Mittwoch, 20. September 2017


Nachschau 01.09.17: Armin Risi - "Der radikale Mittelweg"
                                                                                                              Jessica Schwark
Wir trafen wir uns wieder in der Praxis von Martina Arlt.
Peter Bayreuther, Musiker und Yogalehrer, referierte über das Buch: „ Der radikale
Mittelweg“ von Armin Risi.
In 13 Thesen definiert Risi darin das sogenannte „ theistische Bewusstsein“ als Weg zu
einem sorgenfreien Dasein für den Einzelnen und Weg zum Frieden zwischen den
Menschen.
Risi selbst lebte als junger Mann 18 Jahre in indischen Klöstern und studierte dort die
alten Schriften.
Sein Gottesbild ist das absolute Bewusstsein. Es ist direkt erfahrbar und hat einen eigenen
Willen: Einheit und Liebe.
Materie wird als Manifestation göttlicher Energie betrachtet, statt Evolution herrscht
Involution.
Der Mensch als ewiges Wesen, nicht teilbar mit Gott verbunden, hat die absolute
Verantwortung für sein Leben und sein Handeln, da er freien Willen besitzt.
Der freie Wille ist ebenfalls die Ursache des Bösen in der Welt.
Gott greift hier nicht ein, es ist der Mensch, der zu Bewusstsein für Gut und Böse kommen
muss.
Risi spricht in seinen Werken von „spiritueller Wissenschaft“, die im Gegensatz zur
Naturwissenschaft steht.
Peter hat für uns ein komplexes Buch, das in seiner Essenz die großen Fragen der
Menschheit nach Gott, dem Leben, dem Tod, sowie nach Gut und Böse umfasst, kompakt
und verständlich dargestellt.
Dafür an dieser Stelle nochmal vielen Dank!
Die anschließende Reflexion zeigte wieder einmal die angenehme Vielfalt der Sichtweisen
und Charaktere in unserer Runde.

Vorschau 6.10. 2017: Die Reformation, theologisch und kultur-geschichtlich                                                        Jürgen Staas
Bezug u.a.:  „Die Deutsche Protestantische  Republik“   (Der Spiegel)

Theologisch begründet ist die Reformation mit der sog. „Rechtfertigungslehre“, die Luther nach Augustinus („Erbsünde“)  von Paulus (sola fide, sola gratia, sola scriptura)  ableitet. Anlass ist der skandalöse Ablasshandel.  Der Mensch kann sich nicht selbst durch gute Werke erlösen. Er bedarf der Gnade Gottes  und des Glaubens an die Erlösungstat  Christi.

Der evangelische Glaube als Gewissensreligion fußt auf Überzeugung und Gesinnung in direkter Verantwortung vor Gott.  Es gibt keine Zweistufenethik von Priestern und Laien.  Das bewirkt eine Entklerikalisierung und Aufwertung des Berufes als Berufung. Beruf als Gottesdienst mit entsprechendem Berufsethos. Das ist anstrengend und führt leicht zu Prinzipienreiterei und Selbstgerechtigkeit, Genussunfähigkeit, schlechtem Gewissen,  heute etwa auch zu „grüner“ Gesinnung.

Das „typisch Deutsche“ ist vielfach protestantisch geprägt und enthält puritanische Elemente  wie Fleiß, Pflichtbewusstsein, Sparsamkeit, Rationalität, Affektkontrolle. Tugenden steht Zwanghaftigkeit gegenüber.  (cf. Max Weber, Die Protestantische Ethik)

Glaube verbindet sich mit Bildung. Lesefähigkeit, eigene Meinungsbildung, Mündigkeit, Kritikfähigkeit, Volksbildung sind wichtige Ziele. Bildung und Sinn sind wichtiger als Unterhaltung. Deutschland hat den größten Buchmarkt. Typisch auch die deutsche Unterscheidung von U- u. E-Musik.  Die protestantischen Kirchen sind mehr oder weniger demokratisch und weniger hierarchisch verfasst.

Die Ehe ist die natürliche gottgewollte Ordnung, nicht Zölibat und Mönchswesen. Luthers Ehe und Familie sind das Modell des evangelischen Pfarrhauses, das viele große Geister der deutschen Kulturgeschichte hervorgebracht hat  (s. Christine Eichel, Das evangelische Pfarrhaus).  Musik, Kunst, Pädagogik sind bedeutende Elemente. Lutheraner sind keine Bilderstürmer.  Aber der Sinn der Kunst ist wesentlicher als der Unterhaltungswert.

                                                                                                     

Donnerstag, 17. August 2017

Nachschau 4.8. 2017                                Jürgen Staas

Thema war die Fortsetzung der Diskussion über Heiner Geisslers kirchenkritische Schrift „Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss?“  Zufällig ergab es sich, dass am selben Freitagabend das „Philosophische Radio“ auf WDR 5, Leitung Jürgen Wiebecke, die Frage nach der Existenz Gottes zum Thema hatte. Es wurde beschlossen, da hineinzuhören.  Eine gute halbe Stunde genügte,  um einen Eindruck zu gewinnen. Eingeladen war, wie üblich, ein Hochschullehrer, hier der Philosoph Guido Kreis.  Es wurde bald klar, dass die Sendung im wesentlichen die traditionellen Vorstellungen vom „Gott der Philosophen“ zum Gegenstand hatte, mit allen Überlegungen zum Problem der Möglichkeit oder Unmöglichkeit von Gottesbeweisen.  Klassisch ist darunter der sog. Ontologische Gottesbeweis des Anselm von Canterbury: Wenn Gott vollkommen ist, dann schließt seine Vollkommenheit die Existenz mit ein.  Der anwesende Philosoph betonte immer wieder die inhärente Widersprüchlichkeit der ganzen Problematik. Besonders deutlich wird sie am paradoxen Beispiel vom schweren Stein. Wenn Gott allmächtig ist, müsste er in der Lage sein, einen Stein zu schaffen, der so schwer ist, dass Gott selbst ihn nicht tragen kann. Kann er ihn aber nicht tragen, ist er nicht allmächtig!.  Es ist klar, dass solcherlei Sophistereien und Verabsolutierungen wenig hilfreich sind. Es wäre anzumerken, dass Kant, der „Zertrümmerer“,  ein für alle Mal mit den Gottesbeweisen  aufgeräumt hat.  -  Wir kamen dann zu H. Geisslers Frage zurück. Sein Problem ist die Verzweiflung am überkommenen christlichen, theistischen Gottesbild.  Es postuliert ja auch einen ewigen, allmächtigen, allwissenden, gütigen und barmherzigen Gott. Angesichts der Katastrophen und des Leidens ergibt sich daraus das uralte Problem der „Theodizee“, d.h. der Rechtfertigung Gottes.  Es verwundert, dass der umfassend gebildete,  kritisch denkende ehemalige Jesuitenschüler Geissler  anscheinend noch immer diesem alten Gottesbild so verhaftet ist, dass er daran verzweifeln muss.  Es gibt inzwischen ganz andere Vorstellungen, etwa die eines Eugen Drewermann, der Gott vom Menschen her denkt und von Bewegungen, Veränderungen, Beziehungen spricht.  Verwiesen wurde im Gespräch auch auf die Vorstellung aus dem Johannesevangelium, wonach Gott Geist sei, der „im Geist und in der Wahrheit“  anzubeten sei, ein Gottesbegriff, der  dem heutigen Diskurs von der Spiritualität nahe kommt.  Ins Gespräch kamen auch  mehr ästhetische Erwägungen, etwa von der Schönheit der Schöpfung, die aber von dem existentiellen Anliegen eher wegführten. -  Was wäre Geissler zu antworten, der an Gott verzweifelt, aber anscheinend an den Lehren und dem Beispiel des Jesus von Nazareth festhalten möchte?  Ja, es käme darauf an, der jesuanischen Ethik zu folgen,  etwa nach dem Beispiel eines Albert Schweitzer.  Wie es gelingen kann, dass der umfassend  bedingte Mensch überhaupt in die Lage versetzt wird, sich vom dem guten Geist berühren zu lassen, ist eine andere Frage.  -  Gegenstand der nächsten Sitzung  am 1. September wird das Buch von Armin Risi  „Der radikale Mittelweg“sein. 
                                                                                                                   

Vorschau 1.9.2017: Armin Risi - "Der radikale Mittelweg"
                                                                                   
 Peter Bayreuther:
Vor etwa 4 Jahren fand ich im Yoga Vidya Bücherladen in Bad Meinberg das Buch von Armin Risi „Gott und die Götter“. Seitdem bin ich begeistert von diesem Autor, habe alle seine Bücher gelesen und alle seine Videos auf youtube gesehen und habe auch vor einem Jahr ein ganztätiges Seminar bei ihm mitgemacht und mit ihm persönliche Gespräche geführt.
Für mich ist Armin Risi (geb. 1963) ein intellektuelles Genie und einer der wichtigsten  spirituellen Philosophen der Gegenwart.
Er lebte 18 Jahre in vedischen Klöstern und sein Werk ist in der Tradition der indischen Bhakti-Philosphie, für die die Liebe zu Gott als Individuum das allerwichtigste ist – Gott als das göttliche Liebespaar Radha und Krishna, die in ewiger spiritueller Ekstase sich gegenseitig lieben.  
Nur ein Individuum kann ein anderes Individuum lieben, deshalb definiert Armin Risi diesen Begriff neu im wörtlichen Sinne als das Un- (In-) teilbare (dividuum)…
Das Mysterium ist, dass wir als Individuen auch gleichzeitig ein Teil des Indivuums Gott sind.
Er tritt ein für Theismus, als einen vernünftigen Gottglauben und versteht  Theismus in seiner Definition als radikalen Mittelweg zwischen Monotheismus und Atheismus.
Zum Einstieg kann ich natürlich das Buch empfehlen „Der radikale Mittelweg“ in der Neuauflage von 2016 im Koppverlag und das folgende recht aktuelle Video auf youtube:

(Oder, falls unzugänglich, auf YouTube Armin Risi, eingeben, "Der radikale Mittelweg" ) C.B.

Klappentexte und Inhaltsverzeichniss:
Was ist Monotheismus, was ist Theismus? Bisher wurde beides noch nie klar unterschieden, doch die Erklärungen des vorliegenden Buches zeigen, dass der Unterschied so gewaltig ist wie der zwischen Krieg und Frieden, Hass und Versöhnung, „Dunkelheit“ und „Licht“.

„Religion ist Illusion und eine Bedrohung für die Welt“, sagen heute viele atheistische Religionskritiker. – Doch der Atheismus ist nur die andere Seite des Monotheismus! Und viele Atheisten sind eigentlich keine Atheisten, sondern Amonotheisten.

Atheismus und Monotheismus prägen den Kurs der Menschheit seit über 2000 Jahren, und die Weltgeschichte zeigt, dass beide Seiten den Menschen weder Frieden noch wirkliche Vernunft gebracht haben. Armin Risi beleuchtet die philosophischen und praktischen Konsequenzen dieser Weltbilder und beschreibt den „radikalen Mittelweg“ des Theismus. Mittelweg bedeutet nicht Mittelmäßigkeit und Durchschnitt, auch nicht bloß Synthese der Gegensätze, sondern Überwindung der Gegensätze.

Dieses Buch ist ein revolutionäres Werk und zugleich ein spannendes Lehrbuch der spirituellen Philosophie: Wie erkenne ich Materialismus, Dualismus, Monismus? Wie unterscheidet sich theistische von atheistischer Esoterik? Was ist die spaltende Kraft, welches sind die beiden Seiten? Wohin führt der aktuelle Paradigmenwechsel?
Atheismus und Monotheismus sind die beiden Seiten der Spaltung, die das gegenwärtige Zeitalter seit mehr als 2000 Jahren prägt. Mit der heutigen Wendezeit soll diese Spaltung jedoch überwunden werden – durch ein „radikal“ neues Bewusstsein mit revolutionären Erkenntnissen: die geistige Herkunft der Menschheit, die Realität des multidimensionalen Kosmos, der spirituelle Hintergrund der Materie.

Armin Risi durchleuchtet die heute vorherrschenden Weltbilder in aller Konsequenz: Was ist der spaltende Geist? Wie wirken die beiden Seiten? Wie kann die Spaltung überwunden werden? „Der radikale Mittelweg“ des Theismus ist nicht einfach eine neue Theorie oder Theologie, sondern eine Rückbesinnung auf das Urwissen der Menschheit und den gemeinsamen Kern aller Religionen.

Zeitloses Wissen, neuste Erkenntnisse: Beides zusammen führt zum Bewusstseinswandel, der von den Mysterienschulen der alten Kulturen für die heutige Zeit vorausgesehen wurde. Das vorliegende Buch ist ein Manifest dieses Paradigmenwechsels.
Vorbemerkungen (1): Zur Bedeutung von „radikal“
Vorbemerkungen (2): Zur Kritik an den heutigen Religionen
Vorbemerkungen (3): Zur Form des Textes

1 Das Theistische Manifest
2 Was ist Monotheismus? Was ist Theismus?
3 Der Mittelweg als Ausweg
4 Differenzieren statt verabsolutieren
5 Religion und Wissenschaft
6 Jeder glaubt an etwas Absolutes
7 Was ist Realität?
8 Religion, Theologie und Philosophie
9 Theistische Theologie (1): Ganzheit, Einheit, Vielfalt
10 Theistische Theologie (2): Das Mysterium von Individualität und Liebe
11 Theistische Theologie (3): Die drei Gottesaspekte
12 Gut und Böse
13 Materialismus, Humanismus, Monismus
14 Konsequenzen des Atheismus
15 Dualismus: die Weltbilder des Monotheismus und der Gnosis
16 Konsequenzen des Monotheismus
17 Wie der Monotheismus entstand
18 Geschichte der theistischen Mysterienschulen
19 Das Credo der materialistischen Wissenschaft
20 Die Evolutionstheorie: eine materialistische Interpretation von Natur, Mensch und Bewusstsein
21 Die geistige Herkunft des Menschen
22 Philosophie des Geistes
23 Leben nach dem Tod
24 Schicksal und freier Wille
25 Unterscheiden, ohne zu urteilen
26 Selbsterkenntnis und innere Einweihung
27 Ethik und Moral
28 Die Moses-Gebote
29 Der theistische Kern des Judentums
30 Der theistische Kern des Christentums
31 Der theistische Kern des Islam
32 Vision, Vernetzung und die nächsten Schritte

Die Thesen des Theistischen Manifests können als PDF bei > kp.burghardt@t-online.de<
angefordert werden oder eine Kurzform unter https://www.sein.de/theismus-der-radikale-mittelweg/

Sonntag, 18. Juni 2017

Nachschau   02.06.2017: Interview mit Heiner Geisler  
                                                                                                      Jessika Schwark
                                                 
Thema: „Mich packt der Zorn“- Interview mit Heiner Geissler anlässlich seiner
Streitschrift „ Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss?“
Schon die erste Frage des Interviews „ Herr Geissler, glauben sie noch an
Gott? und die Antwort „ Ich habe große Zweifel“ geben Stoff für Diskussionen:
Darf man denn überhaupt an Gottes Existenz/ Gottes Wesen zweifeln? Eine
Teilnehmerin berichtet, dies sei in Ihrer Jugend doch eindeutig eine große
Sünde gewesen?
Die folgende Aussage Geisslers: „ Mich packt der heilige Zorn“ lässt ebenfalls
Spekulationen zu- denn was ist überhaupt „ heiliger Zorn“?
Kann ein Mensch, der zornig ist, überhaupt irgendein Thema wahrlich
beurteilen? Oder ist er Sklave seiner Emotionen, die seinen Geist und seine
Wahrnehmung trüben?
Das theistische Gottesbild weist Gott drei wesentliche Eigenschaften zu:
allmächtig, allwissend, allgegenwärtig- warum also gibt es Leiden in dieser
Welt?
An dieser Frage verzweifelt auch der frühere Jesuit Heiner Geissler, spricht
von einem „ Skandal“, der die Kraft hat, jede Generation neu zu erschüttern.
Am Leben und Sterben des historischen Jesus von Nazareth, der „ mein Gott,
warum hast Du mich verlassen“ klagt, stellt sich die Frage nach dem
strafenden Gott.
Geissler kritisiert die Führungselite der Kirchen: „ Zwei Milliarden Christen
könnten die Welt verändern, wenn die entsprechende geistige Führung da
wäre“, diese Aussage führt zur Diskussion über die Eigenverantwortung eines
jeden einzelnen Menschen und zu der Frage, ob wir als Menschen überhaupt
einen freien Willen haben, zu handeln, oder ob wir letzlich nur glauben, frei zu
handeln...
Wir sind uns einig, dass uns das Interview mindestens noch Stoff für einen
weiteren gemeinsamen Abend bietet.
Dieser findet nach unserer Sommerpause am 04.08.17 bei Jürgen Staas statt.

Vorschau  4.8. 2017: Interview mit Heiner Geißler
(Fortsetzung)                                      Klaus Burghardt    

Im letzten Treffen ging es u.a. um das Problem von Willensfreiheit und Determinismus. Möglicherweise gibt es hierzu noch Gesprächsbedarf?

Es wurde auch moniert, daß Geißler viel kritisiere, aber wenig Positives anzubieten habe. Dem wurde mit dem Hinweis auf Geißlers Christus-Bild begegnet und mit den Forderungen, die er an die Kirchen stellt. Sind sie berechtigt? Oder zu radikal?

Die Botschaft Jesu („die Pflicht zur Solidarität unter den Menschen“), die Frage der Theodizee, Geißlers Einschätzung des Papstes („der beste Mann, den wir zurzeit auf der Welt haben. Er kämpft gegen die globale Ökonomie, 'die tötet' ...“) scheinen mir weitere mögliche Diskussionspunkte zu sein.

Lest bitte noch einmal den Text der Vorschau zum 2.6.17 „Mich packt der Zorn“ und wenn möglich das Interview vom 31.3.17: http://www.zeit.de/2017/14/heiner-geissler-glauben-alter-interview/komplettansicht

Die Streitschrift "Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss?" (7 Euro) von Heiner Geißler ist im März im Ullstein Verlag erschienen.

Heiner Geißler ist Autor zahlreicher Bücher. Der ehemalige Bundesminister, geb. 1930, war 25 Jahre lang Mitglied des Deutschen Bundestages und Schlichter von Stuttgart 21.

Mittwoch, 17. Mai 2017


 Nachlese 5.5.2017: Die Lebenskraft         Christian Brehmer      

Die Lebenskraft manifestiert sich ganz unterschiedlich, wiewohl sie selbst eins und  für den Menschen verborgen ist. Poetisch ausgedrückt:
                     "So erhabene Inelligenz wirkt wohl im Geheimen,
                                                          ihr unverseller Künstlergeist malt das Relative."
Die unterschiedlichen Varianten der Lebenskraft waren Gegenstand unserer Dialogrunde. Im obigen Zitat wird sie als Evolutions- und Schöpfungsdynamik schlechthin verstanden. Denn irgendeine Kraft muss ja die Materie zur Selbstorganisation "animieren" (1), muss sie zur Höherentwicklung antreiben (2) und zu neuen Kreationen und Ausdruck von Schönheit veranlassen (3). Die Naturwissenschaft reduziert die Lebenskraft auf eine Eigenschaft der Materie. Alles lässt sich aus der Materie ableiten (Monismus).
    Die den Kosmos durchwaltende Intelligenz ist bereits unmittelbar nach dem Urknall erkennbar. Kurz darauf, für den Bruchteil einer Sekunde, in der "Planck-Zeit", hatten die bekannten physikalischen Gesetze noch keine Gültigkeit. Aber dann kommt es zur Regie der "Fundamentalkonstanten" (Gravitation, Elektromagnetismus, starke und schwache Kernkraft), die so fein aufeinander abgestimmt sind, dass sie Evolution ermöglichen. Würde man an ihrem Verhältnis zu einander nur geringfügig etwas verändern, käme es zu keiner geordneten Strukturbildung im Kosmos =  griech. Ordnung. 
  In der Diskussion wurde zum Ausdruck gebracht, dass die Materie an sich dem Zerfall, der "Entropie", unterliegt. Zu beobachten ist jedoch in der Natur genau die gegenläufige Tendenz: allenhalben Wachstum, Komplexität, Höherentwicklung,  Schönheit und Intensivierung des Bewusstseins. Der Schweizer Biologe Adolf Portmann spricht vom "Darstellungstrieb" der Organismen, der weit über den Selbsterhaltungstrieb hinausgeht.
    Außer der naturphilosophischen Betrachtung der Lebenskraft als Evolutionsdynamik interessierte uns die Lebenskraft als spürbares Phänomen im Menschen. Bin ich ermüdet, ist die Lebenskraft erschöpft. Oder wie verhält es sich mit der Aggression? Ist sie ein Überschuss an Lebenskraft? Wohl eher ist sie eine kurzfristige Provozierung, oftmals emotional gesteuert. Besser wäre eine der Situation angemessene Steuerung durch Überblick. Überblick aber ist eine Funktion des Bewusstseins. Und das lässt sich erweitern. Dazu dient u.a. die philosophische Entspannungsreise zu Beginn unserer Philrunde.  

Vorschau 2.6.2017: "Mich packt der Zorn"
Auszüge aus einem Interview zwischen der Redaktion von "Christ und Welt" und Heiner Geißler
 vom  31.3.´17                                                                                                 Zusammgestellt von Klaus Burghardt

Heiner Geißler*:
„Mich packt der heilige Zorn, wenn ich an die offizielle evangelische und katholische Theologie denke.
...
Ich habe mit den Jahren angefangen, an Gott zu zweifeln, habe nach der Wahrheit gesucht. Dabei ist mir meine
religiöse Heimat immer mehr abhandengekommen. Aber ich kann sie behalten, weil ich die Verfälschung des
Evangeliums durch die Theologie erkannt habe.
... Millionen Menschen können das jetzige Leben nur in der Hoffnung auf ein besseres Leben ertragen. Damit die
christliche Religion aber nicht zum jede Revolution erstickenden Opium des Karl Marx wird, müssen die Kirchen
an der Seite der hungernden, armen Menschen stehen.
...
In jeder Sekunde werden auf der Welt Tausende von Menschen getötet, gefoltert und vergewaltigt. Wenn die
Schreie dieser Menschen auf einmal zu hören wären, dann wäre dieser Schrei so furchtbar, dass er alles Leben
auslöschen würde. Das geschieht jede Minute seit Tausenden von Jahren. Warum versteckt sich Gott? Und was
machen die Kirchen? Sie beten den Psalm 118, sie frohlocken, sie loben Gott. Das ist absurd.
...
Gott will von den Menschen geliebt werden und hat ihnen dafür den freien Willen gegeben. Was ist das für ein
Gott, der in Kauf nimmt, dass es Auschwitz und Pol Pot gibt, damit er geliebt werden kann?
...
Ich kann Jesus nicht fahren lassen. Wir wissen, dass er gelebt hat und welche Botschaft er hatte. Wegen ihm
verzweifle ich nicht trotz meiner Gotteszweifel. Jesus hat die größte Volksbewegung der Menschen in Gang
gebracht und die beste, glänzendste und revolutionärste Botschaft der Welt verkündet: die Pflicht zur Solidarität
unter den Menschen. Er hat ihr denselben Rang gegeben wie der Liebe zu Gott.
...
Zwei Milliarden Christen könnten die Welt verändern, wenn die entsprechende geistige Führung da wäre. Doch
die katholische Kirche kann sich noch nicht einmal auf ein gemeinsames Abendmahl einigen.
...
Die Kirchen müssten Widerstand leisten gegen die Mächtigen dieser Erde. In der Welt des Kapitalismus, der
Investmentbanker, einer gigantischen Finanzindustrie mit ihren gesellschaftlichen Leitbildern Egoismus, Gier,
Geiz, Erfolg, Dividende, Konsum, Rang und Titel ist Jesus eine totale Provokation und die Verkörperung von
Menschlichkeit und Barmherzigkeit. Den Menschen zu helfen geht nur mit Streit, Auseinandersetzung, Kampf.
Stattdessen preisen die Kirchen Gott und blasen die Posaune von den Türmen ihrer leeren Kirchen.
... Wir können daran arbeiten – Vorbild Jesus –, das Leid zu verringern und den Pfusch, der in der sogenannten
Schöpfung steckt, zu beseitigen. Und vielleicht ist das, woran man zweifelt, trotzdem wahr.“

Dies sind Auszüge aus einem Interview vom 31.3.17: http://www.zeit.de/2017/14/heiner-geissler-glauben-alterinterview/
komplettansicht
Die Streitschrift "Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss?" von Heiner Geißler ist im März
im Ullstein Verlag erschienen.
* Der ehemalige Bundesminister Heiner Geißler, geboren 1930, war 25 Jahre lang Mitglied des Deutschen
Bundestages und Schlichter von Stuttgart 21. Er ist Autor zahlreicher Bücher, unter anderem von Sapere aude!
und Was müsste Luther heute sagen?



Dienstag, 18. April 2017

Nachlese 7.4. 2017:  Was macht uns glücklich?     Jürgen Staas 

Das Wort Glück existiert seit dem Mittelhochdeutschen und bezeichnet die Art, wie etwas endet, wenn etwas gut ausgeht, unabhängig von unserem Zutun.  Das Wort ist verwandt mit englisch „luck“,  das, in derselben Bedeutung, neutral  und deshalb zu qualifizieren ist:  „good luck/ bad luck“.  Das deutsche „Glück“ ist doppeldeutig und meint auch das Glücksgefühl  (engl. happiness). Glücksgefühle sind eher zeitlich begrenzt, momentan,  besondere Highlights im Leben:  Hochzeit, Geburt eines Kindes,  bestandene Prüfung, spürbare Erholung nach Krankheit,  besondere persönliche Begegnungen, etc.  Beständiger ist  die davon zu unterscheidende Zufriedenheit,  ein Gewöhnungseffekt,  die sog. hedonistische Anpassung. Glück in allen Bedeutungen, hat zu tun mit der Fähigkeit zu guten menschlichen Beziehungen,  mit Vertrauen,  mit der Fähigkeit zu Spiritualität und Engagement,  zu Reflexion  und Erkenntnisgewinn,  zu einem aktiven und selbstbestimmten Leben. Ist jeder seines Glückes Schmied?  Wohl nur höchst bruchstückhaft.  Ehrliche Antwort kann nur sein, dass einem vieles geschenkt wird. Glück ist nicht verfügbar, kann nur schwerlich willentlich herbeigeführt werden. Was vermag die Reflexion, die Distanzierung zu sich selbst?  Kann sie zu höheren Erkenntnissen, zu einem höheren Bewusstsein führen?  An dieser Frage entzündete sich eine Diskussion über das Problem  Dualismus oder Monismus.  Eine naturwissenschaftliche, biologistische  Betrachtungsweise etwa der Hirnforschung kann nur monistisch kausal sein, während eine mehr subjektive,  psychologische oder religiöse Perspektive zum qualitativen Dualismus neigt. -  Andere Beiträge verwiesen auf  antike Beispiele (Diogenes) oder ostasiatische, buddhistische  Haltungen.  Weise Selbstbeschränkung kann zu innerer Zufriedenheit  führen.  Auch hier stellt sich wieder die Frage, wem diese Fähigkeiten gegeben sind. Das soziokulturelle Umfeld und Bildungsprozesse (Sozialisation)  spielen dabei eine entscheidende Rolle.  US-Amerikaner z.B. sind viel positiver, optimistischer gestimmt als  kritisch bis skeptisch ausgerichtete Europäer. - Das soziale Umfeld ist stark von der politischen  Ausrichtung bedingt.  Die skandinavischen Länder bieten offensichtlich eine besonders gute Daseinsvorsorge.  Gesundheits -  und Rentenysteme, ausreichender Wohnraum, Demokratisierungsgrad und Mitsprache,  Freiheits- und Sicherheitsgefühle  tragen offensichtlich in hohem Maße, wenn nicht zum Glück, so doch wenigstens zur Zufriedenheit der Menschen bei. Zu nennen wären nicht zuletzt auch das Einkommensniveau bzw. der allgemeine Wohlstand eines Landes, einer Region oder auch einer Kommune. -  Schließlich sei noch einmal auf physiologische Aspekte verwiesen, auf bestimmte Hirnareale und Botenstoffe, die mit unseren Gefühlen korrelieren: Dopamin, Serotonin, Tryptophan, Noradrenalin, Oxytocin, Endorphine,  die alle  bestimmte Empfindungen auslösen oder umgekehrt durch  bestimmte Erlebnisse  erzeugt werden.                                                                                             sts  
Vorschau 5.5.2017: Die Lebenskraft      Christian Brehmer                 

Wir werden uns mit einer Kraft befassen, die wir alle kennen, die jedoch von der klassischen Wissenschaft und der Schulmedizin ignoriert wird, weil man sie nicht beobachten, messen und wiegen kann. Als Pneuma wurde sie im antiken Griechenland bezeichnet, als Prana in Indien, als Chi in China und als vis vitalis = Lebenskraft in der Philosophie des Vitalismus.  Es ist die Kraft, der wir unser Leben verdanken, denn wenn sie nicht mehr da ist, leben wir auch nicht mehr. Damit ist der Monismus der Materiewissenschaft widerlegt. Haben wir ausreichend Lenbenskraft, fühlen wir frisch und lebendig. Geht sie zur Neige, sind wir müde und erschöpft. Deswegen brauchen wir Schlaf und Erholung, um uns zu regenerieren. 
   Aber es gibt auch Wege und Techniken, um uns bewusst mit Lebensenergie zu versorgen. Das kann zum Beispiel ein geruhsamer Spaziergang sein, leichte Gartenarbeit oder spielerischer Sport. Das können aber insbesondere auch Entspannungstechniken sein wie Yoga, Tai Chi oder Autogenes Training. Ich selbst unterrichte das Power-Nick(erchen), einen wachentpannten Regenerationsschlaf, um die Batterie wieder aufzuladen. Bis in Tiefe ausgelotet, können derlei Entspannungstechniken zur mentalen Stille führen, der Quelle der Lebensenergie, die gleichzeitig die SOPHIA, die höchste Weisheit ist. Die Kraft unterstützt den eigenen Heilungsprozess, kann aber auch zur Genesung unserer Mitmenschen übertragen werden. Davon dokumentiert der preisgekrönte  Film "Wunder der Lebenskraft", der am 30.4., 11.30 im Cinema Arthouse, Osnabrück, läuft.    

Mittwoch, 22. März 2017



Nachschau 3. März 2017                  Jessika Schwark
Bauchgefühl vs. Rationalität

Jürgen Staas hält sein Kurzreferat zum Thema: Bauchgefühl vs. Rationalität.
Auf die zentrale Lebensfrage: " Wie komme ich zu meinen Entscheidungen?"
gibt es anscheinend mindestens drei Antworten: durch Gebrauch des Verstandes, der Intuition oder durch Hören auf das Bauchgefühl.
Lassen sich diese Drei Instanzen überhaupt getrennt voneinander betrachten?
Manchmal scheinen sie sich zu ergänzen, manchmal stehen sie sich als Gegenspieler gegenüber.
Im Falle der Entscheidungsfindung kämpfen sie dann scheinbar gegeneinander, schließen sich aus, zum Beispiel bei der Suche nach kreativen Ideen steht die Ratio der Intuition entgegen.
Erfahrungen, Konditionierungen und die Meinung anderer vermischen sich.
Der spontane Impuls des Bauchgefühls meldet sich bei Abneigung, bringt Emotionen ins Spiel.
Beide Systeme greifen scheinbar auf die Informationen der Sinnesorgane zu- aber betrachten  sie deshalb die Wahrheit?
Begrenzen unsere inneren "Prüfer" gar die Wahrnehmung der reinen Wahrheit und verkomplizieren somit die Entscheidungsfindung in einer ohnehin immer komplexeren Welt?
Der bewusste Verstand, auch er scheint  beeinflusst durch Erfahrung im bisherigen Leben.
Würden wir uns ohne Bauchgefühl überhaupt ineinander verlieben?
Aktuell scheint die Welt voller Probleme: Kriege, Flucht, zweifelhafte Persönlichkeiten in Politik und Führung- Ergebnis von Entscheidungen aufgrund von Bauchgefühl ( Hass, Angst, Suche nach Anführern) oder gezielt geplanter rationeller Lenkung ( Globalisierung, Interessen kleiner Eliten)- dieses Thema wurde kontrovers diskutiert.


Vorschau 7.April 2017                           Jessika Schwark
 

Was macht uns wirklich glücklich?
 

Was ist Glück?
Wikipedia: Glück mittelhochdeutsch 12.Jh „ Art, wie etwas endet/ gut ausgeht
günstigster Ausgang eines Ereignisses unabhängig vom eigenen Zutun
gleichzeitig aber Volksweisheit: „ Jeder ist seines Glückes Schmied“:
 

Wieviel Eigenverantwortung trägt jeder an seinem Glück?
Wieviel Einfluss habe ich darauf, ob mein Leben glücklich ist?
Unterscheide „ Glücksgefühl“ von „glücklich leben“
Glücksgefühl: schönes Gefühl im Moment einer angenehmen Erfahrung.
Nachteil: zeitlich meist sehr begrenzt, Gewöhnungseffekt tritt schnell
ein ( hedonistische Anpassung).
Glücklich leben: Zufriedenheit, Haltung dem gesamten Leben gegenüber
unabhängig vom Erleben einzelner Glücksmomente.
Das Leben aller Menschen umfasst positive und negative Ereignisse.
Umfrage ergab: glückliche Menschen überall auf der Welt verfügen über diese inneren
Fähigkeiten:
- sie sind sozial verträgliche Mitmenschen
- sie sind mental gesund
- sie sind nur selten allein
- sie haben ein ausgeglichenes Naturell
- sie pflegen gute Beziehungen in Familie, Partnerschaft und Freundeskreis
- sie führen ein aktives und selbstbestimmtes Leben
- sie haben die Fähigkeit zum positiven Denken
- sie erkennen Chancen und Perspektiven auch in negativen äußeren Umständen
- siesind oft spirituell, dh.sie engagieren sich für einen höheren, nicht materiellen Wert
äußere Umstände, die Lebensglück begünstigen, sind
- eine gute öffentliche Versorgung
- Vertrauen und Ehrlichkeit als gesellschaftliche Werte
- ein staatliches Gesundheitssystem
zu finden in skandinavischen Ländern.
Fazit: ein glückliches Leben hängt durchaus von der inneren Haltung ab
Wie können wir diese innere Haltung erreichen?
In der griechischen Philosophie der Antike gilt die „ Selbstreflexion“ als wichtigstes Instrument gegen negative Gedankenmuster, Meinungen und selbst geschaffene Überzeugungen.
Lebensglück durch Nachdenken.
Probleme selbst erkennen und positive Veränderungen aktiv herbeiführen.
Oder doch lieber Jammern und sagen: die Anderen sind Schuld?!