Freitag, 21. Dezember 2018


 Nachschau 7.12.2018: Buddhismus         Christian Brehmer
Einleitend wurden wir gemeinsam in die Metta-Meditation geführt, die klassische buddhistische Versenkung zur Entfaltung mitfühlender Güte. Und wer das ständige Gedankenkarussell hat zum Abklingen bringen und sich hat öffnen können, hat in seinem Herzen Wärme und Empathie gespürt. 
Und darum geht es im Leben, weniger um die Zugehörigkeit zu einer Religion. "Ethik ist wichtiger
als Religion", sagt der Dalai Lama, prominenter Vertreter des tibetischen Buddhismus. 
       Es kam die Frage auf, ob Buddhismus eine Weisheitslehre, eine Philosophie oder Religion ist.   Darauf entstand zwar ein lebhafter Dialog, doch eigentlich war die Frage schon entschärft, denn was zählt, ist mitfühlende Güte im Leben, egal in welche Schublade der Buddhismus eingeordnet wird.
      Der Referent hatte zu Beginn allen anwesenden Hobbyphilosophen ein umfassendes Paper über die Kernaussagen des Buddhismus ausgehändigt (s. Vorschau). Es war unmöglich,  alle Kernaussgen an einem Abend zu vorzutragen und dann anschließend darüber zu sprechen. So beschränkten wir uns auf die Grundannahmen. Und die haben es in sich!
Die Aussage "Es gibt kein Ich oder Selbst" wird oft missveratenden, denn die Erfahrung des Nirwana ist zwar das Transzendieren ("Verlöschen") vom Ich oder Selbst (Denken, Fühlen, Wollen), aber gleichzeitig die Erfahrung der Stille,  die von einem individuellen Nervensystem getragene Transzendenz, das höhere Selbst. In einem Anruf später, wurde in diesem Zusammenhang noch einmal nachgehakt: Wenn es kein Ich gäbe, würde die Persönlichkeit nach dem Tode verlöschen. Wie steht es dann mit der Reinkarnationslehre des Buddhismus? (Sie wurde  im Christentm auf dem Konzil von Nicea verworfen.)   
    Ein weiteres Missverständnis liegt in der Annahme, dem Buddhismus ginge es vorrangig um die "Erleuchtung", das Eingehen in das "Nirwama". Der Referent stellte jedoch heraus, dass es dem Individuum allein nicht vollends gut gehen kann, es sei denn seinen Mitmenschen geht es auch gut. Alle sind wir miteinander verbunden. Erleuchtung beinhaltet Verantwortung für die Umwelt.
     Es war ein spannender Abend. Keiner hatte so recht Lust nachhause zu gehen. Da war noch so manches ungklärt. Aber so wird es wohl immer sein....



Kommentar zum Thema „Buddhismus“                        Joachim Mohr

Mir ist es gleich ob Buddhismus Religion, Weltanschauung, Heilslehre oder Modeerscheinung ist. Wichtige Kernaussagen aus dem Buddhismus wie auch aus dem Christlichen Glauben haben mein „Menschsein“ geprägt. Ich behandele mein Gegenüber als Menschen im menschlichsten Sinne und hoffe, dass mein Gegenüber mich genauso behandelt. Braucht dieser Mensch Hilfe, dann helfe ich wo ich kann und hoffe, dass er es genauso tut.
Erst wenn aus einer solchen Lehre eine institutionalisierte Religion mit beeinflussendem und manipulierendem Charakter wird, wende ich mich ab. Denn solches wird unserem wahren Menschsein in keinster Weise gerecht.

Zum Beitrag  „Wissenschaft und Glauben“

Wissenschaft und Glaube schließen sich für mich in keinster Weise aus, im Gegenteil, sie bedingen einander. Fundierte Wissenschaft fängt mit dem Glauben an und braucht ihn, ansonsten wäre kein Wissenschaftler in der Lage, eine Theorie in eine „Tatsache“, also eine, mit fundierten Beweisen belegbare Arbeit umzuwandeln. Einstein hat das nicht nur bewiesen sondern gelebt.


Anmerkungen zum Thema Buddhismus          Jürgen Staas          

Zu Beginn wurde das Credo des Buddhisten dargestellt: seine Zuflucht zu Buddha, zur Lehre vom Dharma (einer universellen Gesetzmäßigkeit) und zur Sangha (einer individuellen bis umfassenden Gemeinschaft, Achtsamkeit, Empathie angesichts des menschlichen Leidens). - Nichts ist von Dauer, alles unterliegt ständiger Veränderung (cf. gr. panta rhei = alles ist im Fluss), heute wohl eine Binsenweisheit. - Leben ist Leiden aus Unwissenheit und Begierde. Diese Sichtweise erscheint modern, wissenschaftlich objektiv, begründet sie sich doch in der Kategorie von Ursache und Wirkung. Der Begriff der Schuld (christlich-jüdisch Sünde) ist dem Buddhismus fremd. Daher ist der atheistische Buddhismus eher eine Ethik oder Weisheitslehre als eine Religion. Dazu passt, dass es kein Ich oder Selbst gebe, was ebenfalls recht modern und wissenschaftlich-monistisch klingt. Andererseits hat diese Denkweise trotzdem dualistische Züge. Denken diene als Werkzeug? Wessen Werkzeug? Ist er da wieder, der kleine Homunkulus, der dem Rest des menschlichen Organismus einschließlich Gehirn übergeordnet ist und die menschliche Freiheit begründet? Wo wäre der denn zu verorten? Und wie passt das zum Kausalitätsprinzip? - Die Rede ist auch von Irrtumsfreiheit. Wie ist die denn zu realisieren angesichts der menschlichen Fehlbarkeit? Der „edle achtfache Pfad“ ähnelt in Vielem den 10 Geboten der jüdischen Gesetzesreligion. Alles läuft auf eine Selbsterlösung durch Tugendhaftigkeit hinaus (cf. Goethe: Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen). Da scheint mir die christliche Auffassung doch realistischer. - Und letztlich die Vorstellung vom Nirwana, in dem das Leiden „verweht“ ? Gleichzeitig kennt der Buddhismus die Idee der Wiedergeburt. Wie passen die wiederum zusammen? - Mein Urteil: Wie alle Religionen, Konfessionen und Ideologien hat auch der Buddhismus seine Widersprüche; er ist wie sie Mythos, Erzählung, Narrativ, „story-telling“ (Harrari), also letztlich Produkt der menschlichen Imagination. Gleichwohl kann er wie jeder Mythos einem Gläubigen Halt und Orientierung bieten, denn der Mythos hat seine Wahrheit nicht in der beweisbaren Faktizität, sondern in seiner Wirksamkeit (K. Armstrong). Aus gewissen modernen Zügen (s.o.) erklärt sich so wohl auch die modische Popularität in manchen intellektuellen westlichen Kreisen, wie z. B. bei Hollywood-Stars .
sts

Vorschau 4.1.2019:   Probleme  mit der „Identität“   Jürgen Staas

Zunächst werden semantische Fragen zu dem ziemlich breiten Wortfeld zu klären sein.  Im Wesentlichen geht es dann um die Identifikation von Personen mit einer Sache (Ideologie, Religion, Nationalität, Partei).  Viele kritische Geister haben sich schon mit diesem Thema befasst: Psychologen, Soziologen, Verhaltensforscher  (Arthur Koestler, Konrad Lorenz, etc.). Neuester Anlass war ein „Spiegel“-Aufsatz von Francis Fukuyama „Gegen Identitätspolitik“ vom 13.10.18. Dieser Autor war es ja gewesen, der nach der Wende und dem Zusammenbruch der SU das „Ende der Geschichte“ prophezeit hatte und die endgültige und universelle Verbreitung der Demokratie und des Kapitalismus.  Nun sieht er sich zur Korrektur genötigt  angesichts der rechtspopulistischen und neuen autoritären Entwicklungen in einer ganzen Reihe von Staaten. Er untersucht in seinem Aufsatz die vielfältigen Ursachen. -  Schließlich wäre die „identitäre Bewegung“  zu nennen z.B. Frankreichs „bloc identitaire“ oder Ostdeutschlands Pegida.        
sts        

 Die Bedeutung der „Identität“

Der Begriff der Identität kann mehrere Bedeutungen haben:
-die vollkommene Gleichheit oder Übereinstimmung, Wesenseinheit (engl. identical twins)
-die innere Einheit einer Person, Übereinstimmung mit sich selbst
-die festzustellende Echtheit anhand eines Ausweises oder Dokumentes
  • das emotionale Sich-Gleichsetzen mit einer anderen Person, Gruppe, Doktrin, Ideologie, Religion
Das Bedürfnis nach Identität ist offenbar ein starkes Motiv. Das Gegenteil ist die Anonymität. Man möchte „somebody“ sein und nicht „anybody“ (Robert Ardrey, Adam und sein Revier). Dabei spielt das Territorium eine wichtige Rolle und die damit verbundene Stimulierung. - Frühkindliche Prägungen und Koditionierungen erzeugen die Bereitschaft, sich Autoritäten unterzuordnen und sich Gruppen zu unterwerfen. „Islam“ = Unterwerfung, „Soumission“ (Houellebecq). Auch Konrad Lorenz hat sich mit dem Phänomen beschäftigt. Kritisch sieht er die Begeisterungsfähigkeit des Menschen. „Mitsingen heißt, dem Teufel den kleinen Finger reichen.“ Sokrates: „Siegen macht dumm.“ Das Problem berührt auch die Wahrheitsfrage. Die Ästhetisierung, die Lüge, das „sacrificium intellectus“ sind u.U. wirkmächtiger als die Wahrheit und dienen als kollektives Bindemittel, und das umso mehr, je größer die Gruppe und je länger der Zeitraum. Von Tertullian stammt das bekannte Wort: „credo quia adsurdum“. - Anlass zum Thema war ein Aufsatz von Fr. Fukuyama im Spiegel No 42 /18.08.18 „Gegen Identitätspolitik“. Nach der Wende hatte er „das Ende der Geschichte“ gesehen. Jetzt, 30 Jahre später, sieht er sich genötigt, sich zu korrigieren. Zu beobachten ist jetzt die Rückkehr zu autoritären Strukturen und primitiven populistischen Denkweisen, kurz, ein Aufstieg der Identitätspolitik. Die Linke sieht die Ursachen in der Benachteiligung gewisser Minderheiten, die Rechte betont den Patriotismus und nationale Identitäten. Psychologisch gemeinsam ist allen die Wut der vermeintlichen Erniedrigungen, das Verlangen nach Würde, die Kritik an der Globalisierung mit der Tendenz zur Anonymisierung, zum Identitätsverlust. Natürlich gehört dazu die Suche nach Schuldigen und Sündenböcken und die Erfindung von Verschwörungstheorien. Ausländer, Einwanderer, „Eliten“, „Lügenpresse“ . Der Begriff des „Thymos“ kommt ins Spiel: Isothymie und Megalothymie. Isothymie, das Streben nach Gleichheit und Demokratie scheint dabei weniger attraktiv als das Streben nach Megalothymie, nach Macht, Überlegenheit, Autorität. - Zu erwähnen sind ergänzend die „identitären“ Bewegungen in manchen Ländern wie z.B. Frankreich mit seinem „bloc identitaire“ oder neofaschistische Tendenzen in Italien. - Interessant ist in diesem Zusammenhang der Gedanke nach Sinnsuche (Die Kraft der großen Sache, Die Zeit). Gruppenidentität wie z.B. Kameradschaft gerade in Situationen der Gefahr wie im Krieg kann paradoxerweise therapeutische Wirkungen haben. sts

 Suche nach Identität               Christian Brehmer                                       
Wenn man gegenwärtig dem Weltgeschehen folgt, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die zivilisatorische Entwicklung der Menschheit ins Stocken geraten ist. Manche sprechen sogar von einem Abwärtstrend. Umweltzerstörung, Terrorismus, Flucht und Migration, Handelskriege,  Kluft zwischen Arm und Reich ziehen uns herab. Hatte man bislang den Eindruck, dass sich die demokratische Staatsform mehr und mehr durchsetzen würden, so verzeichnet der Transformationsindex der Bertelsmann-Stiftung Rückschritte bei Gewaltenteilung, Pressefreiheit und freien Wahlen in zahlreichen Ländern. In einigen Staaten, die als gefestigte Demokratien gelten, stellt man starke rechtspopulistische Tendenzen fest: in den USA die Trump-Administration, in England der Brexit, in Frankreich der Front National und in Deutschland die AfD. Polen, Ungarn, Türkei,  Brasilien und etliche andere Länder werden bereits populistisch-autoritär geführt.
Devolution statt Evolution? Oder sind es nur homöopathische Gesetzmäßigkeiten, die zur Strategie der Evolution gehören?
Vielfach wird der rechtsgerichtete Trend als eine Identitätskrise interpretiert. Der säkulare Modernisierungsprozess und die grassierende Kommerzialisierung zerstören traditionelle Grundlagen von Gemeinschaft und kollektiver Identität. Viele Menschen fühlen sich durch die Digitalisierung und dem damit verbundenen Strukturwandel  in Landwirtschaft,  Handwerk und industriellen Arbeitsformen überfordert und entfremdet. Hinzukommt eine vermeintliche Überfremdung durch Zuwanderer, Flüchtlinge und Migranten. Besonders unter der älteren Generation wächst die Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“. Die Bundesregierung reagierte darauf der mit Einrichtung eines Heimatministeriums, wohl auch aufgrund der Erstarkung der AfD. Aber bislang hat sich nichts geändert. Was tun gegen den schleichenden Substanzverlust?
Es sind nicht nur einige rechtsgerichtete Bürger, die  unbewusst einen Mangel an Substanz (lat. = das Darunter-Stehende) spüren und ihn versuchen zu kompensieren. Der Mensch ist von Natur aus ein Mangelwesen, nie ganz zufrieden, ein Ewig-Suchender –  Ausdruck des in ihm wirkenden evolutionären Impulses, der uns suchen und forschen lässt. Forschen noch vorwiegend im Äußeren: Die Naturwissenschaft zum Beispiel zerlegt die Materie akribisch in ihre Bestandteile und muss feststellen, dass sich letztlich alles verflüchtigt und nichts anderes übrigbleibt als ein Quantenvakuum, das nichts mit Masse und Energie zu tun hat,  ein reines mit sich selbst interagierendes Informationsfeld, das man auch –  hypothetisch –  als ein reines, selbstreferentielles Bewusstseinsfeld bezeichnen kann. Sollte das etwa die Substanz sein?
Die angewandte Naturwissenschaft,  die Technik, erschließt uns (den Privilegierten) zwar Komfort und Wohlstand, trägt aber nichts zu unserer Suche nach Identität bei. Für viele Menschen beginnt hier die Suche im Inneren.
Auch durch Stressbelastung und durch psychosomatische Symptome   kommt es häufig zur Suche im Inneren. Mehr als zwanzig Prozent der Bevölkerung praktiziert bereits eine Entspannungstechnik.  Manchmal kommt es dann über die Entspannungsreaktion hinaus zu einer Erfahrung der gedanklichen Stille, eines reinen Bewusstseinsvakuums, das möglicherweise „differenziert identisch“ ist mit dem Quantenvakuum. Es ist die Erfahrung des transzendentalen Selbst, der substanziellen Identität. Diese Identität und allein diese, vermittelt innere Heimat und Orientierung. Ohne diese Erfahrung ist der Mensch ein Schiff ohne Anker, ausgeliefert den launischen Wellen von Autokraten und Populisten und ausgeliefert den Fake News, den Massenmedien und der Werbung. Es ist die Erfahrung eines Feldes der inneren Stille und Intelligenz, das Abstand und Unterscheidungsvermögen beinhaltet und eine Orientierung  im Chaos der Politik. 
Rumi:  Jenseits aller Vorstellungen über richtig und falsch ist ein Feld.                           Ich treffe Dich dort.
Insofern dieses Feld vom Individuum erlebt wird, ist es zugleich, so sagten wir, die Erfahrung des transzendentalen Selbst, der substanziellen Identität. Die Erfahrung jedoch ist das eine, die Integration des transzendentalen Selbst in den Alltag ist das andere. Dazu bedarf es einer regelmäßigen Übungspraxis wie zum Beispiel der Meditation. Denn Identität will nicht nur erfahren, sondern auch gelebt werden: das Integrale Bewusstsein. Hier treffen sich Rechte und Linke,  treffen sich Rote, Grüne, Schwarze und Gelbe.
Literatur:  Brehmer, Christian: „Woher? Wohin? Orientierung im Leben. Die Evolution des Bewusstseins als Ausweg aus der Krise“, Verlag Via Nova 2018  www.bewusstseins-evolution.de                                                                                                 Fukuyama, Francis: „Gegen Identitätspolitik“. Der Spiegel , Nr.  42 / 13.10. 2018

Dienstag, 27. November 2018


Nachschau 2.11. 2018: Geheimnis Haiku          Dieter Becker

Das japanische Kurzgedicht kann geradezu elektrifizieren. 
Das Referat hat einiges vom Geheimnis des Haiku gelüftet und viele von uns neugierig gemacht.
Für diejenigen, die selbst ein Haiku verfassen wollen, hat uns Dieter die Grundregeln zukommen lassen:
 
Haiku -
Grundregeln für die Erstellung

1.  17 Silben, eher weniger
2.  Anordnung in 3 Zeilen mit 5 / 7 / 5 Silben
3.  Thema ist ausschließlich eigenes Naturerlebniss
4.  Erstellung des Textes sofort vor Ort (Hier und Jetzt)
    (Blatt Papier und Bleistift, Überarbeitung zu Hause)
5.  Wenn möglich Anmutung der Jahreszeit
6.  Kein Fremdwort
7.  Kein Trennungstrich
8.  Haiku bleibt offen. Der Leser wird es innnerlich
     vervollständigen
9.  Die wichtigste Regel:
     das Wort ICH ist absolut verboten. Wir sind im SELBST

Diese Grundregeln .entsprechen der konservativen Auffassung
über Haiku. Diese befolge ich selbst seit 47 Jahren.
Im Internet und als gedruckte LIteratur gibt es eine
furchtbar große Menge über dieses Thema, mit allen möglichen
Abweichungen.

die Kiefer wiegt sich
unter eilenden Wolken.
Frost küßt die Pfütze

Dieter W. Becker 11/2018
"Das Wort ICH ist absolut verboten. Wir sind im SELBST", so die 9. Grundregel des Haiku. 
Die Frage tauchte auf, was der Unterschied zwischen dem Ich und dem SELBST ist.

Dazu Joachim Mohr:          
Ich denke dass wir alle mit unserem reinen Selbst auf diese Welt
kommen. Alles was uns im Grunde ausmacht ist bereits in unserem Sein
vorhanden. Alles ist rein und nicht kompromittiert. Unser Selbst
entwickelt das Ich zur Kommunikation und Interaktion mit der
menschlichen Welt. Und durch dieses Ich finden wir später zurück zu
unserem Selbst. Ich habe eigentlich den Begriff "Seele" vermisst. Ein
Schlüsselwort für alle, denen das "Selbst" vielleicht zu abstrakt ist.


Dazu Christian Brehmer:
Gemäß der vedischen Philosophie ist das Selbst (Atman), unsere
Seele, der (transzendentale) Grund unserer Persönlichkeit. Dieser Grund ist
jedoch vom Ich mit seinen vielen Gedanken, Wünschen und Problemen überlagert.
Durch eine Entspannungstechnik, wie die Meditation z.B., können all die mentalen 
und emotionalen Vorgänge zum Abklingen gebracht werden und das Selbst, die Seele,
kann als reines Bewusstsein freigelegt werden. In der griechichen Antike wurde
das Selbst auch als Sophia bezeichnet, Ziel der Philo-sophia. Die wiederholte Erfahrung des Selbst und seine Integration in den Alltag führt zu einer weisen (achtsamen) Lebensführung, der Idealzustand zur Erfüllung der 9. Grundregel
des Haiku. 
In der Meditationsforschung wurde dokumentiert, dass die transzendentale Selbsterfahrung im EEG durch Synchronisation im Bereich der Gammafrequenzen gekenntzeichnet ist, also ein spezifischer Bewusstseinszustand ist.



 Vorschau 7.12.2018: Kernaussagen des klass. Buddhismus 
                                                                                                                  Horst Schürmann

Ich nehme Zuflucht zu Buddha. Ich nehme Zuflucht zum Dharma. Ich nehme Zuflucht zur Sangha.
Dies ist das „Glaubensbekenntnis“ der Buddhisten.

Im Folgenden einige Kernaussagen des Buddhismus. Diese beziehen sich darauf, wie das Dharma vom Buddhismus gesehen wird.

A. Grundannahmen:
1. Nichts ist von Dauer:  Alles befindet sich in einem Prozess des Werdens und Vergehens.
2. Das Leben ist Leiden: siehe unten
3. Die Dingen erscheinen in wechselseitiger Abhängigkeit  und lösen sich ebenso auf. Sie sind also ihrem Wesen nach leer, gehaltlos.
4. Es gibt kein ich oder Selbst.

B. Die vier edlen Wahrheiten:
1. Das Entstehen des Leidens:
Geburt ist leidvoll, Altern ist leidvoll, Krankheit ist leidvoll, Tod ist leidvoll, mit Unlieben vereint von Lieben getrennt sein ist leidvoll, nicht erlangen was man begehrt ist leidvoll.  Kurz, das hängen an der Welt ist leidvoll.
2. Die Ursache des Leidens:
Unwissenheit ist die Ursache des Leidens. Durst nach Werden und Entwerden (z.B. Wünsche und Begierden) ist die Ursache des Leidens (siehe Kausalnexsus).
3. Vom Vergehen des Leidens:
Wird die Unwissenheit aufgelöst, ist der Kreislauf des Werdens und Entwerdens durchbrochen und das Leiden endet.
4. Der Weg zum Vergehen des Leidens:
Der Weg der zur Auflösung des Leidens führt ist der edle achtfache Pfad.

C. Der edle achtfache Pfad:
Der achtfache Pfad baut aufeinander auf, das heißt: Ohne ein gewisses Maß an rechter Anschauung sind alle folgende Bestandteile nicht weiter zu entwickeln usw..

1. Rechtes Anschauung:
- Vergegenwärtigung der Grundannahmen im Alltag
- Weltliche Weisheit => Die Welt oder die Dinge so sehen wie sie ist oder sind.
- Darauf aufbauend ist eine angemessene  Analyse des Geschauten möglich.
2. Rechtes Denken
- Denken dient als Werkzeug und logische Überlegungen, z.B. Widerspruchsfreiheit, helfen angemessen zu bewerten. Also die irrtumsfreie Untersuchung der besonderen und allgemeinen Eigenschaften eines Phänomens.
3. Rechte Rede
- Irrtumsfreie Auslegung einer Lehre.
4. Rechtes Handeln
- Enthalten von nicht tugendhaftem Verhalten, z.B. Lügen, stehlen, töten, Drogen- und Alkoholmissbrauch, sexuelles Fehlverhalten.
5. Rechte Lebensführung
- Nicht nach materiellen Reichtümer streben. Keinen Beruf ausüben der Punkt 4 wiederspricht oder Andere dazu zwingt Punkt 4  zuwiderzuhandeln.
6. Rechtes Streben
- Zu Beginn der Konzentration hören Denken und oder emotionale Erregungen nicht auf, wird aber nicht unterdrückt, auch folgt man den Gedanken und oder Gefühlen nicht, sondern kehrt zur Konzentration zurück.
7. Rechtes Überdenken
- Auch die in der Konzentration entstehenden „Gefühle“ sollen überwunden werden.
8. Rechtes sich Versenken
Überwindung allen Unklarens.

Stadien den Konzentration bzw. Meditation:
1. Nicht mehr im Konzeptuellen seiend.
2. Freude
3. Glück
4. Gleichgültigkeit im Sinne von Ausgewogenheit
5. Wahrnehmung des unendlichen Raumes
6. Wahrnehmung des unendlichen Bewußtseins
7. Wahrnehmung der Leerheit
8. Wahrnehmung die weder unterscheidet noch nicht unterscheidet
9. Buddhaschaft, aufgesogen im Verlöschen.

D. Das Gesetz von Ursache und Wirkung am Beispiel von Werden und Vergehen (Kausalnexsus)
1. Nichtwissen
2. Karma gestaltende Triebkräfte
(Beide gehören zu vergangenen Leben)
3. Bewußtsein
4. Geistig-leibliche Einzelwesenhaftigkeit
5. Bereich der 6 Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten, Denken) als Grundlage der geistigen Vorgänge.
6. Berührung (Bewußtseinseindruck)
7. Empfindung
8. Durst (Begierde)
9. Lebenshang
10. Werden
(Diese Punkte beziehen sich auf das gegenwärtige Leben)
11. Wiedergeburt
12. Altern und Sterben
(Diese Beiden Punkte beziehen sich auf ein zukünftiges Leben.)