Freitag, 28. Februar 2014



        Nachlese  7.2.2014

Es gehört zum Anliegen der Tiefenphilosophie dem Mysterium des Lebens auf die Spur zu kommen. Wir hatten uns am 3.1. mit Nahtod-Erfahrungen auseinandergesetzt und feststellen müssen, dass solche Erfahrungen den Menschen in eine andere Dimension katapultieren können, eine Dimension die ungemein wirklicher erscheint als unsere gewohnte Alltagsillusion, die wir für die Realität halten. Inzwischen weiß man, dass diese Realität ein Konstrukt unseres Bewusstseins ist: 

Alles was wir um uns herum wahrnehmen ist, quantenphysikalisch betrachtet, lediglich  eine Fluktuation von Elementarteilchen die im Moment der Wahrnehmung für uns zu Objekten kristallisieren. Die Wahrnehmung selbst ist zudem eine für den Menschen begrenzte Auswahl aus dem breiten Spektrum elektrisch-magnetischer Schwingungen. Und das was wir daraus konstruieren, wird wiederum individuell modifiziert durch unsere Konditionierungen von Kindesbeinen an. Wenn man z.B. Kinder aus armen Familien bittet, eine Zwei-Euro-Münze zu zeichnen, dann wird sie konstant größer gezeichnet als bei Kindern aus reichen Familien.

Hinzu kommen unsere momentanen Stimmungen. Sind wir innerlich verspannt, können wir Umwelt und Mitmenschen nur verzerrt wahrnehmen und verstehen. Dabei  merken wir gar nicht, dass wir ständig verspannt sind. „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“, sagen wir, und wie oft  können  wir die Schönheit nicht wertschätzen! Die meisten Menschen sind ständig verspannt, sie  kennen sich nicht anders und halten das für „normal“. Wo ist da die Wirklichkeit?

Es gibt Situationen – nicht nur Nahtod-Erfahrungen – die uns aus unserer Alltagsillusion für eine kurze oder längere Zeit herausreißen und Spuren hinterlassen: „Grenzerfahrungen“. Davon haben einige Teilnehmer in unserer Gruppe berichtet. Etwa Erlebnisse aus dem zweiten Weltkrieg: Die Grausamkeit, der Irrsinn, in denen die menschliche Würde verloren geht. Überlebende können das meist nur schwer verarbeiten. Wir hörten von Kunstschaffen, das sich hier befreiend und mahnend manifestiert. Wir hörten auch von dem ergreifenden Blick eines Neugeborenen, in dem  ein uraltes Wissen verborgen lag. Wir hörten von transparenter Kommunikation, die für zwei Menschen zur Offenbarung werden kann. Wir hörten von der Angst, die eine Schwimmerin ergriff, als sie in der Nordsee gegen den Sog des mit der Ebbe abfließenden Wassers ankämpfte. Und wir hörten von einem Autounfall, wo eine Teilnehmerin wie durch ein Wunder verschont blieb.      Erfahrungen, die Spuren hinterlassen.

Die Spuren sind mitunter traumatisch. Hier ist Akzeptanz als Entschärfung hilfreich, meinte eine Teilnehmerin. Überhaupt kann Akzeptanz mit dem Geschehenen versöhnen und den Blick frei machen für die Gegenwart: „Es ist wie es ist“ als Ausgangsbasis zwischenmenschlicher Kommunikation und mitmenschlicher Handlung.            


Donnerstag, 27. Februar 2014


 Vorschau 7.3.
 
Für die kommende Runde haben wir Ayse eingeladen, uns etwas aus dem "Kenntnis Buch" vorzutragen als Einstieg in ein Gespräch. Ayse befasst sich seit mehr als 20 Jahren intensiv mit diesem Kompendium der Weisheit und schöpft daraus Kraft und Orientierung. Hier Ihr Überblick:
 
"Auch wenn das "Kenntnis Buch" alle Religionen in ihrer Essenz vereinigt und sie neu erklärt,
ist es kein neues Religionsbuch.
Im Gegenteil: Es ist ein universales, über alle Religionen und die Fernöstlichen Philosophien hinausgehendes Buch.
 
Hier einige kurze Stichworte dazu:
 
Das Buch geht z.B. auf folgende Themen/-bereiche ein:
-Es erläutert das Evolutions-Programm der letzten 6000 Jahre,
-erklärt die göttliche / himmlische Ordnung und Organisation; d.h. den Überbau und den Zusammenhang allen Seins,
-beschreibt, wo wir aktuell stehen und wohin wir gehen ( Gottes /Himmlisches Projekt)
 
Es geht ein u.a. auf die Themen
-Vorbereitung und Beginn des Goldenen Zeitalters
-Religion und Wissenschaft
-das Kenntnis Buch und die Licht--‐Photon--‐Zyklon Technik
-das Universale Vereinigungsprogramm
-das Alpha - Omega Projekt
-die Bedeutung von Jesus
-die geistigen Evolutions-Stufen bis Nirwana und darüberhinaus
-Religiöse Sättigung und dann ?
-das Aufgaben-Bewusstsein
-Gedanken-Evolution + Herzens-Evolution + Geist-Evolution....
-was sind Geist, Seele, Bewusstsein, Bewusstheit ?
-was ist Liebe im universalen Zusammenhang (nicht nur körperliche, weltliche, göttliche Liebe; sondern Liebe grundsätzlich)
-warum gibt es verschiedenste Techniken wie Gebete, Rosenkranz, Meditation....und wie funktionieren sie
-was war vor dem Big Bang?
-was war vor dem Schöpfer?
-wie ist die erste Energie / erste Materie / erster Gedanke entstanden und wie sind sie evolviert?
-warum ist eigentlich Evolution von Allem überhaupt notwendig?
-Wozu das Ganze?
und und und.
 
Das Buch gibt uns neue und zeitgemäße Antworten auf all unsere Fragen
zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, auf das Sein.... 
 
Es ist sozusagen ein ganzheitliches Buch: Es lässt beim Lesenden Fragen entstehen, die im Buch beantwortet werden.
Die danach entstehenden Fragen werden ebenfalls beantwortet usw.
Das Buch ist mit anderen Worten "lebend" und "lebendig".
 
Dieses auf universalen Gesetzen basierende Wissen ist eine große Hilfe, um z.B. die Geschehnisse in der Welt
und im eigenen Leben besser zu verstehen, wie z.B. Krebs; Dissonanzen und Brüche in den Familien, in der Gesellschaft;
Schnelllebigkeit; Zunahme von Ängsten, von Aggressionen, von Religionen;
die Sehnsucht der Menschheit nach Liebe, Frieden, Ruhe, Stille, Naturschutz; der Umgang mit Ego, Neid, Wut, Persönlichkeitsproblemen......
 
Wie gesagt, dass was ich hier kurz genannt habe, ist ein Bruchteil dessen, was im Buch behandelt wird."
 

Sonntag, 19. Januar 2014


Nachlese vom 3.1.2014

Nahtoderfahrungen                                               Angela Muselmann-Bruhn                

Definition:
Ein Nahtoderfahrung liegt vor, wenn Patienten von Eindrücken berichten, die sie in einem besonderen Bewusstseinszustand gemacht haben, der während einer lebensbedrohlichen Krise wie z.B. einem Herzstillstand eintrat.
Der Inhalt der Nahtodeserfahrung und deren Wirkung auf den Menschen, der sie gemacht hat scheint weltweit ähnlich zu sein, unabhängig von Kultur, Lebenszeitraum, Alter und Religionszugehörigkeit. Der Kardiologe Pim van Lommel wertete die Berichte seiner Patienten nach klinischem Herztod aus.
Folgende immer wiederkehrende Elemente fanden sich:

1. Das Bewusstsein des eigenen Todes - das bedeutet, dass die Menschen sich klar darüber waren, dass sie gerade sterben. (bei 50 % der 62 Menschen)

2. Positive Gefühle (56 %)d.h. sie hatten im Tod Emotionen und zwar ausschließlich positive, viele berichten von intensiver Freude und bedingungsloser Liebe.

3. Außerkörperliche Erfahrungen (24 %) Diese Menschen nahmen sich selbst außerhalb ihres Körpers wahr, manche auch, wie sie aus ihm heraus glitten oder wieder in ihn hinein. Viele sahen sich selbst von oben im Bett liegen.

4. Übereinstimmend berichteten viele der Patienten von einem Tunnel, durch den sie sich bewegten oder bewegen sollten. (31 %)

5. 23 % der Menschen mit einem Nahtoderlebnis in van Lommels Studie sahen ein Licht und kommunizierten sogar damit.

6. 23 % nahmen Farben wahr

7. 29 % nahmen eine Art himmlischer Landschaft wahr

8. 32 % begegneten verstorbenen Verwandten

9. 13 % erlebten einen Lebensrückblick

10. 8 % nahmen die Grenze zwischen Leben und Tod wahr, die sie überschritten oder zu überschreiten im Begriff waren.

In Kunst und Literatur gibt und gab es diese Schilderungen schon immer, überall und zu allen Zeiten.
Folgen:
Jede Nahtoderfahrung wirkt sich auf den Menschen, der sie gemacht hat in einer transformierenden, d.h. ihn verändernden Weise aus. Zum Beispiel:
Das Loslassen von festen Überzeugungen und Glaubenssätzen, von Wollen und Müssen, mehr Klarheit darüber, warum man so und nicht anders bisher gelebt hat, Wunsch nach Veränderung der Lebensumstände ..

 
Ein Vortrag und Erlebnisbericht von Klemens Speer und Kim Lühmann

Melle, den 3.1.2014


Nahtoderfahrungen sind Erfahrungen in der Nähe des körperlichen und/oder geistigen Todes eines Menschen. Häufig ausgelöst durch lebendsbedrohliche Situationen (Unfall, schwere Operationen, Herzstillstand, Koma, usw.), Schockerfahrungen (plötzlicher Arbeitsplatzverlust, Beziehungsabbruch, plötzlicher Tod naher Angehöriger, usw.) oder intensive andere Erlebnisse (Naturerfahrungen, extrem-sportliche Spitzenleistungen, sexuelle Erfahrungen, usw.).

Charakteristisch sind für diese Erfahrungen u.a. ein sogen. "Tunnelerlebnis" in dem das ganze Leben blitzartig in einer "Rückschau" wiedererlebt wird und der Sinn, ohne jegliche Wertung (als "jüngstes Gericht") aller bisherigen Lebenserfahrungen erkannt wird. Am Ende des Tunnels führt die innere Reise, jenseits von Raum und Zeit, einem "außergewöhnlichen Licht" entgegen, von dem der Erfahrende eingehüllt und durchdrungen wird. Das lebendige Licht strahlt eine übergroße Akzeptanz, Wärme, Liebe, Freude, Ruhe und Frieden aus und führt zu einem "umfassenden Wissen" über die Existenz allen Lebens und des Universums ansich.

Zurück im Leben hat der Erfahrende in der Regel große Schwierigkeiten sein inneres Erleben in Worte zu fassen, da er Einblick in eine vollkommen andere Welt, ins "Jenseits", bekommen hat, für die es im "Diensseits" keine Sprache gibt. Die Erfahrung kann letztlich nicht mit Worten beschrieben werden. Gelingt es dem Menschen dieses Erlebnis, in dem es kein Innen und Außen mehr gibt und alle Gegensäzte in "EINS" zusammengefallen, ins Leben zu integrieren, so führt dies in der Regel zu einer radikalen Lebensveränderung und Neuausrichtung aller Lebenswerte. Das Leben bekommt eine tiefe Sinnorientierung.

Eine große Hilfe solche Erfahrungen in den Alltag zu bringen, sie zu integrieren, bieten die authentischen Lehrer der Übungswege der großen Weltreligionen (Yoga, Zen, Qigong, Taiiquan, Sufi-Wege, Kontemplation, usw.). Oft beginnen Menschen, die den "Tod" erfahren haben, selbst einen Übungsweg zu gehen oder werden darüberhinaus Übungsleiter bzw. Meditations-Lehrer einer dieser Wege, um andere Menschen auf ihrem Weg zu tiefer Sinnorientierung zu begleiten, da in der Meditation sehr ähnliche Erfahrungen gemacht werden können.

Weitere Infos zum Thema unter:
www.ost-west-spirit.de - Übungswege

Literaturhinweise unter:
www.klemens-j-p-speer.de - Literaturhinweise zu Nahtoderfahrungen
 

Vorschau 7.2.                                                     Christian Brehmer                                                      
Unser erstes Treffen im neuen Jahr war sehr gut besucht. Das Thema und  die Referenten erwiesen sich als große Magneten. Die anschließende Diskussion war so lebendig, dass wir uns entschlossen haben sie am 7.2. fortzusetzen.
In seinem obigen Erlebnisbericht bezeichnet Klemens Speer auch außergewöhnliche spirituelle Erfahrungen als Nahtoderfahrungen. Denn in diesen Momenten hat der Mensch das gewöhnliche Bewusstsein – die Alltagstrance, die wir für unseren normalen  Zustand halten –  transzendiert. Ähnlich transzendieren wir des morgens beim Aufwachen unsere Träume und Albträume, wiewohl wir sie im Traumzustand als real erleben.
Eine Teilnehmerin berichtete von einer solchen spirituellen Erfahrung, die ihr Leben positiv verändert hat.  Diese Erfahrung hat ihr eine höhere Realität erschlossen und ein „umfassenderes Wissen“ vermittelt. 
Kleine Grenzerfahrungen kennen wir alle. Und vielleicht will jemand davon uns am 7.2. berichten.
Klemens sagt, dass wir durch spirituelle Übungswege wie Yoga, Zen, Tai-Chi, Meditation oder Kontemplation (christl. Mystik) u.a.m. ähnliche Erfahrungen machen können. Und das ist Good News. Denn dann können wir uns alle aus unserer Alltagstrance befreien und aus unserem Gedankenkarussell aussteigen. Dahinter finden wir Liebe, Frieden, innere Freude in Harmonie mit unserer Mit- und Umwelt: Wir  ent -  decken  unser  Geburtsrecht. Allerdings bedarf es der Bereitschaft sich auf dem Weg nach innen einzulassen und sich vom Gedankenkarussell immer wieder zu lösen, z.B. in der Meditation. Aber was ist schöner und wichtiger im Leben. Und die spirituelle Praxis geht einher mit der Integration in den Alltag, was nach einem plötzlichen Nahtoderlebnis  nicht so einfach ist. 
Darüber und spontan Aufkommendes wollen wir uns am 7.2. austauschen. Vielleicht ist am Schluss noch etwas Zeit für eine musikalische Einlage und etwas Tanz!!!



    

Donnerstag, 21. November 2013



Nachtrag von Dieter Pentzek zum Referat vom 4.10.13

Noch einmal zu Kunst als Weg

        Dass Kunst nicht nur ein Weg für Künstler ist, wird besonders an der Arbeit von Joseph Beuys deutlich. Er nannte sie  Soziale Plastik  oder – wie in seinem Vortrag 1977 zur documenta 6 in Kassel – auch  Eintritt in ein Lebewesen.
        Damit meinte er das Lebende auf der Erde insgesamt, in das wir Menschen ganz  b e w u s s t  eintreten sollten. Nach Beuys verlangt dieses Bewusstsein in unserer Zeit aber eine  Erneuerung des Denkens. Er stellte fest, dass unser gegenwärtiges Denken ein „unerbittlicher Rationalismus“ ist, ein Denken zugunsten von Wissenschaft, Geld und Eigentum – und das zuungunsten der Natur.
        Gegen diese Situation, die immer wieder auch zuungunsten für uns Menschen ausgeht, gab er bereits 1965 in der Galerie Schmela in Düsseldorf das ästhetische Gleichnis  wie man einem toten Hasen die Bilder erklärt.  Das zu bedauernde Tot-Sein des Hasen stand – wie Beuys später kommentierte – für den Tod eines Denkens, das ursprünglich nicht nur Gegenständliches, sondern auch eine  mystische  Erlebnissphäre umkreiste.
        Deshalb sprach Beuys dem Hasen mit einer Maske aus Honig und Gold ins Ohr – also mit Naturdingen, die früher eine rituelle Bedeutung für das Leben hatten. Das hieße für einen durch Kunst inspirierten  Weg,  unser Leben nicht weiter aus der Kälte einer Gelddruckmaschine zu bestimmen, sondern aus der „Wärme“ einer Bewunderung des Lebewesens Erde, weil – wie Beuys sagt – auch „Liebeskräfte in uns leben“.
        Dass ein Denken wie die Bilder der Kunst zu einem Allgemeingut wird, war die Hoffnung von Beuys. „Jeder Mensch ist ein Künstler“, sagte er. Die Erfüllung seiner Hoffnung wäre wirklich unsere Renaissance – der „Eintritt“ in eine neue, glücklichere Phase der Selbsterkenntnis und eines menschenwürdigen Handelns.
                                                                                       Melle, 5.11.2013

Nachlese 1.11. 2013                                                  Christian Brehmer

Was ist ein Mythos? Dieser Frage sind wir zu Allerheiligen nachgegangen. Den Rahmen dazu hat uns das Impulsreferat von Jürgen Staas gegeben (s. Vorschau vom 20.10.)  Dabei hat uns das Paper, das wir ausgehändigt bekommen haben, einen knappen Abriss des Buches von Karen Armstrong vermittelt: „Eine kurze Geschichte des Mythos“ (dtv 2007) Dieses Paper können wir uns auch nachreichen lassen oder kopieren.
Da heißt es auf die Frage: Was ist ein Mythos?     
„Menschen schufen Mythen als Erzählungen, als Deutungen der Welt, als eine frühe Form der Psychologie. Das Bewusstsein der Sterblichkeit erzeugt Angst vor Auslöschung. Opferritus und Grabbeigaben deuten auf eine jenseitige Welt. Der Mythos gibt Orientierung und Sinn. Er ist beständig und wenig wandelbar.“

Das greift natürlich etwas zu kurz. Den mythischen Vorstellungen liegen nach C.G. Jung Archetypen, Urbilder des kollektiven Unbewussten zugrunde. Letztere sind Strukturprinzipien der Menschheit, so wie Naturgesetze Strukturprinzipien der Materie sind. Sie werden von Menschen, von den „Sehern“ in  einem erweiterten Bewusstseinszustand als solche wahrgenommen.  Und es sind diese Strukturprinzipien, die  den Mythos „beständig und wenig wandelbar“ machen.  Sie wirken als  kreative Impulse und werden oft in Göttern personifiziert. Um diese rankt sich dann volkstümlich ein sagenhaftes Geschehen, die Mythen… 

Genauso wie das Gottesbild (vgl. GOTT 9.0) im Verlauf der Geschichte sich geändert hat, so hat sich auch die Rezeption des Mythos gewandelt. Das sagenhafte Geschehen tritt zurück, die Wirkkraft bleibt aber trotz „Entmythologisierung“. So erfährt  z.B. der Schamanismus gegenwärtig eine Renaissance in der modernen Tiefenökologie.

Vorschau  6.12. 2013                                                  Christian Brehmer

Diesmal, darauf hatten wir uns geeinigt, geht es um die Mystik. Wir müssen uns zunächst fragen, was der Unterschied ist zwischen Mystik und Mythos.

Mystik hat nichts mit Mystizismus zu tun, der sich mit Wunder, Heilungen oder Visionen beschäftigt.  Mystik (griech. myein = Augen schließen) ist vielmehr ein innerer Erkenntnisweg, der letztlich in eine klare innere Evidenz einmündet. Letztere übersteigt nach Ken Wilber an Gültigkeit die sinnlich-empirische Evidenz. Gandhi hat sich an ihr orientiert, Nelson Mandela hat sich an ihr orientiert. Vorbilder für eine künftige Politik, ohne die es kein Überleben geben wird für die Menschheit und für unseren gequälten Planeten. In der Mystik konvergieren alle Religionen und Tiefenphilosophien. Es ist der Weg zur Einheit und dem Miteinander. Auch das Christentum hat außer dem feiernden und dem dienenden  Aspekt einen mystischen. Nur ist er weitgehend verschüttet und sogar unterdrückt worden. Warum wohl müssen wir uns fragen?

Fragen müssen wir uns auch, ob Menschen psychisch krank werden können,  wenn ihnen der Zugang  zu ihrem inneren Potenzial verschlossen bleibt.
Fragen müssen wir uns weiter, ob Mystik ein Weg ist zur kommenden Bewusstseinsstufe der Menschheit und ob sie ein Ausweg ist aus der gegenwärtigen Schieflage der Zivilisation.
Ferner müssen wir uns fragen, was Joseph Beuys mit der Aussage gemeint hat: „Das Mysterium spielt am Hauptbahnhof.“  (Vgl. obigen Text von Dieter)
Schließlich müssen wir uns auch fragen, ob ein Zusammenhang besteht zwischen unserer Annäherung an die Sophia durch die Entspannungsreise zu Beginn unserer Philo-Sophia-Runde und der Mystik.
Leute, es wird spannend...


 
   
     
                      

Sonntag, 20. Oktober 2013



Nachlese vom 4.Okt. 2013                           Chris Brehmer

Kunst als wichtigster Weg zur menschlichen Bildung.So die Ausgangsthese von unserem Politkünstler Dieter Pentzek.
„Bildung hat ein Nachdenken des Einzelnen über sich und seine Teilnahme am sozialen Leben zur Folge“, so Dieters Definition einer gelungenen Bildung. Wenn das nur der Konsens wäre in unserem Kultusministerium, an Schulen und Hochschulen! Allenthalten dominiert die Ausbildung im Dienste von Wirtschaft und Konsum. „Das Nachdenken des Einzelnen“ bleibt auf der Strecke. In der Hektik des Alltags kommt die Reflexion und Selbstreflexion zu kurz. Und die reine Reflexion, die STILLE, die Sophia für welche die Tiefenphilosophen stehen, ist für viele noch ein Buch mit sieben Siegeln. Aus der STILLE entspringt eine Kunst die wahrhaft  bildungswirksam ist. So sagte z.B. Caspar David Friedrich:
    „Schließe dein leibliches Auge, damit du mit dem geistigen Auge zuerst                    siehest dein Bild. Dann fördere zutage, was du im Dunkeln gesehen, dass es zurückwirke auf andere von außen nach innen.“

Doch hören wir Dieter selbst:
Kunst als Weg –
war das Thema, das ich vorgeschlagen hatte, weil mir Kunst seit der Kindheit wichtig ist. Schon in der ersten Nachkriegszeit hatte ich das Gefühl, dass nur die Kunst über das Menschsein froh macht. Und so bezeichne ich heute das Erleben von Musik, Malerei, Dichtung und weiterer Kunstgattungen als
wichtigsten Weg zu menschlicher Bildung.

        Ja, bestätigte ein Teilnehmer der Runde. Das habe schon Rudolf Steiner gesagt, der die Waldorfschule gründete. Und so kamen wir nach der Frage der Bildung, die ein Nachdenken des Einzelnen über sich und seine Teilnahme am sozialen Leben zur Folge hat, in unserem Diskurs zum 
Weg menschenwürdigen Handelns.

        Für die Rolle, welche die Kunst in Bildung und Handeln weiterhin spielt -  so brachte ich ein - steht u. a. die Aktion  Wie man einem toten Hasen die Bilder erklärt. Darin bewegte sich Joseph Beuys, dem toten Hasen auf seinem Arm ins Ohr sprechend, durch die Ausstellungshallen der Documenta.
        Einen weiteren Teilnehmer an der Runde schien das aber abzustoßen. Aktionen provozieren nur, meinte er. In der Kunst, wo es um das Schöne gehe, käme es auf meisterhafte Techniken an, aus denen Aktionen wohl kaum bestünden.  
        Schönheit liegt, wie man sagt, im Auge des Betrachters, entgegnete ein anderer. Rückantwort: Was ist daran schön, wenn man einer Hasenleiche ins Ohr redet?
        Etwas schon, gab ein weiterer Gesprächspartner zu bedenken. Das Liebevolle, was sich darin ausdrücke, das sei etwas menschlich Schönes. Es habe etwas Hoffnungsvolles – die Aussicht, den Hasen vielleicht in seinem Jenseits zu erreichen. Er schlug vor, durch Meditation selbst ins Jenseitige zu blicken.
        Darauf sagte ich, dass wir, Roswitha und ich, auf der Documenta oft meditativ einen abgestorbenen Beuys-Baum begossen und in den Gesichtern der jungen Schüler, welche mit ihren Lehrern die Großausstellung besuchten, ein frohes Erstaunen sahen – so als wäre  i n  i h n e n  der Baum zu neuem Leben erwacht.  

Melle, 10.10.2013                             
Dieter Pentzek

 Vorschau 1.11. 2013

Uns erwartet ein Impuls – Referat von Jürgen Staas über „Eine kurze Geschichte des Mythos“ nach Karen Armstrong, Oxforder Religionswissenschaftlerin.
         Die Autorin beschreibt die Geschichte des Mythos von den Anfängen der Steinzeit mit den Vorstellungen der Jäger und Schamanen bis zu den weltanschaulichen Umwälzungen der Neuzeit und schließlich der Moderne mit ihrer Diskreditierung durch die Naturwissenschaften. Die Geschichte des Mythos ist zugleich eine Ideen- und Kulturgeschichte der Menschheit. Nach Armstrong ist der Mythos eine frühe Form der Psychologie und der Versuch, die Welt zu verstehen.

Jean Gebser gemäß hat die Menschheit im Verlauf der Evolution vier Bewusstseinstufen durchschritten: die archaische, die magische, die mythische und die mentale Ebene. Gegenwärtig befinden wir uns im Übergang zur kommenden integralen Bewusstseinsstufe.  

Donnerstag, 3. Oktober 2013



Nachlese 6. Sept. 2013                                              Christian Brehmer

Es kam wieder einmal ganz anders als geplant. Wollten wir doch über Unterschied zwischen östlichen und westlichen Ansatz auf der Suche nach Erkenntnis sprechen. Aber es lag wohl etwas anderes in der Luft. Und da heißt es abwägen. Soll man das Thema aufgreifen oder an dem anknüpfen, was  spontan unter den Anwesenden läuft. Wir hatten uns für das letztere entschieden, und es ergab sich ein lebendiger Austausch. Such is life!
Es ging um die Suche nach der Einheit in der Vielheit der Sichtweisen. Denn die unterschiedlichen Sichtweisen, wenn sie zu Überzeugungen verhärtet werden, sind ja der Sand im Getriebe zwischenmenschlicher Beziehungen. Ob das in der Familie ist, am Arbeitsplatz oder auf politischer Ebene. Wir spüren das gegenwärtig besonders deutlich vor den Wahlen am 22.9. Die Suche nach den optimalen Strukturen gesellschaftlichen Zusammenlebens ist unerlässlich und bedarf der Anerkennung. Nur Verhärtungen und Scheuklappen sind kontraproduktiv. Schließlich gibt es nur eine optimale Vorgehensweise, um deren Annäherung alle bemüht sind. Der demokratische Prozess soll dabei helfen. Doch da ist der Sand im Getriebe. Und der sollte hinterfragt werden.
Die Kultur des Hinterfragens und der Reflexion kommt bei uns in der Flut der Information und in der Hektik des Aktionismus zu kurz. Denn in der Reflexion, vor allem wenn sie in die reine  Reflexion einmündet, in die gedankliche Stille, in die Sophia,  kommt es zu einer Annäherung an die Wahrheit und damit zu einer Optimierung der Vorgehensweise. Das gilt für den politischen Prozess, das gilt für mich ganz persönlich bei meinen Entscheidungen im Alltag. Solange ich noch im Getriebe der Gedanken bin, auch wenn der Verstand sie logisch führt, bin ich nicht in der Ganzheit, die sich nur in der Stille auftut. Der Verstand denkt linear, die Wirklichkeit aber ist ein System. Deswegen versuchen wir  zu Beginn unserer Philrunde uns kurz der Stille zu nähern. Und wenn wir eine solche praktische Übung im Alltag übernehmen wollen, bedarf es der Motivation, der Geduld und der Bereitschaft ggf. auch innere Schatten anzuschauen.
In unserer Runde kam es zum Einwand, dass das Stillsitzen und zur Ruhe bringen der Gedanken, also die Meditation, nicht jedermanns Sache ist. Seit eh je gibt es dem Naturel der Menschen entsprechende Wege: Den Weg des (selbstlosen) Handels, den Weg der Hingabe an die höhere Intelligenz, den Weg der (genuinen) philosophischen Reflexion und den Weg der Meditation.
    
Martin Buber: „Gott sagt nicht, das ist ein Weg zu mir und das ist nicht ein      Weg zu mir, sondern alles ist ein Weg zu mir, wenn du es nur zu einem Weg zu mir machst.“

Vorausschau 4.10.2013

Wir wollen  die These von Dieter Pentzek, politisch engagierter Künstler, aufgreifen: „Kunst ist die wichtigste Bildung“. Er hat uns bereits ein ergreifendes Paper ausgehändigt, das die Handschrift seines Erlebens nach dem 2. Weltkrieg trägt. Reich an Anregungen für ein profundes Gespräch!
Nach Goethe werden die höchsten Kunstwerke zugleich als höchste Naturwerke vom schöpferischen Menschen geschaffen. Mithin müssten sie aus der gleichen Quelle kommen…