Philrunde Juli 2021
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Philrunde Jul
Die Philosophen-Runde Melle ist ein Freundeskreis von Menschen, die über den Tellerrand des Alltags hinaus schauen und sich Gedanken machen über den Zustand der Welt und den Sinn des Lebens. Jede(r) ist willkommen. Vorwissen ist nicht erforderlich. Wir treffen uns einmal im Monat. Ort und Termin bitte erfragen: T. 05422/2635 Näheres auf der Seite "Über uns".
Philrunde Juli 2021
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Philrunde Jul
Tierethik - Klaus Burghardt
Einige Aspekte der Schopenhauerschen Mitleidsethik
Als mir vor einiger Zeit der Gedanke kam, dass das Thema Tierethik eine passende Ergänzung zu dem Problembereich „Der Omnivore vs. vegane Ernährung“1 sein könnte, da wusste ich noch nicht, dass Albert Schweitzer Schopenhauer eine Pionierrolle in der Tierethik zugeschrieben hatte2.
Aus mehreren Gründen sehe ich angesichts der Vielzahl tierethischer Ansätze die Schopenhauersche Mitleidsethik für unsere Runde als am besten geeignet an. Insbesondere scheinen mir - anders als dies etwa beim durch seine Radikalität für einen spannenden Disput ohne Zweifel bestens geeigneten Egalitarismus3 der Fall ist - zwei grundlegende Annahmen seiner Philosophie ohne komplizierte Argumentationsketten quasi intuitiv einsichtig zu sein:
Schopenhauer scheint davon auszugehen, dass es eine Art Einverständnis darüber gibt, was als moralisch gilt und dass wir so etwas wie einen von allen akzeptierten Kernbereich moralischer Handlungsprinzipien annehmen können. Die Forderungen der Moral seien „jedem wohlbekannte“, meint er. Und über die Prinzipien der Moral seien sich alle Ethiker eigentlich einig. Die Inhalte der Moral erschöpfen sich in zwei von allen Moralsystemen geteilen Grundsätzen:
Schädigungen anderer sind zu unterlassen („Prinzip der
Gerechtigkeit“)
und:
Man soll anderen nach Kräften beistehen („Prinzip der Menschenliebe“)
Dabei ist Mitleid das einzige Motiv, das Handlungen einen moralischen Wert verleiht - Mitleid nicht nur als Anteilnahme an fremdem Leid, sondern zugleich als Willen zu aktiver (!) Leidenslinderung. Gegenstand des Mitleids sind hierbei alle fühlenden Wesen - auch die leidensfähigen Tiere.
Womit wir bei seiner zweiten o.a. Annahme sind: dass das "Wesentliche und Hauptsächliche im Thiere und im Menschen das Selbe ist". Insbesondere stimmen Mensch und Tier darin überein, dass sie Schmerzen empfinden und unter der mangelnden Befriedigung naturgegebener Bedürfnisse leiden können. Solch Anerkennen der tierlichen Leidensfähigkeit ist in der Geschichte der Philosophie - denken wir etwa an Descartes, der Tiere mit Maschinen gleichsetzte - keineswegs selbstverständlich.
Für Schopenhauer hingegen zeigt sich die Verwandschaft zwischen Mensch und Tier einschließlich der Leidensfähigkeit zumindest der höheren Tiere schon in der unmittelbaren Erfahrung:
„Alle Handlungen und Gebehrden der Thiere, welche Bewegungen des Willens ausdrücken, verstehn wir unmittelbar aus unserm eigenen Wesen; daher wir, so weit, auf mannigfaltige Weise mit ihnen sympathisiren“.
Der deutsche Philosoph Birnbacher dazu:
„Diese Verwandtschaft wird inzwischen kaum noch geleugnet. Sie wird überdies durch die enge genetische Verwandtschaft zwischen Mensch und Wirbeltieren bestätigt. Darüber hinaus beruft sich Schopenhauer aber auch auf die tierische Anatomie und die Verhaltensbeobachtung in der Zoologie (IV/2, 240), die keine scharfe Grenze, sondern fließende Übergänge zwischen Mensch und Tier erkennen lassen. Auch die anatomischen Übereinstimmungen sind weitgehend bestätigt worden.“ (S. 4)
Und wenn es denn in der Moral darum geht, Leiden zu mindern, und wenn höhere Tiere ebenso wie Menschen leidensfähig sind - warum soll dann lediglich das Quälen von Menschen, nicht aber das von Tieren verboten sein?
Welche Tiere nun allerdings leidensfähig sind und welche nicht, wo genau diese Grenze zu ziehen wäre, dazu scheint sich Schopenhauer nicht eindeutig geäußert zu haben. Wie auch? Ist diese Grenze doch sogar heute noch strittig.
Er setzt allerdings die Leidensfähigkeit von Tier und Mensch ins Verhältnis - mit dem Resultat, dass Tiere weniger leidensfähig seien, weshalb man etwa Zug- und Lasttieren nach dem Grundsatz der globalen Leidensminderung die ihnen aufgetragenen Arbeiten zumuten könne.
Warum sind Tiere weniger leidensfähig? Weil „in der Natur die Fähigkeit zum Leiden gleichen Schritt hält mit der Intelligenz“. Da Tiere ihm zufolge zwar über einen Verstand verfügen, nicht aber über Vernunft4 (die ihrerseits u.a. die Vorwegnahme zukünftiger Ereignisse aufgrund vergangener Erfahrung ermöglicht), geht er davon aus, dass Tiere ohne Erinnerung und Voraussicht in einer „ausdehnungslosen Gegenwart“ leben. Zudem bejaht er die These, dass sich die Intensität des Leidens nach der Fähigkeit zu Erinnerung und Voraussicht bemisst.
Laut Birnbacher sind aus heutiger Sicht beide Annahmen nur mit Einschränkungen aufrechtzuerhalten. Er weist u.a. auf Berichte aus Tierarztpraxen hin. Diese legen viel eher nahe, dass
„gerade die mangelnde Fähigkeit, das Zugemutete zu verstehen, es als harmloses oder notwendiges Übel zu erkennen und ein Ende des Leidens abzusehen, die Leidensintensität erhöht. Tiere scheinen Schmerzen in ähnlich hilfloser Weise ausgeliefert wie Kleinkinder. Sie reagieren, unabhängig davon, ob man ihnen einen Begriff von Leben und Tod zusprechen kann, mit Todesangst und Verzweiflung. Nicht zufällig muss bei Tieren (wie bei Kindern) oft auch dann Narkose angewendet werden, wenn sie bei einem erwachsenen Menschen überflüssig wäre.“ (S. 7)
Schopenhauer sieht sich in Bezug auf seine tierethischen Ausführungen aber noch mit weiterer Kritik konfrontiert. So bekenne er sich etwa nicht zum Vegetarismus. Auch könne er sich trotz seiner dezidierten Hinwendung zum Tier nicht zu einer Postulierung von Tierrechten - wesentlich wäre hier das Recht auf Leben (im Sinne eines Tötungsverbots) - durchringen. Und in der Tat: Solange die Tötung schmerzfrei erfolgt und nicht anzunehmen ist, dass Tiere fähig sind, sich vor einer bevorstehenden Tötung zu ängstigen, scheint Schopenhauer Letztere nicht als Problem zu sehen. Die von ihm genannten Bedingungen - und das ist nun meine persönliche Anmerkung - sind allerdings zumindest in unserer heutigen Zeit fast nirgendwo gegeben. Das Leiden beginnt spätestens mit dem Abtransport, der Ankunft im Schlachthof, der keineswegs immer erfolgreichen Betäubung ...
Auch die anderweitige Nutzung von Tieren lehnt Schopenhauer vor dem Hintergrund seiner Prinzipien nicht ab, solange die den Tieren verursachten Leiden durch die den Menschen ersparten mehr als aufgewogen werden. Misshandlungen allerdings verurteilt er. Zu den Zugpferden merkt er an:
"Die größte Wohlthat der Eisenbahnen ist, daß sie Millionen Zug-Pferden ihr jammervolles Daseyn ersparen".
Tierversuche hält er prinzipiell für zulässig, kritisiert allerdings heftig Wissenschaftler, die offensichtlich nutzlose Versuche durchführen oder solche, die nur geringen Nutzen bringen.
Was aber sagt Schopenhauer zur Verwendung von Tieren im Sport? Insbesondere dort, wo diese mehr den Status von Sportgeräten denn von Mitgeschöpfen haben? Im Zirkus? In Zoos und Aquarien? Wie würde er sich zum Klonen und zur Xenotransplantation positionieren? Dazu, so fürchte ich, müssen wir uns unsere eigenen Gedanken machen. Als Hobbyphilosophen sollte uns das nicht allzu schwer fallen :-).
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1 Unser Thema im Mai d.J. Siehe http://philosophenrunde-melle.blogspot.com/
2 Meine Ausführungen basieren auf einem Vortrag des Philosophen Dieter Birnbacher vom 13.4.2014.
Das Transkript ist unter diesem Link zugänglich:
https://docplayer.org/43424685-Cafe-philosophique-duesseldorf-13-april-arthur-schopenhauer-wegbereiter-der-tierethik-dieter-birnbacher.html
Da es sich bei meinem Text nicht um eine wissenschaftliche Arbeit handelt, erlaube ich mir (auch aus Gründen der besseren
Lesbarkeit), Textpassagen teilweise eng an das Original angelehnt zu paraphrasieren, teilweise gar wörtlich wiederzugeben,
ohne sie als Zitat zu kennzeichnen.
3 Der tierethische Egalitarismus geht davon aus, dass alle Lebewesen in der moralischen Gemeinschaft gleich behandelt werden müssen.
Die Leidensfähigkeit menschlicher Tiere* steht nicht über der anderer Tiere. Dies hat eine Reihe kontraintuitiver Konsequenzen.
Beispiel: Im Rettungsboot ist noch ein Platz frei. Bekommt ihn der Mensch oder der Hund? Wenn ihn der Mensch bekommt - wie
begründet dies der Egalitarist, ohne sich dem Vorwurf des Speziesismus auszusetzen?
* „Der Mensch (...) ist nach der biologischen Systematik eine Art der Gattung Homo aus der Familie der Menschenaffen, die zur Ordnung
der Primaten und damit zu den höheren Säugetieren gehört.“ (Wikipedia)
4 Unser Thema im Juni 2016: Verstand –Vernunft – Glaube;
Siehe: http://philosophenrunde-melle.blogspot.com/2016/05/
05/21
B
Philrunde 4.6.2021 Christian Brehmer
Wir haben uns verirrt – uns fehlt die entscheidende Dimension!
Als Menschen auf dieser Erde wurden wir ins Dasein geworfen, und wir müssen unser Leben irgendwie managen, um „über die Runden zu kommen“. Einigen fällt das leicht, vielen fällt das schwer. Besonders wenn wir an die Zweidrittel der Menschheit in der sogenannten „Dritten Welt“ denken. Oft ist für sie ist das Leben nur ein einziger Kampf ums Überleben. Eine Schande für die wohlhabenden Länder, deren Wohlstand zum großen Teil auf der Ausbeutung der armen Länder beruht; eine Schande auch für die schreiende Kluft zwischen Arm und Reich, selbst in Deutschland.
Zu Coronazeiten allerdings müssen auch in den reichen Industrienationen viele Mittelständler und Kleinbetriebe ums Überleben kämpfen, jedoch meist nur finanziell. Für viele ist ein soziales Netz gespannt, das für ein angenehmes Überleben sorgt. Allerdings ist da der Schmerz, das über Jahre Aufgebaute liegenlassen zu müssen. Die Enttäuschung ist groß, und schnell mündet sie in eine Depression. Zwar müssen nur wenige hungern - das Leiden ist eher psychisch. Die Pandemie hat den ganzen Globus mit einer Malaise überzogen, und wer bemerkt noch das schelmische Kichern des kleinen Mädchens über die Maske ihrer Mutter: „Mama, nimmst du die beim Essen ab?“
Hieß es schon immer: Das Leben ist ein Kampf, so kommt zu Coronazeiten noch die Angst vor dem Ungewissen hinzu und vielleicht die Angst sich anzustecken, ggf. trotz Impfung. Es lauert hinter aller Aktivität und Zerstreuung eine dem Menschen unbewusste Urangst bedingt durch die Trennung von seinem Ursprung. Hinzukommt das häufig verdrängte Wissen um die eigene Sterblichkeit. Trotz Aufklärung, Wissenschaft, Kranken- und Lebensversicherung verbleibt da etwas Unsichtbares und Unkontrollierbares. Uns wird unsere „conditio humana“ auf der gegenwärtigen Evolutionsstufe – einer Durchgangsstufe – bewusst. Und das ist gut so.
Auch bereits vor der Pandemie war für viele das Leben ein Kampf: Joberhalt, Gesundheitsprobleme, Umweltverschmutzung, Klimawandel, Digitalisierung, zwischenmenschliche Auseinandersetzungen, und, und, und – die Liste ließe sich für jeden individuell erweitern. Unser Leben und unser Planet sind in einer Schieflage. „Wir haben uns verirrt“, konstatiert der renommierte Hirnforscher Prof. Dr. Dr. Gerald Hüther. Ob die Naturvölker vor dem Kontakt mit den europäischen Entwicklungsbringern schon soviel Leid kannten? Ist doch das Leben an sich Freude, ein grundlegendes Wohlgefühl, für das man nichts tun muss. Das bestätigen alle, die ihr Bewusstsein erweitern und die sich von ihren inneren Fesseln zum Leben befreien.
Der in Deutschland lebende, spirituelle Lehrer aus England, John David, hat ein Buch verfasst: „Grundlos glücklich. Die Freiheit des Seins“ und dazu einen gleichnamigen Film gedreht. Auch Barbara Vödisch hat ein Buch geschrieben mit dem Titel: „Grundlos glücklich. Die Quelle des wahren Glücks liegt in dir.“ Da heißt es in der Einleitung:
Nichts brauchst du, nichts fehlt Dir, um glücklich zu sein. Wahres Glück ist nicht getrennt von Dir, ist nicht abhängig von glücklichen Ereignissen, von beruflichem Erfolg, Geld oder anderen Menschen. Es ist dein ntürliches Sein.
Für die meisten Menschen ist „das natürliche Sein“ jedoch alles andere als glücklich. Als Kinder strahlten wir es noch aus und kicherten manchmal über das Verhalten der Erwachsenen: „Was? Opa wünscht sich ein Smartphone? Da lachen ja die Apps!“. Wir haben eine Kultur erschaffen, die uns von uns selbst entfremdet. Wir suchen unser Glück im Äußeren, in Ablenkungen oder im Wohlstand, in Besitz und Anerkennung und müssen dafür kämpfen in einer Welt der Ellbogenmentalität. So schaffen wir Verspannungen in unserem Nervensystem und fühlen uns nicht wohl in unserer Haut. Vergeblich suchen wir Ausschau nach etwas Verbindlichem, an dem wir uns orientieren können. Ohne inneren Anker sind wir den Wellen der Ereignisse ausgeliefert, versinken wir in der Informationsflut. Wer bin ich eigentlich und was ist der Sinn meines Daseins?
Spätestens wenn es uns dreckig geht, wenn wir kurz vor dem Burnout stehen und nicht in Aktionismus, in Ablenkungen, Alkohol oder Drogen flüchten, tauchen diese Fragen auf. Sie halten uns in der Schwebe und manchem wird bewusst, dass er nicht lebt, sondern funktioniert. Wir werden gelebt und leben oft am eigentlichen Leben vorbei. Das kann es doch nicht alles sein! Irgendetwas fehlt! Aber wenn wir diesen Schwebezustand, dieses innere Fragen aushalten, unverkrampft für eine Weile aushalten, ohne Ablenkungen, kann eine befreiende Dimension aufschimmern, etwas, nach dem wir schon immer gesucht haben.
„D a s was sucht, ist das Gesuchte“,
sagt Franziskus von Assisi. Was er wohl damit gemeint hat?
Geht es etwa um die dem Suchen innewohnende Dynamik, und weniger um das, was ich suche? Wenn ich alle Inhalte in meinem Bewusstsein zurücklasse, bleibt nur noch das reine Bewusstsein, und – das ist die Entdeckung – dann tut sich eine neue Dimension auf. Sie war schon immer da war, nur überlagert von den vielen Gedanken und Emotionen. Ich ent – decke, zunächst schemenhaft, und dann mit Geduld und Beharrlichkeit immer klarer die Substanz meiner Persönlichkeit, mein eigentliches Selbst, meine Seele. Sie war schon immer da; jetzt habe ich sie kurz erfahren. Sie ist mir entgegengekommen. War der Begriff "Seele" bislang eine in unserer Gesellschaft gängige Begriffshülse - jetzt ist sie mit Erfahrung gefüllt.
Heureka! Ich hab´s gefunden! Ein freudiger Ausruf, wie er von Archimedes in der Badewanne überliefert ist. In der Entspannung kam die befreiende Intuition. Sagt man doch, er sei vor Freude aus der Wanne gesprungen und nackend durch Athen gelaufen: „Heureka! Heureka!“ Der antike Mathematiker und Physiker entdeckte zwar nicht seine Seele, aber ihm ging auf, dass das Volumen seines Körpers genau der Menge des verdrängten Wassers entsprach: das hydrostatische Gesetz.
Fortan gehe ich der Erfahrung meiner Seele nach. Sie führt zu einer regelmäßigen Selbsterfahrungspraxis, die mich jenseits von Gedanken und Emotion zu meiner Substanz, zu meiner Seele befreit. Sei es nun Yoga, Meditation oder Achtsamkeitstraining, der Wege sind viele. Ich finde meine mir gemäße Methode, denn ich bin motiviert. Regelmäßig praktiziert, löse ich mich mehr und mehr von allen Gedanken und lasse alles Inhaltliche zurück, bis ich das reine Bewusstsein erfahre, meine Seele. Ich erfahre sie als eine stille innere Freude. Grundlos. Sie war, so sagten wir, schon immer da, mein zu sich selbst befreites inneres Sein, nur überlagert von schwatzhaften Gedanken, zwanghaften Vorstellungen, schillernden Emotionen und rotierenden Problemen.
Freilich geht mir diese innere Freude im Alltag immer wieder verloren. Aber ganz unverhofft, mitten in der Aktivität taucht sie spontan wieder auf, eine befreiende Bewusstwerdung meiner selbst, eine Orientierung von innen. Ich unterstütze diesen Prozess, und im Laufe der Zeit setzt sich ein sanftes Hintergrund-Bewusstsein, eine stille Präsens im Alltag immer mehr durch. Ich erkenne es als mein wahres Wesen, als meine Heimat, als meine Seele, nach der ich schon immer gesucht habe.
„Die Seele ist eine wissende Substanz“,
sagte Rumi, der persische Philosoph und Mystiker, einer der großen Weisheitslehrer der Menschheit.
Wir alle wissen, dass wenn wir entspannt sind, uns nicht nur gespeichertes Wissen mühelos zugänglich ist, sondern sich auch Intuitionen einstellen können (Beispiel Archimedes). Wir haben ein Problem, grübeln, lassen locker, und die Lösung „fällt uns ein“ Woher kommt sie? Sie kommt aus der Seele, aus der wissenden Substanz. Und wenn sie uns mehr und mehr zugänglich ist, durch regelmäßige Ausübung einer Entspannungs- und Selbsterfahrungspraxis, schöpfen wir zunehmend aus der Intuition, der den Verstand ergänzenden Erkenntnisquelle. Sie ist in jedem Menschen angelegt, und wenn Selbsterfahrungstechniken in unserer Gesellschaft angekommen sind, tun wir das bewusst, was die Evolution unbewusst seit Millionen von Jahren in uns entfaltet hat, das Bewusstsein. Wir werden weniger Fehler machen und von unserem selbstzerstörerischen Verhalten absehen. Die fehlende Dimension - sie wird unser Leben und unseren Planeten wieder ins Lot bringen.
Dabei kann Corona unser Entwicklungshelfer sein: Ein Schuss vor den Bug des vom Menschen fehlgesteuerten Dampfers unserer Gesellschaft. Viele haben das erkannt und wollen nach der Herdenimmunität nicht mehr zurück in das alte Fahrwasser der zwanghaften Steigerung von Produktion, von Konsum und Spaß. Alle machen sich zwar stark für Klimaschutz, aber viele sehen nicht die tiefere Ursache unseres ausbeuterischen Verhaltens der Natur gegenüber. Wir sind schlichtweg Mangelwesen auf der gegenwärtigen Durchgangsstufe der Evolution. Der Mangel lässt sich nicht allein durch Aktionismus und durch Spaß und Konsum ausgleichen – uns fehlt die entscheidende Dimension, die Dimension der Seele.
Dagegen kann man etwas tun.
Autor: Dr. Christian Brehmer, Evolutionsforscher, Bakumer Str. 31a, 49324 Melle E-mail: brehmer.c@web.de , Website: www.bewusstseins-evolution.de
Literatur: C. Brehmer: „Vom Urknall zu Erleuchtung. Die Evolution des Bewusstseins als Ausweg aus der Krise“, Verlag Via Nova ibd.: „Woher? Wohin? Orientierung im Leben. Die Evolution des Bewusstseins als Ausweg aus der Krise, Verlag Via Nova
Weiterleitungen und Kommentare willkommen.
Fleischkonsum-kritisches Gedicht mit anschließendem Kommentar
Klaus Burghardt
Der Omnivore1
Ich seh ein Bild mit einer Kuh
Ihr fehlt ganz vorn das linke Bein!?
Es lässt mir einfach keine Ruh
Dies Bein
Wo könnte es wohl sein?
Da fällt mir ein: Ich hab's gegessen!
Und hab die Kuh dabei verdrängt
Hab neulich im Le Blœuf **** gesessen
Wo keiner an den Schlachthof denkt
Meist ess ich kaum und wenig Fleisch
(Und wenn, dann BIO - garantiert!)
Was grad mal für das Beinchen reicht
Das man dem Kalb dort amputiert
Voilà! Hier ist mein Speiseplan
Fleisch wirst du nur ganz selten finden
Ich bin dabei - schon halb vegan! -
Die Lust auf Fleisch zu überwinden
Das ist nicht leicht
Noch spüre ich
Das Erbe von Millionen Jahren
In denen wir ja eigentlich
Schon immer Allesfresser waren
Auch heißt es, dass ein echter Mann
Um sich als solcher zu beweisen
Auf Kọteletts2 kaum verzichten kann -
Zumindest in gewissen Kreisen
Und hab ich nicht als Mensch das Recht
Die Kreatur zu dominieren?
Nun gilt es plötzlich gar als schlecht!?
Sie massenhaft zu massakrieren
...
Lasst uns mal locker spintisieren:
Was wär die Menschheit ohne Grill?
Was wird denn bloß aus all den Tieren
Wenn keiner sie mehr essen will?
Und euer Tofu schmeckt abscheulich
Es schmeckt im besten Fall nach nichts
Echt, man servierte es mir neulich
Anstelle eines Fleischgerichts!
Ja, Alter, Fleisch ist ein Genuss
Gegrillt, gebraten und gekocht
Ich hab, wie ich gestehen muss
Es schon als Baby gern gemocht
Der Preis für derlei Köstlichkeit
Das seh ich mittlerweile ein
Ist Angst, millionenfaches Leid
Ist Blut und Schmerz und Qual und Pein
[...]
OK - wie soll ich mich entscheiden?
Fast neige ich zum Fleischverzicht
Ich leide mit, wenn Tiere leiden
Und doch ... ganz sicher bin ich nicht ...
Ich schränk mich erst mal weiter ein
Und ess nur noch ein halbes Bein
_____
1 Allesfresser
2 [ˈkɔtlɛts] https://www.duden.de/rechtschreibung/Kotelett
Der Omnivore - ein Anti-Fleisch-Gedicht?
Nein, zumindest nicht nur. Ich würde eher sagen, es handelt sich um ein Anti-BVV-Gedicht. Wofür steht BVV? Für Beschönigen, Verleugnen, Verdrängen.
Das ist es, was wir ständig tun. Zum Beispiel, wenn wir empört reagieren, sollte uns jemand einen Tierquäler nennen. Wo wir doch Tiere lieben, Spinnen im Glas nach draußen tragen, nur Biofleisch essen ... und dabei wissen oder wissen könnten, dass spätestens mit dem Transport, der Ankunft im Schlachthof, der hoffentlich erfolgreichen Betäubung ... das Leiden begonnen hat.
Das ist es, was wir vermutlich tun müssen, um in unserem persönlichen und sozialen Leben zurechtzukommen. Von daher ist es legitim. Es ist aber auch in Ordnung, ab und zu genau darauf hinzuweisen, dies Verhalten auf seine Angemessenheit hin zu hinterfragen und zu prüfen, ob es an der Zeit für Änderungen sein könnte.
Ohne die angeführten „Überlebenstechniken“ würden wir möglicherweise zu dem Schluss kommen, dass die Welt gar nicht so schön ist, wie es oft heißt. Sie scheint ja ohne Fressen nicht zu funktionieren. Nun gibt es die Karnivoren und die Omnivoren. Steht das omni = alles bei Letzteren tatsächlich für ein MUSS? Oder vielleicht doch für ein KANN?
***
Eine persönliche Anmerkung sei mir noch erlaubt:
Wenn ich auch in den vorstehenden Zeilen und deutlicher noch in der Interpretation des Gedichts auf meiner Website [1] im Zusammenhang mit Fleischkonsum sehr deutlich von Tierquälerei rede, so klage ich damit mich selbst an, kritisiere mein eigenes Verhalten. Dies bedeutet gleichzeitig, dass ich niemandem böse bin, der Fleisch isst, dass ich mich in keiner Weise über ihn erhebe, mich weder moralisch noch sonstwie überlegen fühle. Ich denke einfach, man muss einen solchen Sachverhalt - wie auch andere - deutlich benennen dürfen.
Ich hoffe sehr, dass sich an dieser Frage keine Konfrontationen aufbauen, sondern dass sich vielleicht gar ein konstruktiver Diskurs entwickelt bzw. dass der kleine Diskurs auf meiner Website [2] sich fortsetzen lässt.
Als Beispiel mag der folgende Text von Chris dienen, den er mir per Mail zusandte:
Tofu muss nicht langweilig sein. Es kommt auf das Würzen und das angemessene Braten an ebenso wie beim Fleisch. Genauso Seitan. Total lecker! Was ich im Gedicht vermisse, ist der Umwelt Aspekt: Die Produktion von 1 kg Fleisch verbraucht 10-20 Tonnen Wasser. Unmengen von Gülle belasten das Erdreich und das Trinkwasser. 50 Prozent der Weltgetreideernte und 90% der Weltsojaernte werden zum Mästen der Tiere verwendet. Dabei hungern fast 1 Milliarde Menschen. Hinzu kommt die qualvolle Tierhaltung zur Milch und Fleischproduktion, die Methanemission und die Belastung der Gesundheit des Menschen durch Fleisch-, Milch- und Eierkonsum. Und das ist längst nicht alles ...
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[1] https://www.diverseverse.de/alltag-co/der-omnivore-kommentar/
[2] https://www.diverseverse.de/alltag-co/der-omnivore/
Glücklich und gesund: Vegane Ernährung hat viele Vorteile!
Portal für Ethik und Achtsamkeit
Schön, schlank und gesund? Es gibt viele Gründe Veganer zu sein. Nicht nur die Tiere, auch Euer Körper wird Euch danken.
Wir sind nicht als Veganer auf die Welt gekommen. Auch unser Elternhaus war alles andere als vegan. Genau genommen war es unser Englischlehrer, der uns in der Oberstufe für das Thema sensibilisierte. Während sich der Großteil unserer Klassenkameraden einen Spaß daraus machte, Herrn Dr. Dreyer (Vorsicht Pseudonym) – einen überzeugten Vegetarier – durch provozierende Thesen in lang andauernde Diskussionen zu verstricken, um so möglichst schmerzfrei die Englischstunde zu überstehen, begannen wir uns für seine Argumente zunehmend zu erwärmen. Plötzlich stellten auch wir uns die Fragen, wie ist das mit dem Tierwohl eigentlich? Kann Massentierhaltung die richtige Antwort einer zivilisierten Gesellschaft sein? Braucht man überhaupt Tierversuche? Was passiert mit unserer Umwelt? Welche Folgen hat das für die Menschen in der sogenannten Dritten Welt?
Und so begannen auch wir unsere Ernährungsweise umzustellen. Jung und radikal wie wir waren, machten wir uns über Nährwerttabellen, Vitamine oder Mineralien zunächst absolut keine Gedanken. Wir wollten die Welt retten. Fragen über unsere Gesundheit spielten deshalb überhaupt keine Rolle. Unser Bestreben war ausschließlich auf das Vermeiden tierischer Produkte gerichtet. So ähnlich sah denn auch zu Beginn unser Speiseplan aus. Fleisch wurde durch Tofuburger, Wurst durch Sojawürstchen ersetzt; Gemüse war für uns gleichbedeutend mit Pommes frites und Cola oder Limonade waren für uns ohnehin kein Problem. Im Nachhinein wundern wir uns selbst darüber, dass wir auch diese Zeit ziemlich schadlos und ohne übermäßige Gewichtszunahme überstanden haben. Ein junger Körper verkraftet doch wohl mehr als man denkt.
Welche möglichen gesundheitlichen Vorteile hat man als Veganer?
Je mehr und je intensiver wir uns mit dem Thema beschäftigten, umso überzeugter wurden wir von der Richtigkeit des eingeschlagenen Wegs. Aber umso mehr traten auch Fragen der richtigen und gesunden veganen Ernährung in den Mittelpunkt. Wie viele andere Veganer haben wir als Vegetarier begonnen und sind dann in einem längeren Prozess von Teilzeitveganern zur total veganen Lebensweise übergegangen. Denn ein besonderer Aha-Effekt unserer Nahrungsumstellung war nicht nur, dass es uns glücklich und zufrieden machte mit unserer Ernährungsweise ein Zeichen zu setzen und Tieren damit keinen unnötigen Schaden mehr zuzufügen. Ein weiterer positiver Nebeneffekt war, dass wir uns auch plötzlich fitter fühlten, ausdauernder, energiegeladener, kurzum gesünder und ausgeruhter. Woher kam das?
Fleisch macht träge und müde
Alleine der Verzicht auf Fleisch und Wurst hatte bereits diesen positiven Effekt ausgelöst. Der Körper ist einfach nicht mehr so viel mit der Verdauung beschäftigt. Zudem begann für uns mit dem Verzicht auf Milch, Fisch und Eier auch die Suche nach veganen Alternativen. Automatisch sind seither auch mehr Gemüse, mehr Salat, mehr Obst, mehr Vollkornprodukte, mehr Hülsenfrüchte auf dem Teller. Und weil wir nicht mehr jeden Tag das Gleiche essen wollen, interessieren wir uns auch mehr und mehr fürs Selberkochen, Selbstmachen und Ausprobieren exotischer Gerichte.
Das Ergebnis: eine ausgesprochen ausgewogene Ernährung aus frischem, möglichst unbelastetem Gemüse und Obst, meist selbst gemachten Produkten aus dem vollen Korn und sämtlichen weiteren gesunden Nahrungsmitteln, die ohne tierische Zusätze auskommen. Das wirkt sich übrigens nicht nur positiv auf den Körper, sondern auch auf den Geist aus. Seit wir Veganer sind, fühlen wir uns schlichtweg konzentrierter, ausgeglichener und geistig reger als viele unserer Zeitgenossen, die schon morgens in der Bahn oder im Büro alles andere als wach aussehen.
Jetzt werden einige kritische Stimmen behaupten: „Ach was, das weiß doch jeder, dass vegane Ernährung gleichbedeutend mit Mangelernährung ist. Das ist jetzt so Euer Gefühl, aber wo sind die Fakten?“ Ok. Wir haben ein bisschen recherchiert und hier kommen unsere Ergebnisse mit den wichtigsten Vorteilen für eine gesunde vegane Ernährung:
Abnehmen leicht gemacht
Wer sich gesund vegan ernährt, kann, was die Mengen angeht, deutlich mehr essen. Ja, er muss sogar mehr essen und das auch noch häufiger am Tag als der gewöhnliche Fleischesser. Pflanzliche Lebensmittel sind nun mal in der Regel fett- und kalorienarm. Als Veganer muss man schon große Portionen an Obst, Salat oder Vollkornpasta mit Gemüsesoße zu sich nehmen, um den täglichen Kalorienbedarf zu decken. Dafür ist aber auch das Sättigungsgefühl nachhaltiger. Ganz zu schweigen von einem viel besseren Körpergefühl.
Fleisch, Milchprodukte und Eier enthalten dagegen wenige Ballaststoffe, weswegen es bei Fleischessern häufig zu Verstopfung kommt. Wer also schlank sein will, dem fällt dies mit einer veganen Ernährungsweise sicherlich leichter als mit fetten tierischen Produkten. Und das auch ganz ohne Sport.
Weniger Übergewicht, weniger Bluthochdruck
Wer leichter durchs Leben geht, ist auch weniger der Gefahr ausgesetzt, an Bluthochdruck zu sterben. Das belegen inzwischen zahlreiche Studien. Veganer haben demnach im Durchschnitt einen niedrigeren Blutdruck als Nichtveganer. Das liegt zum einen am geringeren Körpergewicht im Vergleich zu unseren Fleisch essenden Zeitgenossen. Zum anderen enthalten Gemüse und Obst viel Kalium. Gut für uns Veganer, denn Kalium hilft das Blut zu verflüssigen, und so muss das Herz weniger stark pumpen.
Kein Problem mit Cholesterin
Eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland sind der Herzinfarkt oder der Schlaganfall. Beides hängt zusammen mit zu hohen Cholesterinwerten. Das führt zu Ablagerungen in den Gefäßen und dadurch häufig zu Herzkreislauferkrankungen. Ursache? Tierische Fette. Viele pflanzliche Lebensmittel, wie zum Beispiel Bohnen, Haferflocken oder Artischocken haben dagegen einen cholesterinsenkenden Effekt. Diese Lebensmittel enthalten lösliche Ballaststoffe, die Cholesterin binden und aus dem Körper transportieren. Perfekt für uns!
Und was ist mit der Volkskrankheit Nummer eins: Diabetes?
Keine Krankheit ist in den letzten Jahren in Deutschland so rasant angestiegen wie Diabetes. Und alles weist darauf hin, dass dies in Zukunft sogar noch schlimmer wird. Der Grund: Überzuckerung. Ein echtes Zivilisationsproblem, da Zucker als Geschmacksverstärker nahezu fast allen Lebensmitteln zugeführt wird. Aber Zucker ist doch vegan, wird nun der eine oder andere einwenden. Stimmt schon. Die Erklärung hat letztendlich wieder mit dem Übergewicht zu tun. Nach einer Studie der Deutschen Diabetes Stiftung liegt bei knapp 80 % aller Diabetiker der Typ-2-Diabetes vor. Als Auslöser für die Krankheit gilt unter anderem eine stark fetthaltige Ernährung. Und die kommt bei Veganern, wie wir bereits mehrfach erwähnt haben, im Durchschnitt eben wesentlich seltener vor.
Vegane Ernährung kann das Krebsrisiko senken
Auch Veganer sterben an Krebs. Das ist leider so. Man geht allerdings davon aus, dass Fleisch- und Milchprodukte das Krebsrisiko erhöhen, während es bestimmte sekundäre Pflanzenstoffe gibt, die nicht nur allgemeine gesundheitsförderliche Effekte haben, sondern auch der Krebsentstehung vorbeugen können. Zu den sekundären Pflanzenstoffen zählen unter anderem gelb-orange-rotes Gemüse und Obst, grünblättriges Gemüse, Weizenkeime, Nüsse, Hülsenfrüchte, Sojabohnen und Zwiebel- und Lauchgewächse.
Vegan leben – gut für die Tiere und für Euch
Fassen wir also zusammen: Vegane Ernährung macht nicht krank. Ganz im Gegenteil. Sie steigert unsere Leistungsfähigkeit und Vitalität, macht uns schlanker, munterer, zufriedener und offensichtlich auch gesünder. Denn es ist kaum von der Hand zu weisen, dass zu viel tierische Eiweiße und Fette zu gesundheitlichen Problemen wie Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck, Herzkreislaufproblemen oder gar Krebs führen. Mit einer rein pflanzlichen, ausgewogenen Kost können wir hingegen die Gesundheit unterstützen, beim gesunden Abnehmen helfen und damit viele Erkrankungen, die auf die Ernährung zurückzuführen sind, verhindern oder zumindest das Risiko für solche Erkrankungen minimieren.
Deshalb unser Rat am Ende für Euch: Lebt vegan. Lebt gesund. Lebt einfach länger!