kommen der Wahrheit ein Stückchen näher. Und nur die Wahrheit macht uns frei und glücklich.
   Teilhard de Chardin, französicher Jesuit, Anthropologe und Philosoph (1881- 1955) entwirft ein ganzheitliches Weltbild, das Wissenschaft und Religion miteinander verbindet. Er versucht  als Naturwissenschaftler die Liebe zur Welt und als Christ die Liebe zu Gott miteinander zu versöhnen. Und das gelingt ihm, indem er von der bisherigen Stammesgeschichte des Menschen - als Naturwissenschaftler -  auf die zukünftige Stammesgeschichte - als Christ - schließt. Das Grundgesetz der Evolution – Zusammenschluss von Einzelteilen zu einer Ganzheit höherer Ordnung – wird nach Teilhard  in  Zukunft in dem Zusammenschluss der Menschheit  kulminieren. „Mit den Kräften der Liebe suchen die Elemente einander, auf dass die Welt sich vollende.“  Die „Megasynthese“ der Menschheit führt zum „Punkt Omega“, zum kosmischen Christus.                          
„Der Ausgang der Welt der Welt, die Tore der Zukunft, der Eingang zum Übermenschlichen eröffnen sich weder einigen Privilegierten noch einem einzigen Volk, das auserwählt wäre unter den Völkern! Die Pforten öffnen sich nur, wenn alle zusammen nach einem Ziel drängen, in dem sich alle zusammen vereinigen, um sich in einer geistigen Erneuerung der Erde zu vollenden.“ („Der Mensch im Kosmos“, dtv, 1981, S. 251)

Wikipedia: Teilhards Weltschau ist auch als Versuch zu verstehen, das christliche Weltbild aus seiner jahrhundertealten Erstarrung auf eine moderne, zukunftsweisende Basis zu stellen. Diese soll Glauben und Wissenschaft gleichermaßen umfassen und den Dualismus zwischen Materie und Geist überwinden. Teilhards Ansichten stehen in klarem Kontrast zu biblischem Fundamentalismus und religiösem Kreationismus. Für die katholische Kirche stellte seine evolutionäre Synthese zeitweise eine Bedrohung traditioneller Theologie dar, so dass viele seiner Werke kritisch bewertet oder sogar (wie bei Le Phénomène Humain) die Veröffentlichung vom Vatikan zu seinen Lebzeiten untersagt wurde.++

Sonntag, 22. Juni 2014

Nachlese 6.6.2014                                             Christian Brehmer   
 
Traditionsgemäß erfolgte der Einstieg unserer gutbesetzten Runde mit einer Entspannungsreise in die STILLE. Für die Tiefenphilosophie ist die Erfahrung der transzendentalen Stille die Erfahrung der SOPHIA, der weiblichen Variante des LOGOS, aus der die ganze Schöpfung hervorgegangen ist. Die Erfahrung – wenn wir uns dafür öffnen – ist das eine. Die denkerische Durchdringung der Schöpfung in ihrer Vielfalt und Komplexität ist das andere. Sie müsste,  in der letzten Konsequenz, in die SOPHIA einmünden. So wäre eine Tiefenphilosophie, die Erfahrung und Denken  einbezieht, eine  Variante der Re – ligio, der Rückbindung an den Ursprung.       
   Im gängigen Verständnis sind Religionen sinn- orientierungsstiftende Überzeugungen. Das Thema unserer letzten Runde hieß „Religionen – ihre hellen und dunklen Seiten“. Jürgen Staas vermittelte den Einstieg in die Diskussion mit seiner kompakten Vorschau (s. Blog ) und mit  seinen scharfsinnigen Kommentaren:  Skeptiker regen zu kritischem Denken an und sie bekämpfen sich nicht, weil es, ihrer Meinung nach, keine absolute Wahrheit gibt. „Es ist nicht der Zweifel, der die Menschen verrückt macht, sondern die Gewissheit“, so Nietzsche. Die „vermeintliche“ Gewissheit müsste man ergänzen. Denn eine authentische Gewissheit, wie sie z.B.  Meister Eckhart verkörpert hat, ist ein Segen für die Menschheit. Das ging klar aus unseren Treffen vom 4.4. und 2.5. hervor.    
   Die vermeintliche Gewissheit kann zu Fanatismus bis hin zur Gewaltbereitschaft führen.  Das gab es im christlichen Mittelalter, das gibt es heute bei islamistischen „Gotteskriegern“.  Unser Referent unterschied zwischen aufgeklärter und unaufgeklärter Religion. Jedoch: Das aufgeklärte Christentum vertritt atomare Aufrüstung als abschreckendes Übel. Ein ehemaliger Pastor, z.Zt. Bundespräsident,  plädiert für gewaltsame Friedenssicherung, falls erforderlich.   „Liebet Eure Feinde“, heißt es  jedoch in der Bibel.
Offensichtlich greift auch die aufgeklärte Religion  zu kurz. Denn mit ihr ist die Essenz der Religion, die Mystik, verloren gegangen. Sie ist der gemeinsame Grund  aller Religionen, und nur von hier aus  kann man seine Feinde wirklich lieben. Ein Teilnehmer sah in der Natur, in der Schönheit der Schöpfung an der wir alle Anteil haben das Gemeinsame, das alle Menschen eint und plädierte für ein  Denken aus dem Ursprünglichen.
   Der Ansatz von einem neuen Denken wurde auch vermisst, so hörten wir, bei Besuchen in Bielefelder Fachbuchläden, politisch oder esoterisch ausgerichtet. Vor Jahren wie heute die gleiche Literatur nur in anderer Aufmachung: „Die Denksysteme rotieren in sich selbst“. Zurück zur Einfachheit lautete das Fazit. Nur, wie sieht sie aus, diese Einfachheit,  die das wirklich Neue in sich trägt???
Wir hörten von einem Beispiel des Abgebens an die Einfachheit in einer Notlage: Nach dem Kauf eines Anwesens sah es bedrohlich aus. Nachdem alle Ressourcen ausgereizt waren, konnte man nichts anderes als Loslassen und Abgeben, Abgeben an eine höhere Instanz. Und siehe da, es taten sich unerwartete Lösungen auf. 
   Abgeben, aller Gedanken ledig werden,  eintreten in die Abgeschiedenheit, in die Einfachheit – das erinnert an Meister Eckhart.
     
  


Vorschau 4.Juli 2014                                                   Angela Muselmann-Bruhn

„Nicht was zum Munde hineingeht, sondern was aus dem Munde herauskommt macht den Menschen unrein.“ MT 15,11

Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation nach M.Rosenberg, verbunden mit Achtsamkeits- und Stilleübungen

Die Gewaltfreie Kommunikation möchte einen Weg aufzeigen, wie wir menschlicher, einfühlsamer, wertschätzender und friedlicher mit uns selbst und anderen umgehen lernen. Sie möchte helfen befriedigende Beziehungen aufzubauen und eine Konfliktlösung ohne Sieger und Verlierer anstreben. Es geht darum nicht nett sondern echt zu sein, seine eigenen Bedürfnisse klar zu formulieren und Urteile und Kritik von anderen in deren Bedürfnisse übersetzen zu lernen, um  dann leichter und freier entscheiden zu können, ob man einen Beitrag zur Erfüllung leisten möchte oder nicht.

An diesem Abend möchte ich die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation, die ganz einfach im Verstehen und trotzdem nicht ganz leicht in der Umsetzung sind, also der Übung bedarf, vorstellen.
Mir persönlich sind sie auch hilfreich bei der eigenen inneren Haltungsschulung im Selbstdialog, um mehr Aufmerksamkeit und Transparenz im Miteinander mit anderen zu entwickeln. Es gilt erkennen zu lernen, mit welchen bewussten oder unbewussten Formulierungen ich den Gesprächsfluss hemme oder Abwehrmechanismen produziere oder auch welche Schranken, ausgesprochen durch andere, bei mir wirksam werden und ein innerliches Verschließen oder Gegenwehr erzeugen.

Unter innerer Haltungsschulung verstehe ich:
-         Aktualisierung meiner Werte im momentanen Kontext
-         Affektregulation durch bewusstes Innehalten:
1) Nachspüren der eigenen Befindlichkeit (somatische Marker )
2) der Bedürfnislage ( Was ist augenblicklich im Mangel ?)
3) aktiv verantwortete, klare weitere Gesprächsgestaltung (ich habe die Wahl)

Auf der Suche nach der „Sophia“ nun das Thema Wahrheitsfindung durch ein Gespräch :
Das Resümee aus unserem letzten Treffen “Die Ausübung von Gewalt z.B. jemanden überzeugen zu wollen, beruht auf einer zwanghaften Selbstidentifikation“ wird weiter bearbeitet.
Dort, wo ein Irrtum ausgeschlossen wird, ist man auch nicht wahrheitsfähig. In der Reibung aneinander bleibt die Wahrheit lebendig und wird sie gefunden.(Fulbert Steffensky)
In der Kommunikation kann ich
1) meiner Innerlichkeit im Außen eine Form geben, damit lerne ich meine eigene Glaubwürdigkeit, Authentizität und Integrität zu erhöhen( Ausdruck)
2) Beim aktiven Zuhören wird dem Hörer ein Raum eröffnet indem er sich bewegt und sich dabei seinen eigenen Reim macht. (assoziiert)
- gleichzeitig bestimmt der Mitteilende, was er von sich geben möchte und von anderen gesehen werden darf, um zu erfahren, welche Perspektive dieser, zu dem Erzählten entwickelt.(Annahme von Feedback)

Die Fülle der Kommunikation als Geschenk erfassen lernen:
Wer Form, Gesten, Rituale und Symbole missachtet, dem bleibt nur das Argumentieren.
Es wird nicht nur verstanden und aufgenommen, was bewusst ausgedrückt wird, damit beschäftigt sich die transparente Kommunikation von Thomas Hübel. Es gibt auch ein nonverbales und subtiles Verstehen, welches in meiner therapeutischen Praxis als Physiotherapeutin von großer Bedeutung ist und durch neuere Forschungsergebnisse z.B. zur Emotionalen Intelligenz immer mehr Anerkennung erfährt.
Um die sogenannten passiven Stärken zu üben, wie Geduld, Langsamkeit, Stillefähigkeit, bereiten eigene achtsame Körperübungen vor. Aufnahmefähigkeit schult sich über Warten, Lauschen, Beobachtung, Berührung und Geschehen lassen, religiös ausgedrückt, geht es um Gelassenheit, Ehrfurcht und Demut.


Für die Kommunikation als Lernfeld, heißt das für mich,
Zuhören und wahrnehmen mit folgenden Fragestellungen:
Wer spricht da? Wie wird gesprochen?
Was sagt mir Gestik, Mimik, Haltung und Atmung ?
Wie stimmig ist das Gesagte, zu dem was ich sonst noch so wahrnehme ?

Sich im Blick einer gütigen Neugier, im jetzigen Augenblick, zu üben und im Öffnen für neue Erfahrungen, ohne sich selbst in voreingenommenen Meinungen zu fesseln, dazu möchte ich Euch gerne einladen.
Danke, dass Ihr mir die Gelegenheit gebt, mich in der Vermittlung dessen, was ich als  Wachstum fördernd erlebt habe, zu versuchen.

Dienstag, 20. Mai 2014



Nachlese 2.5.2014                                           Christian Brehmer             

Das Referat von Frau Dr. Stefanie von Bar über Meister Eckhart am 4.4. hatte Nachdenken ausgelöst und Fragen offengelassen.  Daran knüpften wir am 2.5.an:                                                                                                                                        Zunächst  ging es noch einmal um unsere gegenwärtige Befindlichkeit, das Leben in der „Aversio“, der Abkehr von Gott: Wir werden von unserem begehrenden Denken vereinnahmt,  wünschen uns  Gesundheit, Erfolg im Beruf, Erfüllung im Privatleben, Anerkennung unserer Mitmenschen, Spaß in unserer Freizeit – ist ja auch ganz „normal“.  Nur geht dieses begehrende Denken vom Ich aus. Unsere Intelligenz im Einsatz zur Erfüllung unserer Wünsche ist „ichlich“, ist partikular, also begrenzt von der Ratio im Dienste des Ego, und nicht ganzheitlich,  und so letztlich – denn die Natur ist eine Ganzheit – zum  Scheitern verurteilt. Ganzheitlichkeit, gibt es nur mit Gott, sie ist die Wirklichkeit unserer Existenz. Also muss der logische Schritt die „Reversio“ sein, die Rückwendung zu Gott.
Die Rückwendung zu Gott erfolgt nach Eckhart über die „Abgeschiedenheit“, die Loslösung von allem Sinnlichen und ihren Nachwirkungen als Gedanken. (Also genau das, was wir in unserer „Entspannungsreise“ zu Beginn unserer Philrunde versuchen.) Aller Gedanken ledig, in der absoluten Abgeschiedenheit, erfährt der Mensch die vollkommenen Ruhe, das Nichts, den Seelengrund, in dem die Einung mit dem Göttlichen erfolgen kann. Der „edle Mensch“ wird geboren; er lebt aus der Ganzheit heraus (s.o.) zum Wohle seiner selbst, seiner Mitmenschen und der Umwelt.
Die Frage kam auf, ob diese Rückwendung zu Gott in unserer Gesellschaft überhaupt möglich ist, oder ob es der klösterlichen „Abgeschiedenheit“ bedarf. Eckhart  hat es zu seiner Zeit vorgelebt. Er hat als Provinzial und Generalvikar der Dominikaner, später als Lehrstuhlinhaber des Studium Generale an der Universität Köln ein äußerst aktives Leben geführt.    Zum Verständnis half uns allen das Bild von Tür und Angel. Die Angel ist unsere Seele (die wir u.a. in der Meditation erfahren und stärken), die Tür ist die Handlung aus der Seele, aus der Ganzheit heraus.
Es kam der Einwand auf, dass wir Menschen als biologische Wesen von Natur aus begrenzt sind. Können wir uns denn über unsere Schatten erheben? In diesem Zusammenhang sei an unsere ausführliche Diskussion über die Ergebnisse der modernen  Gehirnforschung erinnert. Inzwischen werden die Befunde der „Neuroplastizität“ des Hirns jedoch allgemein akzeptiert.
Abschließend wurde noch der Frage nachgegangen, ob dem gegenwärtigen Bedeutungsverlust der Kirchen durch christliche Mystik im Sinne Meister Eckharts entgegen gewirkt werden könnte. (Vgl. hierzu auch unsere Diskussion zu „Gott 9.0“)

Vorschau 6.6.2014
Religionen – ihre hellen und dunklen Seiten                       Jürgen Staas
Religion bedeutet dem Wortsinne nach Rückbindung, Achtsamkeit in der Bedeutung von Vorzeichen und Vorschriften, speziell bei Buch- bzw. Gesetzesreligionen. „Substanzialistische“ Religionen betonen den Bezug zum Heiligen, Transzendenten, Numinosen, Absoluten. „Funktionalistische“ Religionen spielen eher eine gemeinschaftsstiftende, gesellschaftliche, politische Rolle. Oft verbinden sie beide Rollen. Der religiöse Mensch entwickelt ein Gefühl „schlechthinniger Abhängigkeit“ (Schleiermacher). Wertvorstellungen haben einen normativen Einfluss. Lange Traditionen, übernatürliche Vorstellungen (Götter, Engel, Teufel), Mythen (Narrative) bieten Sinngebung. Der Glaube wird in Dogmen gefasst. Heilige Orte, Schriften, Gebäude, Priester, Weise, Kunst, Poesie und Musik, bieten Orientierung, Bindung, Halt, Ordnung, Heimat, Lebenshilfe. Mythen erklären Schöpfung, Natur, Leben, Gottheit und Menschsein. Es gibt theistische und atheistische Religionen. Alle o.g.  Qualifizierungen und Differenzierungen machen es schwer, allen Religionen gemeinsame Eigenschaften zuzuschreiben. In einem übergeordneten Sinne sollten sie dem Menschen tiefere Einsichten vermitteln und ihm Lebenshilfe bieten.
Die Wirklichkeit ist davon oft weit entfernt. Absolute Wahrheitsansprüche führen zu Dogmatismus und Intoleranz, besonders extrem in theokratischen Systemen. Besonders der strenge Monotheismus (AT) neigt dazu: Grausame Gewaltbereitschaft im alten Israel, im zeitgenössischen Islam, im christlichen Mittelalter, im Neuenglandpuritanismus, im modernen Fundamentalismus. Schreckensmeldungen erreichen uns täglich aus dem Orient oder aus Afrika. Man wird nicht umhinkönnen, zwischen aufgeklärter und unaufgeklärter Religion zu unterscheiden.
„M.E. hat man sich bisher über die Zerstörungskraft religiöser Überzeugungen viel zu wenig Gedanken gemacht.“ Messadié, in seinem Buch über den Antisemitismus. – „Es ist nicht der Zweifel, der die Menschen verrückt macht, sondern die Gewissheit“. Nietzsche. Der religiös motivierte Terrorismus, aktuell besonders in der islamischen Welt virulent, ist ein Ärgernis der modernen Welt. Lesenswert: H.M. Enzensberger: „Schreckens Männer.“ Oder jüngstes Werk: Hamed Abdel-Samad: „Der islamische Faschismus“. Was zählt? Der ursprüngliche gute Wille (Kant), oder Jesu Wort „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“? Letzteres scheint mir realistischer!