Dienstag, 27. November 2018


Nachschau 2.11. 2018: Geheimnis Haiku          Dieter Becker

Das japanische Kurzgedicht kann geradezu elektrifizieren. 
Das Referat hat einiges vom Geheimnis des Haiku gelüftet und viele von uns neugierig gemacht.
Für diejenigen, die selbst ein Haiku verfassen wollen, hat uns Dieter die Grundregeln zukommen lassen:
 
Haiku -
Grundregeln für die Erstellung

1.  17 Silben, eher weniger
2.  Anordnung in 3 Zeilen mit 5 / 7 / 5 Silben
3.  Thema ist ausschließlich eigenes Naturerlebniss
4.  Erstellung des Textes sofort vor Ort (Hier und Jetzt)
    (Blatt Papier und Bleistift, Überarbeitung zu Hause)
5.  Wenn möglich Anmutung der Jahreszeit
6.  Kein Fremdwort
7.  Kein Trennungstrich
8.  Haiku bleibt offen. Der Leser wird es innnerlich
     vervollständigen
9.  Die wichtigste Regel:
     das Wort ICH ist absolut verboten. Wir sind im SELBST

Diese Grundregeln .entsprechen der konservativen Auffassung
über Haiku. Diese befolge ich selbst seit 47 Jahren.
Im Internet und als gedruckte LIteratur gibt es eine
furchtbar große Menge über dieses Thema, mit allen möglichen
Abweichungen.

die Kiefer wiegt sich
unter eilenden Wolken.
Frost küßt die Pfütze

Dieter W. Becker 11/2018
"Das Wort ICH ist absolut verboten. Wir sind im SELBST", so die 9. Grundregel des Haiku. 
Die Frage tauchte auf, was der Unterschied zwischen dem Ich und dem SELBST ist.

Dazu Joachim Mohr:          
Ich denke dass wir alle mit unserem reinen Selbst auf diese Welt
kommen. Alles was uns im Grunde ausmacht ist bereits in unserem Sein
vorhanden. Alles ist rein und nicht kompromittiert. Unser Selbst
entwickelt das Ich zur Kommunikation und Interaktion mit der
menschlichen Welt. Und durch dieses Ich finden wir später zurück zu
unserem Selbst. Ich habe eigentlich den Begriff "Seele" vermisst. Ein
Schlüsselwort für alle, denen das "Selbst" vielleicht zu abstrakt ist.


Dazu Christian Brehmer:
Gemäß der vedischen Philosophie ist das Selbst (Atman), unsere
Seele, der (transzendentale) Grund unserer Persönlichkeit. Dieser Grund ist
jedoch vom Ich mit seinen vielen Gedanken, Wünschen und Problemen überlagert.
Durch eine Entspannungstechnik, wie die Meditation z.B., können all die mentalen 
und emotionalen Vorgänge zum Abklingen gebracht werden und das Selbst, die Seele,
kann als reines Bewusstsein freigelegt werden. In der griechichen Antike wurde
das Selbst auch als Sophia bezeichnet, Ziel der Philo-sophia. Die wiederholte Erfahrung des Selbst und seine Integration in den Alltag führt zu einer weisen (achtsamen) Lebensführung, der Idealzustand zur Erfüllung der 9. Grundregel
des Haiku. 
In der Meditationsforschung wurde dokumentiert, dass die transzendentale Selbsterfahrung im EEG durch Synchronisation im Bereich der Gammafrequenzen gekenntzeichnet ist, also ein spezifischer Bewusstseinszustand ist.



 Vorschau 7.12.2018: Kernaussagen des klass. Buddhismus 
                                                                                                                  Horst Schürmann

Ich nehme Zuflucht zu Buddha. Ich nehme Zuflucht zum Dharma. Ich nehme Zuflucht zur Sangha.
Dies ist das „Glaubensbekenntnis“ der Buddhisten.

Im Folgenden einige Kernaussagen des Buddhismus. Diese beziehen sich darauf, wie das Dharma vom Buddhismus gesehen wird.

A. Grundannahmen:
1. Nichts ist von Dauer:  Alles befindet sich in einem Prozess des Werdens und Vergehens.
2. Das Leben ist Leiden: siehe unten
3. Die Dingen erscheinen in wechselseitiger Abhängigkeit  und lösen sich ebenso auf. Sie sind also ihrem Wesen nach leer, gehaltlos.
4. Es gibt kein ich oder Selbst.

B. Die vier edlen Wahrheiten:
1. Das Entstehen des Leidens:
Geburt ist leidvoll, Altern ist leidvoll, Krankheit ist leidvoll, Tod ist leidvoll, mit Unlieben vereint von Lieben getrennt sein ist leidvoll, nicht erlangen was man begehrt ist leidvoll.  Kurz, das hängen an der Welt ist leidvoll.
2. Die Ursache des Leidens:
Unwissenheit ist die Ursache des Leidens. Durst nach Werden und Entwerden (z.B. Wünsche und Begierden) ist die Ursache des Leidens (siehe Kausalnexsus).
3. Vom Vergehen des Leidens:
Wird die Unwissenheit aufgelöst, ist der Kreislauf des Werdens und Entwerdens durchbrochen und das Leiden endet.
4. Der Weg zum Vergehen des Leidens:
Der Weg der zur Auflösung des Leidens führt ist der edle achtfache Pfad.

C. Der edle achtfache Pfad:
Der achtfache Pfad baut aufeinander auf, das heißt: Ohne ein gewisses Maß an rechter Anschauung sind alle folgende Bestandteile nicht weiter zu entwickeln usw..

1. Rechtes Anschauung:
- Vergegenwärtigung der Grundannahmen im Alltag
- Weltliche Weisheit => Die Welt oder die Dinge so sehen wie sie ist oder sind.
- Darauf aufbauend ist eine angemessene  Analyse des Geschauten möglich.
2. Rechtes Denken
- Denken dient als Werkzeug und logische Überlegungen, z.B. Widerspruchsfreiheit, helfen angemessen zu bewerten. Also die irrtumsfreie Untersuchung der besonderen und allgemeinen Eigenschaften eines Phänomens.
3. Rechte Rede
- Irrtumsfreie Auslegung einer Lehre.
4. Rechtes Handeln
- Enthalten von nicht tugendhaftem Verhalten, z.B. Lügen, stehlen, töten, Drogen- und Alkoholmissbrauch, sexuelles Fehlverhalten.
5. Rechte Lebensführung
- Nicht nach materiellen Reichtümer streben. Keinen Beruf ausüben der Punkt 4 wiederspricht oder Andere dazu zwingt Punkt 4  zuwiderzuhandeln.
6. Rechtes Streben
- Zu Beginn der Konzentration hören Denken und oder emotionale Erregungen nicht auf, wird aber nicht unterdrückt, auch folgt man den Gedanken und oder Gefühlen nicht, sondern kehrt zur Konzentration zurück.
7. Rechtes Überdenken
- Auch die in der Konzentration entstehenden „Gefühle“ sollen überwunden werden.
8. Rechtes sich Versenken
Überwindung allen Unklarens.

Stadien den Konzentration bzw. Meditation:
1. Nicht mehr im Konzeptuellen seiend.
2. Freude
3. Glück
4. Gleichgültigkeit im Sinne von Ausgewogenheit
5. Wahrnehmung des unendlichen Raumes
6. Wahrnehmung des unendlichen Bewußtseins
7. Wahrnehmung der Leerheit
8. Wahrnehmung die weder unterscheidet noch nicht unterscheidet
9. Buddhaschaft, aufgesogen im Verlöschen.

D. Das Gesetz von Ursache und Wirkung am Beispiel von Werden und Vergehen (Kausalnexsus)
1. Nichtwissen
2. Karma gestaltende Triebkräfte
(Beide gehören zu vergangenen Leben)
3. Bewußtsein
4. Geistig-leibliche Einzelwesenhaftigkeit
5. Bereich der 6 Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten, Denken) als Grundlage der geistigen Vorgänge.
6. Berührung (Bewußtseinseindruck)
7. Empfindung
8. Durst (Begierde)
9. Lebenshang
10. Werden
(Diese Punkte beziehen sich auf das gegenwärtige Leben)
11. Wiedergeburt
12. Altern und Sterben
(Diese Beiden Punkte beziehen sich auf ein zukünftiges Leben.)