Mittwoch, 27. November 2019

Nachschau 8.11.2019: Ethik ist wichtiger als Religion Klaus Burghardt

Wir lasen den Appell des Dalai Lama (Quelle siehe vorige Nachschau) erneut abschnittsweise, dieses Mal vom 4. Abschnitt an: „Wir müssen jetzt lernen, ...“ bis „ ...und unserem Mitgefühl zu wenig.“

Die Hauptgesprächspunkte:

1. Religion vs. Ethik
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Ein Teilnehmer (die weibliche Form ist immer mit gemeint) sprach sich unter Bezugnahme auf die Aussagen des Dalai Lama* dafür aus, den schulischen Religionsunterricht durch einen Ethikunterricht zu ersetzen. „Was ist den Menschen gemeinsam?“ fragte er. Ihre Vernunftfähigkeit. Philosophie / Ethik befasst sich mit rationalen Begründungen und mit kritischem Hinterfragen. Beides Dinge, die der Religion gerade nicht wesenseigen sind, mit denen sich aber Kinder und Jugendliche gleich welcher Religionszugehörigkeit in einem gemeinsamen Diskurs beschäftigen und dabei das Gemeinsame herausarbeiten können - auf der Grundlage dessen was sie verbindet, nämlich ihre Vernunftfähigkeit, und nicht auf der Grundlage dessen was sie trennt, nämlich ihre
unterschiedlichen religiösen Bekenntnisse. Das wäre auch gut für die Integration ausländischer Schüler.
     Die meisten „Diskutanten“ sprachen sich gegen diesen Vorschlag aus.
„Wer ist kompetent, Ethik zu lehren?“ wurde gefragt. Und: „Wer arbeitet die Richtlinien aus?“
Ethik könne Religion nicht ersetzen. Es gehe um die Verbindung mit dem Gottesbewusstsein. Im
Religionsunterricht bekomme das Bewusstsein die Möglichkeit, in die göttlichen Sphären zurückzukehren. Für Kinder sei ein solcher Unterricht unerlässlich. Einige Zitate:
  • „Kinder brauchen Anleitung und Vorbilder.“
  • „Die Kinder brauchen Geschichten und praktische Beispiele. Jesus hat Krankheiten geheilt, er hat die Liebe gelehrt.“
  • „Kinder müssen Geschichten lesen und hören. Das ist konkreter.“
  • „Kinder fagen sich: Warum ist die Welt so, wie sie ist? Dann braucht es Geschichten.“
  • „Das können biblische oder weltliche Geschichten sein.“
  • „Jeder Mensch hat eine andere Vorstellung von Gott. Das soll unterrichtet und besprochen werden.“
  • „Jedes Kind sucht sich gute Vorbilder. Unsere Welt hat nicht viel zu bieten. Kraft, Macht, Intelligenz, ... In der religionsangelehnten Welt gibt es noch gute Vorbilder: Engel z.B.“ Von nur e i n e m Vorbild müsse man wegkommen. Gut wäre es, positive Göttervorbilder zu schaffen.
„Religion besteht aus Narrativen, aus Mythen. Das soll man nicht ändern. Man kann das deuten und auf den Sinngehalt abklopfen. Man kann auch ethische Prinzipien daraus ableiten. Egal, ob es biblische oder literarische Geschichten sind.“
     „Der Religionsunterricht kann doktrinär sein oder offen.“ Es gehe darum, die Kinder zum Nachdenken zu bringen. Wobei religiöse Texte, vermittelt von religiös geschulten und mehr oder weniger überzeugten / fanatisierten Lehrern, die Gefahr der Überbetonung des die jeweilige Religion spezifisch Ausmachenden, eben des Trennenden bieten.
     Das Fach Ethik müsste fachübergreifend gelehrt werden. Früher gab es Sozialethik in allen Fächern. „Herr der Fliegen“ z.B. wurde im Deutschunterricht behandelt. Macht so etwas einen speziellen Ethikunterricht überflüssig?
     Der Film „Cahier Africain“ wurde angesprochen. „Christen gegen Muslime. Da geht es nur um Flucht. ... Wo fängt man da an?“ Hier stellen sich, so ein Teilnehmer, Fragen nach der Ethik von Gruppen und Fragen von übergeordneter Religion oder Ethik.
     Ein anderer: Der Dalai Lama gehe von der Grundannahme aus: Alle Menschen wollen glücklich sein. Es biete sich ein Bottom-Up-Verfahren an. „Jeder schaue bei sich. Jeder will das. Deshalb sitzen wir in einem Boot. Wer das verstanden hat, hat mehr Verständnis für den Anderen.“
     „Wer bin ich? Wer sind wir?“ fragte jemand. „Gott ist das Allbewusstsein. Jeder von uns ist ein Teil davon. Je mehr wir uns entwickeln, um so mehr werden wir uns dessen gewahr. Man fühlt Einheit. Alles, was ich sehe, gehört zu uns allen. Durch Meditation werden wir uns dessen gewahr. Die Kinder haben nur verschiedene Zugangswege.“
„Die Liebe, die in unseren Herzen blüht, hoffen wir, dass sie auch in der ganzen Welt blühe.“

2. Der Mensch
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Man sollte sich mehr mit der Frage beschäftigen, wie der Mensch gestrickt sei, riet ein Teilnehmer. Da gebe es verschiedene Fachgebiete: Geschichte, Hirnforschung ... Aber: Man wolle manches gar nicht wissen. „Man hat Vorstellungen, man glaubt etwas. Der Mensch hat Gefühle, Interessen, Machtgelüste ... Es braucht nicht nur etwas guten Willen, damit das funktioniert. So einfach ist das nicht.“
     „Es gibt keine großen Politiker, die denken wie der Dalai Lama. Menschen wählen die falschen Politiker. Auch Dummheit spielt eine Rolle. Auch in der Schule gelingt nicht alles. Es reicht nicht, Idealvorstellungen zu präsentieren. Es gibt nicht nur ideale Schüler.“
     „Mensch, erkenne dich selbst, dann wirst du die Welt erkennen“ betonte ein Teilnehmer unter ausdrücklicher Bezugnahme auf den Tempel von Delphi. Wenn es die Selbsterkenntnis gäbe, würde ein Konsens schnell gefunden werden, meinte er. Selbsterkenntnis wäre eine gemeinsame Grundlage für Menschen verschiedener Religionen. Man müsse Prinzipien und Dynamiken entdecken, die wir alle gemeinsam haben. Wer meditiert, werde im Laufe der Zeit auch die Liebe entdecken. Dies gelte auch für „Böse“, auch für Konzernbosse. „Die werden dann ausgetauscht :-)“ warf jemand ein.
„Mensch, erkenne dich selbst, dann wirst du deine Mitmenschen und die Welt erkennen.“
     Jeder Mensch bestehe aus Körper, Geist und Seele. „Diese kommen bei der Entspannung in Übereinstimmung. Dann bin ich bei der Liebe. Dann kann ich die Probleme lösen, die aus einem Mangel an Liebe resultieren.“

3. Diverses
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Die Aussage des Dalai Lama „Die Hauptursachen für Kriege und Gewalt sind unsere negativen Emotionen.“ wurde in Zweifel gezogen. Die Gründe seien vielmehr in letzter Instanz ökonomischer Art, wobei politische, strategische, oder Erwägungen hinsichtlich der Sicherheit von Transportwegen oder der Energiesicherheit sich allesamt auf ökonomische Grundlagen zurückführen ließen. Die Gegenposition: „Was steckt hinter den Interessen der Großkonzerne? Macht und Gier - das aber sind negative Emotionen.“
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* „(...) Wir alle sind physisch, mental und emotional Brüder und Schwestern. Aber wir legen den Fokus noch viel zu sehr auf unsere Differenzen anstatt auf das, was uns verbindet. (...) Kinder sollten Moral und Ethik lernen. Das ist hilfreicher als alle Religion.“ (4. und 5. Abschnitt)


Kommentar                        Klaus Burghardt
Negative Emotionen - Ursachen für Kriege?
Gegenthese: Die Gründe sind letztlich ökonomischer Art.

Im Kapitalismus müssen Unternehmen möglichst kostengünstig produzieren, um gegenüber der Konkurrenz bestehen zu können. Niedrige Löhne, Rohstoff- und Energiepreise, insbesondere aber Rationalisierung erweisen sich hier als hilfreich. Letztere erfordert allerdings Investitionen, welche wiederum Gewinne voraussetzen. Je größer der Gewinn, umso mehr kann investiert, rationalisiert, desto kostengünstiger kann produziert, desto eher die Konkurrenz unterboten oder gar aufgekauft (ggf. auch eine Übernahme des eigenen Unternehmens verhindert) werden.
     Hierzu braucht es allein eines rational handelnden Subjekts, das die Funktionsweise der freien Wirtschaft durchschaut und sich an die betriebswirtschaftlichen Regeln hält. Emotionen wie Gier sind nicht erforderlich, können evtl. sogar schaden.
     Die kapitalistische Produktionsweise und die ihr entsprechende Ideologie fördern allerdings Egoismus und Gier. Von daher sollten Menschen, die auf Kooperation und Liebe setzen, dieses System kritisch beäugen.
     Der Konzernchef, der sich meditierend in Widerspruch zum Prinzip der Gewinnmaximierung setzt, wird gefeuert, oder das Unternehmen verschwindet vom Markt (Nischen ausgenommen).
     Zum Krieg: Kein Öl, keine seltenen Erden, ein Umweg über Kap Hoorn erforderlich? Das reibungslose Funktionieren der freien Wirtschaft, ihre Profite (s.o.) sind in Gefahr? Konzerne, Banken und Staat werden alles - notfalls auch „legitime“ Gewalt - daransetzen, derlei Widrigkeiten abzuhelfen.

PS:
„Profitmaximierendes Verhalten folgt dem Diktat der Zweckmäßigkeit und ignoriert die Forderungen der Moral. Finanzmärkte sind nicht unmoralisch, sondern amoralisch“ so der US-amerikanische Investor George Soros. Menschen mit Skrupeln hätten in diesem knallharten Umfeld keine Chance, meint er.

Kommentar                                        Christian Brehmer 
Negative Emotionen - Ursachen für Kriege?
Unterstützende These

Unser oben geschildertes neoliberales Wirtschaftssystem bewikt Stress und Frust für die Mehrheit der  Bevölkerung.  Unsere Gesellschaft ist voller Spannungen. Letztere verursachen häufig negative Emotionen. Sie begünstign nicht nur psychosomatische Krankheiten, sondern auch eine Aggressionspotenzial, das sich abreagieren will bis hin zu kriegerischen Auseinandersetzungen.
Kollektive negative Emotionen kumulieren zu einem morphogentischen Feld, das negatives Verhalten begünstigt. (Vergl.  Sheldrake Hypothese)
Ergo: Das Praktizieren einer Entspannungstechnik ist von hoher gesellschaftspolitischer Bedeutung.
Dalai Lama: "Wenn alle 8-Klässler die Meditation erlernen würden, hätten wir Weltfrieden in einer Generation."

Vorschau 6.12.2019
Wir haben uns geeinigt, den Dialog über den hochaktuellen Text des Dalai Lama "Ethik ist wichtiger als Religion" fortzusetzen. Wir werden weiterlesen zur Grundlage unseres Gespräches ab S. 11 "Ich schlage vor...."   Einen Link zum Text finden wir in der Nachschau vom 4.10.                                         





Samstag, 26. Oktober 2019


Nachschau 4.10.2019: Ethik ist wichtiger als Religion
 Klaus Burghardt

Grundlage für unser Gespräch war der „Appell des Dalai Lama für eine säkulare Ethik und Frieden“. Man findet den Text im Internet unter dem Link
  
https://www.google.com/url?sa=tHYPERLINK "https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=5&ved=2ahUKEwiK4aq_i4_lAhXSPOwKHZNsDm4QFjAEegQIAhAC&url=http://www.dharma-university-press.org/images/pdf_download/Appell_des_Dalai_Lama_an_die_Welt.pdf&usg=AOvVaw3ATdy8SAcHjOTeF24L5th-"&HYPERLINK "https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=5&ved=2ahUKEwiK4aq_i4_lAhXSPOwKHZNsDm4QFjAEegQIAhAC&url=http://www.dharma-university-press.org/images/pdf_download/Appell_des_Dalai_Lama_an_die_Welt.pdf&usg=AOvVaw3ATdy8SAcHjOTeF24L5th-"rct=jHYPERLINK "https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=5&ved=2ahUKEwiK4aq_i4_lAhXSPOwKHZNsDm4QFjAEegQIAhAC&url=http://www.dharma-university-press.org/images/pdf_download/Appell_des_Dalai_Lama_an_die_Welt.pdf&usg=AOvVaw3ATdy8SAcHjOTeF24L5th-"&HYPERLINK "https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=5&ved=2ahUKEwiK4aq_i4_lAhXSPOwKHZNsDm4QFjAEegQIAhAC&url=http://www.dharma-university-press.org/images/pdf_download/Appell_des_Dalai_Lama_an_die_Welt.pdf&usg=AOvVaw3ATdy8SAcHjOTeF24L5th-"q=HYPERLINK "https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=5&ved=2ahUKEwiK4aq_i4_lAhXSPOwKHZNsDm4QFjAEegQIAhAC&url=http://www.dharma-university-press.org/images/pdf_download/Appell_des_Dalai_Lama_an_die_Welt.pdf&usg=AOvVaw3ATdy8SAcHjOTeF24L5th-"&HYPERLINK "https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=5&ved=2ahUKEwiK4aq_i4_lAhXSPOwKHZNsDm4QFjAEegQIAhAC&url=http://www.dharma-university-press.org/images/pdf_download/Appell_des_Dalai_Lama_an_die_Welt.pdf&usg=AOvVaw3ATdy8SAcHjOTeF24L5th-"esrc=sHYPERLINK "https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=5&ved=2ahUKEwiK4aq_i4_lAhXSPOwKHZNsDm4QFjAEegQIAhAC&url=http://www.dharma-university-press.org/images/pdf_download/Appell_des_Dalai_Lama_an_die_Welt.pdf&usg=AOvVaw3ATdy8SAcHjOTeF24L5th-"&HYPERLINK "https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=5&ved=2ahUKEwiK4aq_i4_lAhXSPOwKHZNsDm4QFjAEegQIAhAC&url=http://www.dharma-university-press.org/images/pdf_download/Appell_des_Dalai_Lama_an_die_Welt.pdf&usg=AOvVaw3ATdy8SAcHjOTeF24L5th-"source=webHYPERLINK "https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=5&ved=2ahUKEwiK4aq_i4_lAhXSPOwKHZNsDm4QFjAEegQIAhAC&url=http://www.dharma-university-press.org/images/pdf_download/Appell_des_Dalai_Lama_an_die_Welt.pdf&usg=AOvVaw3ATdy8SAcHjOTeF24L5th-"&HYPERLINK "https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=5&ved=2ahUKEwiK4aq_i4_lAhXSPOwKHZNsDm4QFjAEegQIAhAC&url=http://www.dharma-university-press.org/images/pdf_download/Appell_des_Dalai_Lama_an_die_Welt.pdf&usg=AOvVaw3ATdy8SAcHjOTeF24L5th-"cd=5HYPERLINK "https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=5&ved=2ahUKEwiK4aq_i4_lAhXSPOwKHZNsDm4QFjAEegQIAhAC&url=http://www.dharma-university-press.org/images/pdf_download/Appell_des_Dalai_Lama_an_die_Welt.pdf&usg=AOvVaw3ATdy8SAcHjOTeF24L5th-"&HYPERLINK "https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=5&ved=2ahUKEwiK4aq_i4_lAhXSPOwKHZNsDm4QFjAEegQIAhAC&url=http://www.dharma-university-press.org/images/pdf_download/Appell_des_Dalai_Lama_an_die_Welt.pdf&usg=AOvVaw3ATdy8SAcHjOTeF24L5th-"ved=2ahUKEwiK4aq_i4_lAhXSPOwKHZNsDm4QFjAEegQIAhACHYPERLINK "https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=5&ved=2ahUKEwiK4aq_i4_lAhXSPOwKHZNsDm4QFjAEegQIAhAC&url=http://www.dharma-university-press.org/images/pdf_download/Appell_des_Dalai_Lama_an_die_Welt.pdf&usg=AOvVaw3ATdy8SAcHjOTeF24L5th-"&HYPERLINK "https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=5&ved=2ahUKEwiK4aq_i4_lAhXSPOwKHZNsDm4QFjAEegQIAhAC&url=http://www.dharma-university-press.org/images/pdf_download/Appell_des_Dalai_Lama_an_die_Welt.pdf&usg=AOvVaw3ATdy8SAcHjOTeF24L5th-"url=http%3A%2F%2Fwww.dharma-university-press.org%2Fimages%2Fpdf_download%2FAppell_des_Dalai_Lama_an_die_Welt.pdfHYPERLINK "https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=5&ved=2ahUKEwiK4aq_i4_lAhXSPOwKHZNsDm4QFjAEegQIAhAC&url=http://www.dharma-university-press.org/images/pdf_download/Appell_des_Dalai_Lama_an_die_Welt.pdf&usg=AOvVaw3ATdy8SAcHjOTeF24L5th-"&HYPERLINK "https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=5&ved=2ahUKEwiK4aq_i4_lAhXSPOwKHZNsDm4QFjAEegQIAhAC&url=http://www.dharma-university-press.org/images/pdf_download/Appell_des_Dalai_Lama_an_die_Welt.pdf&usg=AOvVaw3ATdy8SAcHjOTeF24L5th-"usg=AOvVaw3ATdy8SAcHjOTeF24L5th-

Der zweiseitige Appell-Text befindet sich hinter dem Vorwort von Franz Alt.

Wer mit seinem PC keine PDF-Dokumente lesen kann: Eine abweichende (besser strukturierte, besser lesbare) Version / Übersetzung des Appells findet sich hier:


Wir haben im Rahmen unseres Treffens die ersten drei Abschnitte des Appells gemeinsam gelesen und beprochen.

Es ging dabei um zwei große Themenbereiche:

1. Religion und Ethik

2. Der freie Wille.

„Seit Jahrtausenden wird Gewalt im Namen von Religionen eingesetzt und gerechtfertigt.“ lautet der erste Satz des Appells.

Mehrere Redner (die weibliche Form ist immer mit gemeint) betonten, dass „nicht die Religionen per se“ gewalttätig seien, sondern dass es auf „die Menschen“, auf „das Umfeld“ ankomme. „Die Religionsstifter haben das Einssein der Menschen erfahren und daraus gelernt.“ „Nicht die Religionen machen den Menschen aggressiv oder liebevoll. Es gibt liebevolle Kinder - einfach so, ohne Religion.“

„Das Christentum ist gegen Gewalt.“ „Jesus: 'Liebe deinen Nächsten'“. Es gebe aber Religionen, wo das nicht so eindeutig sei. Wem im Paradies 100 Jungfrauen versprochen werden, der habe möglicherweise ein anderes Verhältnis zu der Frage.

„Religion hat schon was mit der Gewalt zu tun.“ meinte auch ein anderer Teilnehmer. Wer aus religiösen Gründen tötet, mit dem muss doch die Religion etwas gemacht haben. „Wenn man glaubt, dass die eigene Religion das einzig Wahre ist“ dann falle es leichter, andere umzubringen.

Gegenthese: Ursache für Attentate ist eine „schräge Psyche, aber nicht die Religion“.

Damit waren wir bei dem vom Dalai Lama angesprochenen Missbrauch der Religion. Solch Missbrauch habe immer auch mit Gefühlen zu tun. Die Emotionen können einen übermannen. Dann muss die Vernunft korrigierend zum Einsatz kommen. Und so, wie die Religion „oft missbraucht oder instrumentalisiert“ wird (Dalai Lama), „um politische oder wirtschaftliche Interessen durchzusetzen“, geschieht Ähnliches mit politischen Idealen: „Demokratie wird anderen beigebracht mit Bomben im Namen der Demokratie“.

Hätten wir uns, wie ein Teilnehmer meinte, ohne Religion schon alle gegenseitig umgebracht? „Auch früher hat nicht jeder jeden totgeschlagen.“ hielt ein anderer dagegen.

Und damit haben wir auch den Übergang zur Ethik. Dabei handle es sich um einen jahrhunderte-, gar um einen jahrtausendelangen ethischen Reifungsprozess. Der aber auch Schübe erfahren kann - so z.B. das Erleuchtungserlebnis Thomas von Aquins. Das sei ein ethischer Quantensprung gewesen gewesen, geboren aus der tranzendentalen Stille [als Ergebnis der Meditiation (Klaus)].

Die vom Dalai Lama geforderte „säkulare Ethik“ - wo soll sie herkommen? Wie soll man sich darauf einigen, wie die Menschen überzeugen? „Toleranz und Nächstenliebe sind dem Menschen nicht angeboren, die Empathie ist auf wenige Personen beschränkt“ hieß es. Der Verweis auf Hans Küngs „Projekt Weltethos“ wurde verbunden mit der Information, dass man sich schon einmal mit dieser Problematik befasst habe.*

„Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.“ wurden Plautus und Hobbes zitiert. „Ein gewisses Maß an Aggression steckt drin - und Empathie auch.“

Ist der Mensch von Natur aus gut oder schlecht? Vermutlich sowohl als auch. Es komme darauf an, gesellschaftliche Verhältnisse zu schaffen, in denen die positiven Anlagen gefördert und die negativen möglichst unterbunden oder abgebaut würden.

Hier kommt nun der freie Wille ins Spiel.

Einige Aussagen:

„Wenn im Gehirn materielle Prozesse ablaufen - woher soll dann der freie Wille kommen?“
„Über das Unterbewusstsein hat man keine Kontrolle.“
„Wir haben keine Kontrolle, was bei den Arbeiten des Gehirns rauskommt.“
„Zu einem gewissen Punkt kann ich frei entscheiden, welche Musik ich höre.“
„Man kann den Körper zwingen, auch wenn er keine Lust hat. Der Körper ist nicht vollends bestimmt.“  „
„Systemzwänge und Körpervorgänge bedeuten Unfreiheit. Aber: Reflexion ist ein Element der Freiheit. Wir durchschauen die Zwänge.“
„Wir sind konditioniert durch Genetik und Sozialisiation und die jeweilige Situation („le moment“).
„Die Gefühle sind ausschlaggebend.“
„Freier Wille wäre Wirkung ohne Ursache.“
„In freier Meditation bin ich die Ursache. Das ist ein freier Wille.“
„Was ist daran frei? Kann das Einbildung sein?“
„Kreativität: Man kann ohne Ursache etwas aus sich selbst heraus schaffen, ohne Ursache.“
„Gibt es Kreativität überhaupt? Existiert nicht schon etwas, bevor wir es entdecken oder benennen?„Wenn wir alle so frei wären, das Gute zu tun, warum tun wir es nicht?“
„Spielen hier wieder gesellschaftliche Strukturen und Interessen eine Rolle?“ (...)

Da das Hauptthema „Religion und Ethik“ lautete, wollen wir an diesem Punkt auf den freien Willen nicht ausführlicher eingehen.

Bei unserem nächsten Treffen wollen wir uns weiter mit dem Appell des Dalai Lama auseinandersetzen.
_____
* Siehe Vorschau und Nachschau zum 5.2. 2016: Ein Abend mit Professor  R. Mokrosch  über Fragen zum „Weltethos“   
      

Ethik ist wichtiger als Religion.     Kommentar                 Christian Brehmer

Gemäß der Tiefenphilosophie, wie sie zum Beispiel von Platon und Aristoteles vertreten wird,  gibt zwei Realitäten: eine relative Realität – das Universum mit unserer Welt und eine absolute Realität, den Urgrund, den Logos – quantenphysikalisch: das Vereinheitlichte Feld, aus dem alles hervorgegangen ist. (Vergl. www.bewusstseins-evolution.de)
Und das was hervorgegangen ist, die Schöpfung, ist schön, ist geordnet und ist gut  (solange sich nicht der Mensch einmischt).  Mithin müssen u.a. Schönheit, Ordnung = Wahrheit und das Gute  dem Vereinheitlichten Feld innewohnen.  
Der Mensch hat nun die Fähigkeit, sich von allem Relativen zu lösen, z.B. in der Meditation  und vermag in der transzendentalen Stille das  Absolute oder das Vereinheitlichte Feld, den Logos zu berühren  –   einen Urgrund, der zugleich die Quelle aller Ethik und Religionen ist.
Erhebungen belegen, dass Menschen, die regelmäßig meditieren und transzendieren,  z.B. in Kohlbergs Stufenmodell moralischer Entwicklung, überdurchschnittlich gut abschneiden.  Der Kontakt mit dem Vereinheitlichten Feld ist zugleich  der Kontakt mit einer naturgegebenen Ethik. „Wir leben in einem liebenden Universum“, resümiert Albert Einstein.  Menschen  in unterschiedlichen Regionen der Erde machen zwar die gleiche Erfahrung,  aber interpretieren  und formulieren sie unterschiedlich. So entstehen die Religionen.


Mittwoch, 25. September 2019


 Vorschau 4.10.2019: Ethik ist wichtiger als Religion
                                                                 Christian Brehmer

Zum Kongress "GanzMenschSein" an der Landesturnschule in Melle Anfang September d.J. hielt Dr. Franz Alt, Fernsehjournalist und Bestseller-Autor, den Eröffnungsvortrag "Ethik ist wichtiger als Religion". Er berief sich dabei auf den gleichnamigen Appell des Dalai Lama an die Welt im Jahre 2015. Einige aus unserer Runde waren wohl dabei. Wir wollen das Thema am kommenden Freitag noch einmal aufgreifen, zumal unsere anvisierte Referentin, Frau Marlies Meyer, verreist ist. Die Schrift des Dalai Lama "Ethik ist wichtiger als Religion" mit einem Vorwort von Franz Alt können wir bei Google als PDF herunterladen (1. Seite, 3. Eintrag).  Das brisante Thema soll erneut Grundlage unseres Gesprächs am 4.10. sein. 

Dalai Lama: Ethik ist wichtiger als Religion                          Klaus Burghardt

  »Ich denke an manchen Tagen, dass es besser wäre, wenn wir gar keine Religionen mehr hätten.“
Wie kommt ein Religionsführer zu einer solchen Aussage? Was kritisiert er an Religionen? Was soll sie ersetzen?
„ Alle Religionen (...) bergen ein Gewaltpotential in sich. Deshalb brauchen wir eine säkulare Ethik jenseits aller Religionen.“ Und: »Ethik ist wichtiger als Religion. Wir kommen nicht als Mitglied einer bestimmten Religion auf die Welt. Aber Ethik ist uns angeboren.«

WAS MACHT DIESE ETHIK AUS? 
* „Achtsamkeit, Bildung, Respekt, Toleranz, Fürsorge und Gewaltlosigkeit.“ 
* „eine in uns Menschen angelegte Neigung zur Liebe, Güte und Zuneigung“
*„Mehr Achtsamkeit gegenüber allem Leben, auch gegenüber Tieren und Pflanzen.“
* Die säkulare Ethik soll auch für Atheisten und Agnostiker „hilfreich und brauchbar“ sein.
             „Dabei möchte ich keine moralischen Werte diktieren – das würde niemandem nutzen.“ „Deshalb halte ich Ethik nicht für die Summe von Geboten und Verboten, die es zu befolgen gilt, sondern für ein natürliches, inneres Angebot, das uns zu Glück und Zufriedenheit mit uns selbst und mit anderen führen kann.“ 

Der Mensch soll sich einmischen, Verantwortung übernehmen. Es geht um globale und grundlegende Probleme:
Umweltzerstörung, Klimawandel, das Risiko eines selbstmörderischen Atomkriegs, Überwindung von Egoismus, Nationalismus, Gewalt. Gewaltfreiheit ist „intelligente Feindesliebe“, Dialog ist die einzig sinnvolle Methode zur Lösung von Konflikten. „Außer in seltenen Ausnahmefällen führt Gewalt immer zu neuer Gewalt. Krieg ist in unserer vernetzten Welt nicht mehr zeitgemäß und widerspricht der Vernunft und der Ethik.“ „Die Hauptursachen für Kriege und Gewalt sind unsere negativen Emotionen.“ „Waffenexporte sind ein großes Hindernis für mehr Frieden.“
        „Abrüstung ist praktiziertes Mitgefühl. Voraussetzung einer äußeren Abrüstung ist allerdings eine innere Abrüstung von Hass, Vorurteilen und Intoleranz.“

WAS IST ZU TUN?
„Für eine weltweite säkulare Ethik bedarf es freilich noch weltweiter Forschung. Darüber bin ich mir mit vielen Wissenschaftlern einig, vor allem mit Hirnforschern, Neuropsychologen und Pädagogen. Die moderne neurobiologische Forschung legt nahe, dass sich altruistisches und weniger egoistisches Verhalten für a l l e lohnt.“
„Sicher ist jedoch, dass eine säkulare Ethik eine Schulung des Herzens, viel Geduld und ausdauerndes Bemühen erfordert. Und klar ist auch, dass eine wirklich hilfreiche säkulare Ethik nicht nur eine Frage des Wissens ist, sondern noch mehr eines Frage des Handelns. Wir wissen ja oft, was wir tun, aber wir tun nicht, was wir wissen.“
„Ich schlage vor: mehr zuhören, mehr nachdenken, mehr meditieren.“ „Wir müssen also nachdenken, nachdenken, nachdenken. Und forschen, forschen, forschen.“
„Ich blicke mit Freude dem Tag entgegen, an dem Kinder in der Schule die Grundsätze der Gewaltlosigkeit und der friedlichen Konfliktlösung, also der säkularen Ethik, lernen.“ „Es gibt viele Möglichkeiten, die Welt zu verbessern, ein Umdenken zu bewirken: (...) Ich denke, dass wir dies hauptsächlich durch Bildung erreichen können.“
    
           „Durch intensives Meditieren werden wir feststellen, dass Feinde unsere besten
 Freunde werden können.“
__________________________________________________
säkular: „weltlich, der Welt der (kirchlichen) Laien angehörend“ (duden.de)

Agnostiker = „Weltanschauung, nach der die Möglichkeit einer Existenz des Göttlichen bzw. Übersinnlichen rational nicht zu klären ist, also weder bejaht noch verneint wird“ (duden.de)


Nachschau 6.9.2019: Tiefenphilosophie und Aspekte  indischer Philosophie                       Christian Brehmer
  
Ausgehend von dem Reisebericht durch Südindien von Horst Schürmann (s. Vorschau 6.9.), kam es  u.a.  zu einem Gespräch  über die tiefenphilosophische Methode des indischen Meisters Ramana Maharshi. Abendländische Philosophen ziehen  auf dem Weg zur Erkenntnis meist – akribisch – den Verstand heran. Hingegen gilt es in der klassischen indischen Philosophie den Verstand zu transzendieren, einen höheren Erkenntnismodus freizulegen, um dann über  Erkenntnisse zu reflektieren.
      Jegliche Erkenntnis aber wird vom Subjekt geleistet. Also gilt es erst einmal den Erkennenden als Subjekt und seine Strukturen der Erkenntnis zu erforschen. In der griechischen Antike bezeichnete man diesen Ansatz treffend als „Erste Philosophie“. In dem  gleichen Bestreben postulierte im 18. Jahrhundert  Immanuel Kant  in seiner „Kritik der reinen Vernunft“  ein „transzendentales Subjekt“ als Grundlage jeglicher Erkenntnis.  Man kann es aber nicht erkennen, eben  weil es alle Erkenntnis überschreitet, so Kant.  –  Wer sagt aber, dass alles Erkennen in der Subjekt – Objekt Spaltung erfolgen muss? Gibt es nicht auch unmittelbare Erkenntnis? Spontane „Aha – Einsichten“  zum Beispiel?
      Ramana Mahrshi empfiehlt allen Suchern nach letzter Wahrheit, sich die Frage zu stellen „Wer bin ich?“. In der aufrichtigen Suche nach (transzendentaler) Selbsterkenntnis muss der Sucher erkennen, dass er nicht der Körper ist, denn dieser ist vergänglich. Er muss erkennen, dass er nicht seine Gedanken, Gefühle oder sonstiger geistigen Vorgänge ist, denn diese sind ständigem Wandel unterworfen. Wenn man alles ausschließt , bleibt nur noch das reine Bewusstsein, das zwar die Leere an Inhalten ist, aber die Fülle an Dasein. Letzteres ist eine Erfahrung, die durch nichts anderes vermittelt werden kann als durch sich selbst. Sie lässt sich aber neurowissenschaftlich definieren durch das sie begleitende spezifische EEG Muster der Gehirnaktionsströme. Sie lässt sich aber auch bestätigen – bei regelmäßiger Erfahrung – durch die wohltuenden Auswirkungen auf die geistige und körperliche Gesundheit.
     Zu Beginn unserer Philrunde versuchen wir in unserer Entspannungsreise / Meditation, dem gleichen Vorgang vereinfacht  nachzugehen. Nach einer Körper- und Atemerfahrung z.B. können wir  mühelos in eine angenehme mentale Stille gleiten. Sie ist die Erfahrung der Sophia, der transzendentalen  Weisheit, auf die u.a. die Tiefenphilosophie (integrale Philosophie) abzielt. 

  
    


Sonntag, 25. August 2019


Was ist  

Was ist    Nachschau vom 5.7.2019: Was ist Bewusstsein?
Frank                                                                                                   Frank Ziesing


Was ist Bewusstsein aus naturwissenschaftlicher Sicht?
1) Was ist Naturwissenschaft? Teilbereich der Wissenschaft, der sich mit
Erklärung der in der Natur vorkommenden Daten befasst. Diese Erklärungen
müssen falsifizierbare Datenvorhersagen beinhalten. Naturwissenschaft macht
keine Aussage über die letzte Wahrheit, sondern liefert nur praktische Modelle.
Naturwissenschaftliche Beweise gibt es nicht. In manchen Fällen benutzt man
sogar fallweise konkurrierenden Modelle, die zwar letztendlich falsch, aber
praktisch sind.
Bei naturwissenschaftlichem Vorgehen ist es üblich, Daten und Erklärungen zu
trennen.
2) Bewusstseinsmodelle
·
Die indische Tradition unterscheidet es zwei Aspekte,
Bewusstseinsinhalte (citta) und Bewusstsein-an-sich (cit). Die Bhagavad-
Gītā nennt diese auch Feld und Feldkenner. Patañjali erklärt in den Yoga-
Sūtras (4.17-19): Wahrnehmung entsteht, indem die psychische Substanz
(citta) reagiert und diese Veränderungen vom veränderungslosen
Purusha erkannt werden. Dieser Purusha (= cit) ist reine
Wahrnehmungsfähigkeit, die psychische Substanz selbst ist bewusstlos.
·
Die westliche Tradition unterscheidet nach Descartes die Außenwelt, res
extensa, und die Innenwelt, res cogitans, ohne weitere Unterteilungen.
Dies führt zur Frage, wie Leib und Seele zusammenhängen. Die
Hirnforschung zeigt, dass Reizungen am Gehirn seelische Vorgänge
hervorrufen. Daher die Auffassung, dass die res extensa die wirkliche
Grundlage ist und die res cogitans ein bloßes Epiphänomen von
materiellen Vorgängen im Gehirn.
3) Datenlage
·
Bewusstsein ist kein Objekt der Wahrnehmung, sondern inneres
Wissen. Ich weiß direkt, dass ich existiere. Ich kann alles anzweifeln, nur
nicht, dass ich es bin, der zweifelt. Ich nehme die Welt war, meinen
Körper, Gedanken und Gefühle. Nur Bewusstsein nehme ich nicht wahr,
das ist etwas was ich unmittelbar weiß. Bewusstsein ist der
Wahrnemende, nicht das Wahrgenommene.
·
Da ich mein eigenes Bewusstsein nicht wahrnehmen kann, kann ich
auch nicht das Bewusstsein anderer wahrnehmen. Vom
Bewusstsein anderer zu sprechen ist eine Schlussfolgerung, gehört also
nicht zu den anfallenden Daten.
·
Bewusstseinserfahrung istimmer hier und jetzt. Egal woher ich gerade
komme oder wohin ich gehe, meine Bewusstseinserfahrung ist immer
„hier“, nie „dort“, immer „jetzt“, nie „dann“. Irgendwo hinzugehen oder
herzukommen ist eine Schlussfolgerung.
·
Bewusstsein ist nicht lokalisierbar in der dreidimensionalen Welt.
·
Bewusstsein ist immer im Singular: Ich bin der einzigartige Zeuge der
Bewusstseinsinhalte, neben dem kein zweiter Zeuge wahrnehmbar ist.
·
Bewusstseinserfahrung ist lücken- und unterbrechungslos im Hier und Jetzt.
4) Weltmodelle
·
Dvaita
(Dualismus, Getrenntheit): Materialismus und traditionelle
Religionen. Wir sind alle voneinander getrennte Wesen.
·
Viśishtādvaita
(Einheit mit Unterschieden, Verbundenheit) Psi-Forscher
und fortschrittliche Religionen. Bei aller Verschiedenheit gibt es doch eine
Verbindung zwischen jedem und allem.
·
Advaita
(Nichtdualismus) Verschiedenheit ist illusorisch, es gibt nur ein
einziges reines Bewusstsein. Das bist du, — nicht die Persönlichkeit, die
du glaubst zu sein.

Kommentar           Jürgen Staas

Das Referat unterscheidet grundsätzlich die westliche,
naturwissenschaftliche Auffassung von fernöstlichen, indischen
"Weltmodellen". Wissenschaftliche Erkenntnisse werden induktiv gewonnen
und müssen falsifizierbar bleiben, nach K. Popper. Die moderne westliche
Wissenschaft beginnt mit Descartes und seinem "methodischen Zweifel".
Sein "cogito, ergo sum" (Ich denke, also bin ich) ist axiomatisch, also
nicht zu bezweifeln. Sein kruder Dualismus von "res extensa" und "res
cogitans" (Leib u. Seele) dagegen ist nicht mehr haltbar. Nur dem
Menschen gesteht er eine Seele zu, während Tiere für ihn seelenlose
Maschinen sind. Tierpsychologie u. Verhaltensforschung wissen heute,
dass auch Tiere - graduell verschieden - über Bewusstsein und
Intelligenz verfügen. - Was also ist Bewusstsein? Es ist unsere erlebte
Innenansicht, unsere Wahrnehmung von Sinneseindrücken und aus dem
Unbewussten aufsteigender Gefühle, Erinnerungen, Assoziationen,
Projektionen, Antrieben etc. Der Referent spricht von Reaktionen
unserer "psychischen Substanz", ein problematischer Begriff, wie mir
scheint. Das reine Bewusstsein an sich gegenüber den
Bewusstseinsinhalten sei uns unbewusst. Dem kann man zustimmen. Kritisch
klingt seine Aussage, die "res cogitans" sei wissensachaftlich gesehen
"ein bloßes Epiphänomen von materiellen Vorgängen im Gehirn". Dass
geistig-seelische Vorgänge immer an Materie gekoppelt sind, also primär
elektro-chemischen Prozessen entsprechen, scheint mir dagegen
einleuchtend. Letztlich wird uns die Beziehung der beiden Aspekte
möglicherweise immer verschlossen bleiben. Die wissenschaftliche
Entwicklung scheint mir aber insgesamt in Richtung einer ganzheitlichen
Betrachtung zu verlaufen, wie z.B. die psycho-somatische Medizin
beweist. Die vom Referenten skizzierten verschiedenen "Weltmodelle"
folgen doch auch dieser Tendenz. -

Die Aussage, dass "Bewusstseinserfahrung lücken- und unterbrechungslos
im Hier und Jetzt" geschieht, entspricht wohl dem, was die Literatur
als "Bewusstseinsstrom" entdeckt hat (s. James Joyce, Ulysses).

Noch eine kritische Anmerkung: Wie schon bei anderen Referaten fehlt
auch hier wieder ein Bezug zur Bedeutung des Vor- und Unbewussten,
dessen Gewicht doch gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, mit
all seiner Subjektivität, Zufälligkeit, Selektivität,
Unkontrollierbarkeit, Triebsteuerung, etc. ! - Kritisch zu sehen ist
auch die deutlich skeptische Haltung gegenüber der Naturwissenschaft.
Der Hinweis auf subatomare , nicht mehr als kausal zu beschreibende
Vorgänge, die Auflösung der Materie in bloße Energie und Information,
letztlich die Unerklärbarkeit der zur Diskussion stehenden Phänomene
erwiesen sich als wenig fruchtbar. sts

Protokollnotizen:  Was ist Bewusstsein?            Christian Brehmer + Klaus Burghardt

Zunächst ging es um die Frage, ob Descartes falsch gelegen (und die westliche Wissenschaft auf eine falsche
Fährte geführt!) habe: Durch das Vermischen von Theorie und Daten sei er in einen Zirkel geraten. Es sollte
heißen "Ich bin, also denke ich", nicht umgekehrt. Diese These wurden angezweifelt, allerdings nicht weiter
vertieft.
Welche Rolle spielt die in der Vorschau angesprochene W i s s e n s c h a f t ?
Die Hirnforschung kann aufzeigen, dass Bewusstseinsprozesse und mentale Zustände mit komplexen
neurobiologischen Abläufen einhergehen. „Das Bewusstsein“ kann sie - zumindest bisher - nicht erklären.
Ob das jemals möglich sein wird? Vermutlich eher nicht. Überhaupt: Die Wissenschaft kann auch zu einer
Falle werden. Sie bringt wichtige Ergebnisse. Es fehlt aber die Ethik, die Liebe. Das hat zu einer
verhängnisvollen Entwicklung geführt: Jeden Tag verhungern etwa 24.000 Menschen.
Für manche Probleme ist die Wissenschaft das falsche Instrument. Mit Physik und Chemie kann man nicht
alles lösen. Es gibt auch noch Religion, Philosophie, ... Geistige Bewegungen können Änderungen
herbeiführen: siehe die Schülerstreiks. Physik kann erklären, dass sich die Erde erwärmt. Ob wir etwas
dagegen tun, ist eine Frage der Ethik. Wenn ich weiter mein Auto fahre, ändert sich nichts. Der Mensch ist
das Problem.
Erkenntnisse müssen mit einem Weltbild harmonieren. Es gibt verschiedene Denkansätze, z.B. die
Quantenphysik. Eine Theorie, zu der alle bisherigen Erkenntnisse passen, sei die von Burkhard Heim,
betonte ein Teilnehmer.
Bei Bewusstsein geht es auch um das Verhältnis von Materiellem und Immateriellem. Die Frage, wie
M a t e r i e, Energie und Information zusammenhängen, wurde angesprochen. Was ist das Primäre? Besteht
alles letztlich gar zunächst aus Bewusstseinsinhalten, die sich dann materialisieren? “Wären das die
platonischen Ideen?"
Sogar auf die Leninsche Materiedefinition wurde hingewiesen: Demnach sei Materie alles, was unabhängig
vom Bewusstsein existiere. Die F o r m der Materie spiele dabei keine Rolle.
„Inneratomare Vorgänge“ im Körper, Elementarteilchen etc. interessieren nicht jeden. Andererseits hat sich
die Philosophie immer schon auch mit diesen Dingen beschäftigt - Beispiel: Demokrits Atome. Und heute
gibt es Ansätze, die das Bewusstsein mit Hilfe der Quantentheorie zu erklären versuchen.
Andererseits: „Gottes Schöpfung ist so komplex, dass wir sie nicht vollständig durchdringen können. Es gibt
Gebiete, die wir nicht verstehen.“
„Bewusstsein ist L i e b e“ lautete eine weitere These. Liebe kann man nicht erklären. Jeder Mensch hat die
Fähigkeit, sich mit anderen zu verbinden. Lieben kann jeder - unabhängig von Glaube und Einstellungen.
Aber: „Es gibt auch pervertierte Bewusstseinsinhalte wie Hass: Denken wir an Attentäter oder Mörder.“
Kann man auch aus Liebe morden?

Bewusstsein an sich ist Liebe.

Einstein: „Die wichtigste Erkenntnis meines Lebens ist die, dass wir in einem liebenden Universum leben.“
Alles scheint so organisiert zu sein, dass es eine harmonische Ganzheit ergibt. Andererseits: Dass sich die
Gesellschaft vorrangig an Wohlstand und Spaß/Konsum orientiert, hat uns an die Grenze unserer Umwelt
geführt. Noch einmal:  Der Mensch ist das Problem.
„Liebe ist persönlich, Energie ist nicht persönlich.“
Und wie war das noch mal mit dem f r e i e n W i l l e n? Weil Gott Bewußtsein und Willen hat, haben auch
wir Menschen Bewußtsein und einen freien Willen. Gegenthese: Die Willensfreiheit steht in Frage. „Der
Mensch ist das einzige Wesen, das sich selbst etwas vormachen kann.“


Vorschau 6.9.2019:  Religiöses Leben in Südindien -  Ein Reisebericht             Horst Schürmann

Grundlage des Abends ist Heikes und mein Besuch in den Ashrams

Muddenahalli (Sai Baba im Energiekörper;https://saivrinda.org/)

Puttaparthi (Sai Baba im Formkörper; http://www.sathyasai.org/) und

Tiruvannamalai (Ramana Maharshi;https://vedanta-yoga.de/sri-ramana-
maharshi-der-grosse-advaita-guru-sein-leben-und-werk/). Auf
den angegebenen Internet Seiten findet ihr Informationen zu Leben und

Werk des Avatars Sai Baba und des Meisters Ramana Maharshi.

Zunächst wird es in dem Eingangsreferat um eine allgemeine Darstellung

meiner Eindrücke der Reise(n) gehen.

Gesprächsgrundlage des Abends ist zum einen, die zentrale Frage, die sich

Ramana Maharshi stellte:

Wer bin ich?

Ich bin nicht der Körper, da dieser vergänglich ist. Anders gefragt: Was ist nicht der Veränderung unterworfen, ewig? Zum anderen, ein Zitat von Sai Baba:
"Es gibt nur eine Sprache, die Sprache des Herzens. Es gibt nur eine Kaste, 
die Kaste der Menschheit. Es gibt nur eine Religion, die Religion der Liebe. 
Es gibt nur einen Gott, er ist allgegenwärtig."
In Fortführung der Philosophenrunde vom 05.07.2019 schwingt natürlich

auch hier die menschliche Bewußtseinsentwicklung von Identifikation mit

Form, Emotion, etc. über die „Erfahrung“ Gott i s t (dwaita: Getrenntheit);

Gott ist in mir („quasi Adwaita“: Verbunden-heit); bis hin zu Gott und Ich

sind eins (Adwaita: Einheit) mit.