Das Wort Glück existiert seit dem Mittelhochdeutschen und bezeichnet die Art, wie etwas endet, wenn etwas gut ausgeht, unabhängig von unserem Zutun. Das Wort ist verwandt mit englisch „luck“, das, in derselben Bedeutung, neutral und deshalb zu qualifizieren ist: „good luck/ bad luck“. Das deutsche „Glück“ ist doppeldeutig und meint auch das Glücksgefühl (engl. happiness). Glücksgefühle sind eher zeitlich begrenzt, momentan, besondere Highlights im Leben: Hochzeit, Geburt eines Kindes, bestandene Prüfung, spürbare Erholung nach Krankheit, besondere persönliche Begegnungen, etc. Beständiger ist die davon zu unterscheidende Zufriedenheit, ein Gewöhnungseffekt, die sog. hedonistische Anpassung. Glück in allen Bedeutungen, hat zu tun mit der Fähigkeit zu guten menschlichen Beziehungen, mit Vertrauen, mit der Fähigkeit zu Spiritualität und Engagement, zu Reflexion und Erkenntnisgewinn, zu einem aktiven und selbstbestimmten Leben. Ist jeder seines Glückes Schmied? Wohl nur höchst bruchstückhaft. Ehrliche Antwort kann nur sein, dass einem vieles geschenkt wird. Glück ist nicht verfügbar, kann nur schwerlich willentlich herbeigeführt werden. Was vermag die Reflexion, die Distanzierung zu sich selbst? Kann sie zu höheren Erkenntnissen, zu einem höheren Bewusstsein führen? An dieser Frage entzündete sich eine Diskussion über das Problem Dualismus oder Monismus. Eine naturwissenschaftliche, biologistische Betrachtungsweise etwa der Hirnforschung kann nur monistisch kausal sein, während eine mehr subjektive, psychologische oder religiöse Perspektive zum qualitativen Dualismus neigt. - Andere Beiträge verwiesen auf antike Beispiele (Diogenes) oder ostasiatische, buddhistische Haltungen. Weise Selbstbeschränkung kann zu innerer Zufriedenheit führen. Auch hier stellt sich wieder die Frage, wem diese Fähigkeiten gegeben sind. Das soziokulturelle Umfeld und Bildungsprozesse (Sozialisation) spielen dabei eine entscheidende Rolle. US-Amerikaner z.B. sind viel positiver, optimistischer gestimmt als kritisch bis skeptisch ausgerichtete Europäer. - Das soziale Umfeld ist stark von der politischen Ausrichtung bedingt. Die skandinavischen Länder bieten offensichtlich eine besonders gute Daseinsvorsorge. Gesundheits - und Rentenysteme, ausreichender Wohnraum, Demokratisierungsgrad und Mitsprache, Freiheits- und Sicherheitsgefühle tragen offensichtlich in hohem Maße, wenn nicht zum Glück, so doch wenigstens zur Zufriedenheit der Menschen bei. Zu nennen wären nicht zuletzt auch das Einkommensniveau bzw. der allgemeine Wohlstand eines Landes, einer Region oder auch einer Kommune. - Schließlich sei noch einmal auf physiologische Aspekte verwiesen, auf bestimmte Hirnareale und Botenstoffe, die mit unseren Gefühlen korrelieren: Dopamin, Serotonin, Tryptophan, Noradrenalin, Oxytocin, Endorphine, die alle bestimmte Empfindungen auslösen oder umgekehrt durch bestimmte Erlebnisse erzeugt werden. sts
Die Philosophen-Runde Melle ist ein Freundeskreis von Menschen, die über den Tellerrand des Alltags hinaus schauen und sich Gedanken machen über den Zustand der Welt und den Sinn des Lebens. Jede(r) ist willkommen. Vorwissen ist nicht erforderlich. Wir treffen uns einmal im Monat. Ort und Termin bitte erfragen: T. 05422/2635 Näheres auf der Seite "Über uns".
Dienstag, 18. April 2017
Vorschau 5.5.2017: Die Lebenskraft Christian Brehmer
Wir werden uns mit einer Kraft befassen, die wir alle kennen, die jedoch von der klassischen Wissenschaft und der Schulmedizin ignoriert wird, weil man sie nicht beobachten, messen und wiegen kann. Als Pneuma wurde sie im antiken Griechenland bezeichnet, als Prana in Indien, als Chi in China und als vis vitalis = Lebenskraft in der Philosophie des Vitalismus. Es ist die Kraft, der wir unser Leben verdanken, denn wenn sie nicht mehr da ist, leben wir auch nicht mehr. Damit ist der Monismus der Materiewissenschaft widerlegt. Haben wir ausreichend Lenbenskraft, fühlen wir frisch und lebendig. Geht sie zur Neige, sind wir müde und erschöpft. Deswegen brauchen wir Schlaf und Erholung, um uns zu regenerieren.
Aber es gibt auch Wege und Techniken, um uns bewusst mit Lebensenergie zu versorgen. Das kann zum Beispiel ein geruhsamer Spaziergang sein, leichte Gartenarbeit oder spielerischer Sport. Das können aber insbesondere auch Entspannungstechniken sein wie Yoga, Tai Chi oder Autogenes Training. Ich selbst unterrichte das Power-Nick(erchen), einen wachentpannten Regenerationsschlaf, um die Batterie wieder aufzuladen. Bis in Tiefe ausgelotet, können derlei Entspannungstechniken zur mentalen Stille führen, der Quelle der Lebensenergie, die gleichzeitig die SOPHIA, die höchste Weisheit ist. Die Kraft unterstützt den eigenen Heilungsprozess, kann aber auch zur Genesung unserer Mitmenschen übertragen werden. Davon dokumentiert der preisgekrönte Film "Wunder der Lebenskraft", der am 30.4., 11.30 im Cinema Arthouse, Osnabrück, läuft.
Mittwoch, 22. März 2017
Nachschau 3. März 2017 Jessika Schwark
Bauchgefühl vs. Rationalität
Jürgen Staas hält sein Kurzreferat zum Thema: Bauchgefühl vs. Rationalität.
Auf die zentrale
Lebensfrage: " Wie komme ich zu meinen Entscheidungen?"
gibt es anscheinend
mindestens drei Antworten: durch Gebrauch des Verstandes, der Intuition oder
durch Hören auf das Bauchgefühl.
Lassen sich diese
Drei Instanzen überhaupt getrennt voneinander betrachten?
Manchmal scheinen sie
sich zu ergänzen, manchmal stehen sie sich als Gegenspieler gegenüber.
Im Falle der
Entscheidungsfindung kämpfen sie dann scheinbar gegeneinander, schließen sich
aus, zum Beispiel bei der Suche nach kreativen Ideen steht die Ratio der
Intuition entgegen.
Erfahrungen,
Konditionierungen und die Meinung anderer vermischen sich.
Der spontane Impuls
des Bauchgefühls meldet sich bei Abneigung, bringt Emotionen ins Spiel.
Beide Systeme greifen
scheinbar auf die Informationen der Sinnesorgane zu- aber betrachten sie deshalb die Wahrheit?
Begrenzen unsere
inneren "Prüfer" gar die Wahrnehmung der reinen Wahrheit und
verkomplizieren somit die Entscheidungsfindung in einer ohnehin immer
komplexeren Welt?
Der bewusste
Verstand, auch er scheint beeinflusst
durch Erfahrung im bisherigen Leben.
Würden wir uns ohne
Bauchgefühl überhaupt ineinander verlieben?
Aktuell scheint die
Welt voller Probleme: Kriege, Flucht, zweifelhafte Persönlichkeiten in Politik
und Führung- Ergebnis von Entscheidungen aufgrund von Bauchgefühl ( Hass,
Angst, Suche nach Anführern) oder gezielt geplanter rationeller Lenkung (
Globalisierung, Interessen kleiner Eliten)- dieses Thema wurde kontrovers
diskutiert.
Vorschau 7.April 2017 Jessika Schwark
Was macht uns wirklich glücklich?
Was ist Glück?
Wikipedia: Glück mittelhochdeutsch 12.Jh „ Art, wie etwas endet/ gut ausgeht
günstigster Ausgang eines Ereignisses unabhängig vom eigenen Zutun
gleichzeitig aber Volksweisheit: „ Jeder ist seines Glückes Schmied“:
Wieviel Eigenverantwortung trägt jeder an seinem Glück?
Wieviel Einfluss habe ich darauf, ob mein Leben glücklich ist?
Unterscheide „ Glücksgefühl“ von „glücklich leben“
Glücksgefühl: schönes Gefühl im Moment einer angenehmen Erfahrung.
Nachteil: zeitlich meist sehr begrenzt, Gewöhnungseffekt tritt schnell
ein ( hedonistische Anpassung).
Glücklich leben: Zufriedenheit, Haltung dem gesamten Leben gegenüber
unabhängig vom Erleben einzelner Glücksmomente.
Das Leben aller Menschen umfasst positive und negative Ereignisse.
Umfrage ergab: glückliche Menschen überall auf der Welt verfügen über diese inneren
Fähigkeiten:
- sie sind sozial verträgliche Mitmenschen
- sie sind mental gesund
- sie sind nur selten allein
- sie haben ein ausgeglichenes Naturell
- sie pflegen gute Beziehungen in Familie, Partnerschaft und Freundeskreis
- sie führen ein aktives und selbstbestimmtes Leben
- sie haben die Fähigkeit zum positiven Denken
- sie erkennen Chancen und Perspektiven auch in negativen äußeren Umständen
- siesind oft spirituell, dh.sie engagieren sich für einen höheren, nicht materiellen Wert
äußere Umstände, die Lebensglück begünstigen, sind
- eine gute öffentliche Versorgung
- Vertrauen und Ehrlichkeit als gesellschaftliche Werte
- ein staatliches Gesundheitssystem
zu finden in skandinavischen Ländern.
Fazit: ein glückliches Leben hängt durchaus von der inneren Haltung ab
Wie können wir diese innere Haltung erreichen?
In der griechischen Philosophie der Antike gilt die „ Selbstreflexion“ als wichtigstes Instrument gegen negative Gedankenmuster, Meinungen und selbst geschaffene Überzeugungen.
Lebensglück durch Nachdenken.
Probleme selbst erkennen und positive Veränderungen aktiv herbeiführen. Oder doch lieber Jammern und sagen: die Anderen sind Schuld?!
Vorschau 7.April 2017 Jessika Schwark
Was macht uns wirklich glücklich?
Was ist Glück?
Wikipedia: Glück mittelhochdeutsch 12.Jh „ Art, wie etwas endet/ gut ausgeht
günstigster Ausgang eines Ereignisses unabhängig vom eigenen Zutun
gleichzeitig aber Volksweisheit: „ Jeder ist seines Glückes Schmied“:
Wieviel Eigenverantwortung trägt jeder an seinem Glück?
Wieviel Einfluss habe ich darauf, ob mein Leben glücklich ist?
Unterscheide „ Glücksgefühl“ von „glücklich leben“
Glücksgefühl: schönes Gefühl im Moment einer angenehmen Erfahrung.
Nachteil: zeitlich meist sehr begrenzt, Gewöhnungseffekt tritt schnell
ein ( hedonistische Anpassung).
Glücklich leben: Zufriedenheit, Haltung dem gesamten Leben gegenüber
unabhängig vom Erleben einzelner Glücksmomente.
Das Leben aller Menschen umfasst positive und negative Ereignisse.
Umfrage ergab: glückliche Menschen überall auf der Welt verfügen über diese inneren
Fähigkeiten:
- sie sind sozial verträgliche Mitmenschen
- sie sind mental gesund
- sie sind nur selten allein
- sie haben ein ausgeglichenes Naturell
- sie pflegen gute Beziehungen in Familie, Partnerschaft und Freundeskreis
- sie führen ein aktives und selbstbestimmtes Leben
- sie haben die Fähigkeit zum positiven Denken
- sie erkennen Chancen und Perspektiven auch in negativen äußeren Umständen
- siesind oft spirituell, dh.sie engagieren sich für einen höheren, nicht materiellen Wert
äußere Umstände, die Lebensglück begünstigen, sind
- eine gute öffentliche Versorgung
- Vertrauen und Ehrlichkeit als gesellschaftliche Werte
- ein staatliches Gesundheitssystem
zu finden in skandinavischen Ländern.
Fazit: ein glückliches Leben hängt durchaus von der inneren Haltung ab
Wie können wir diese innere Haltung erreichen?
In der griechischen Philosophie der Antike gilt die „ Selbstreflexion“ als wichtigstes Instrument gegen negative Gedankenmuster, Meinungen und selbst geschaffene Überzeugungen.
Lebensglück durch Nachdenken.
Probleme selbst erkennen und positive Veränderungen aktiv herbeiführen. Oder doch lieber Jammern und sagen: die Anderen sind Schuld?!
Samstag, 18. Februar 2017
Nachschau 3.2.2017: Dialogrunde – Wie löse ich meine Probleme?
Birgit Linneman, Christian Brehmer
Eine runde
Runde knüpfte an unsere runde Runde vom letzten Mal
an (s. Nachschau vom 6.1.) Es ging um
die Fortsetzung und Vertiefung des achtsamen Dialoges nach David Bohm mit
unserer aktuellen Fragestellung als Thema. Form und Inhalt waren uns also gleich wichtig. Die Gesprächsführung hatte wieder Klemens
Speer aus Osnabrück.
Zunächst
wurden noch einmal die Spielregeln des Dialoges wiederholt und die
Empfehlung ausgesprochen, im Gespräch zu
50 Prozent bei sich selbst zu bleiben und zu 50 Prozent sich gleichzeitig der
Gruppe bewusst zu sein. (Eine Empfehlung, die im integralen Bewusstsein zur
gelebten Realität wird.) Die Selbstbezogenheit soll ein persönliches Feld von
Achtsamkeit und Kreativität fördern, das gleichzeitig das Gruppenfeld aufbaut,
welches rückwirkend wiederum das persönliche Feld stärkt. So kann
Co-Kreativität entstehen (s. Vorschau 3.2.) Doch hier sind wir noch ganz Anfänger.
Die Dynamik wurde durch die Entspannungsreise und Meditation zu Beginn der
Runde vorbereitet.
Das Thema
unserer 1. Dialogrunde war: „Wie löse ich meine Probleme im Leben für mich
allein?“Also abweichend von der vorgesehenen Fragestellung.
Die Beiträge
waren lebendig und vielfältig wie das Leben selbst. Als Beispiel:
> Das Problem anschauen, ist es überhaupt ein Problem? Oder mache ich mir ein
Problem. Bin ich Teil des Problems?
> Klarheit verschaffen durch Nachdenken. Gefühle zulassen. Manchmal
kommt es zu einem Widerspruch zwischen Kopf und Bauch. In der Entspannung, in der Stille, kann sich
die Lösung einstellen. > Mitunter gehen wir tagelang schwanger
mit einem Problem, bis plötzlich die Antwort wie aus heiterem Himmel
kommt.
> Informieren, Lektüre heranziehen, mit anderen darüber sprechen ist hilfreich. > Das Bauchgefühl kann irreführen. Gemäß der Hirnforschung hat das Gehirn bereits entschieden, bevor uns die Lösung bewusst wird. > Empathie für den Konfliktpartner, aber auch Empathie für mich selbst bewahren. > Stufen der Kreativität: 1. Problem klar eingrenzen (Präparation) 2. Loslassen, entspannen (Inkubation) 3. „Aha“ Erfahrung (Intuition) 4. Überprüfung (Verifikation) 5. Ausarbeitung, Umsetzung (Elaboration).
> Informieren, Lektüre heranziehen, mit anderen darüber sprechen ist hilfreich. > Das Bauchgefühl kann irreführen. Gemäß der Hirnforschung hat das Gehirn bereits entschieden, bevor uns die Lösung bewusst wird. > Empathie für den Konfliktpartner, aber auch Empathie für mich selbst bewahren. > Stufen der Kreativität: 1. Problem klar eingrenzen (Präparation) 2. Loslassen, entspannen (Inkubation) 3. „Aha“ Erfahrung (Intuition) 4. Überprüfung (Verifikation) 5. Ausarbeitung, Umsetzung (Elaboration).
In der 2.
Runde war die Fragestellung: „Wie kann ich mit Hilfe anderer meine Probleme
lösen?“
> Familienrat, Teambesprechung, runden
Tisch etc. organisieren.
> Fachberatung
nutzen: Sozialarbeiter, Psychologen, Ärzte oder dergleichen.
>
Verhandeln, Kompromisse suchen. Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall
Rosenberg.
> Co-Councelling in kleinen Selbsthilfegruppen,
in denen unterdrückte Gefühle abreagiert und Blockaden gelöst werden können.
> Der Mensch kann dumm sein – er muss sich nur zu helfen wissen:
Partner, Freunde, sich mit anderen zusammentun, Computer heranziehen etc.
Die
Abschlussrunde gab Raum für Kommentare und Kritik. Schließlich gab es noch einen
Smoothie auf CD: Mantragesang des Dalai Lama.
Vorschau 3.3.2017: Bauchgefühl vs. Rationalität Jürgen Staas
Was wir volkstümlich Bauchgefühl nennen, ist dem Emotionalen zuzuordnen, der Intuition, der Spontanität, dem unmittelbaren subjektiven Empfinden. Es bewirkt spontane Entschlüsse, ohne diskursiven Gebrauch des Verstandes. Es kann empathisch und kreativ sein. Phantasie gehört dazu, der plötzliche Einfall, die „Idee“, der Geistesblitz, Eingebung, Einsicht, ohne bewusste Ableitung. Unvorhergesehene Entdeckungen und Erfindungen sind ihm zu verdanken. Beobachtungsgabe und frühere Erfahrungen sind dabei oft Voraussetzungen. Auch spontane Hilfen oder Rettungseinsätze können positive Resultate sein. Philosophisch gehören Evidenz, „Wesensschau“, Phänomenologie mit zur Begrifflichkeit. Auch die „emotionale Intelligenz“ (D. Goleman) ist ihm zuzuordnen, oder der englische Begriff der „serendipity“: coined by Horace Walpole: apparent aptitude for making fortunate dicoveries – Webster's Dict.). Soweit das Positive. Aber wo steht geschrieben, dass das Bauchgefühl immer nur Positives bewirkt? Einwände, Kritik:
„La raison est dupe du coeur.“ La Rochefoucauld. ( Die Vernunft wird vom Herzen /Gefühl getäuscht, an der Nase herumgeführt.) Das Bauchgefühl bzw. die Intuition
_ist nicht verfügbar (ist es trainierbar?)
_es ist irrational, nicht kontrollierbar
_ es ist ein „komplexitätreduzierendes Verfahren der Kognition" (terrible simplificateur)
_entbehrt der Logik
_ ist verwandt mit Selbsttäuschung
_ kann Angst bedeuten, braucht Feindbilder
_ kann Escapismus sein
_ kann im Extremfall zu Affekthandlungen führen
Sind nicht alle unseren aktuellen Probleme dem „Bauchgefühl“ geschuldet?
Brexit, post-faktisch (engl. post-truth!), Trumpwahl (großer „Bauch“-Redner!), Populismus, Rückfall in Nationalismus, Protektionismus, etc., Angst vor Globalisierung und Identitätsverlust.
Papst Franziskus: „In Zeiten der Krise versagt das Urteilsvermögen. Wir suchen Heilsbringer, die uns unsere Identität zurückgeben.“ - Der instinktive Herdentrieb treibt uns auf die Suche nach dem Leithammel, nach dem starken Mann. Angst sucht Sicherheit.
Die Rationalität der Demokratie mit ihren endlosen Diskussionen und Verhandlungen und dem Zwang zu Kompromissen erzeugt ein Gefühl von Frust und Langeweile, zumal lange Perioden in Frieden, Freiheit und Wohlstand dazu führen, diese für selbstverständlich zu halten. Da wächst das Verlangen nach Stimulation. Globalisierung wird als Identitätsverlust empfunden. Die Abschottung des eigenen Territoriums (Protektionismus) bietet sich da als Lösung an.
Samstag, 21. Januar 2017
Nachschau 6.1. 2017: Dialogführung nach David Bohm Christian
Brehmer
Diesmal ging es, wie angekündigt, um den Dialog nach
David Bohm; es ging um den Versuch einer Optimierung des Gruppengesprächs. Denn
in der Gruppe kann es zu kreativen Erkenntnissen kommen, die ein Einzelner
nicht leisten kann. Das Ganze ist mehr als die Summe der Einzelteile: eine
Systemgesetz-mäßigkeit der Natur und das Bauprinzip der Evolution (s.
Abbildung). Dazu bedarf in unserem Falle
eines entspannten Gruppenfeldes, das die Kreativität fördert. Deswegen noch
einmal die Spielregeln, wie sie unser Referent, Klemens Speer, in Anlehnung an
David Bohm erarbeitet hat:
- Keine Ping-Pong-Diskussionen zwischen wenigen
Teilnehmern. Jeder soll einen Beitrag leisten.
- Aus der eigenen Mitte, aus dem Herzen in den Raum,
zur Gruppe sprechen – in Ich-Form.
- Kurze Stille nach jedem Beitrag: nachspüren.
- Es ist nicht erforderlich, Beiträgen, denen ich
nicht zustimmen kann, zu widersprechen.
- Keine
Bewertung von Beiträgen.
- Kurze Beiträgen – auf den Punkt kommen.
- Keine Wiederholung von Beiträgen – sondern nur sehr
kurze Zustimmung.
- Nicht entweder/oder, sondern sowohl/ als auch.
- Nicht ja oder nein, sondern „in der Schwebe halten.“
- Gute Impulse für Veränderungen, kreative Lösungen
kommen oft „von den Rändern“. ©
- Klemens J.P. Speer
Unser Thema „Was ist
Spiritualität?“ wurde in drei Gesprächsrunden unter Berücksichtigung der
Spielregeln eingekreist. Jeder konnte mit dem weitergereichten Redestein zu
Wort kommen. Es gab profunde Beiträge, deren Wiedergabe eine kurze Nachschau
überfordern würde. Hier ein paar repräsentative
Beispiele:
- Sich der Gegenwart öffnen, wach und präsent.
- Der rote Faden im Leben.
- Alles Handeln als Gottesdienst betrachten.
- Die Ebene, die alles durchzieht und vereint.
- Das Leben als Spiel betrachten und mitspielen.
- Alles was den Sinn des Lebens, die Rückkehr zum
Ursprung, fördert.
- Das Nachdenken über säkulare Dinge bewirkt
Spiritualität.
Der letzte Punkt war immer zentral in
unseren Philrunden: die Reflektion > dann
die Abstraktion in der Meditation >
und vielleicht die reine Reflektion, die STILLE = die Quelle der Spiritualität.
In einer letzten Runde lag der
Redestein in der Mitte. Jeder konnte ihn sich nehmen und den Abend reflektieren
und ggf. kritisch kommentieren.
Vorschau 3.2.2017: Erkenntnis durch
Co-Kreativität Christian Brehmer
Co-Kreativität Christian Brehmer
„Unsere größten, aktuellen Probleme fußen auf einer Beziehungskultur, in
der wir uns gegenseitig zum Objekt unserer Bewertungen und Absichten machen.
Wir könnten die überall anzutreffenden hierarchischen Strukturen aber auch
auflösen und uns, statt einander dominieren zu wollen, gegenseitig
unterstützen. Ganz automatisch entsteht in einer derartigen neuen
Beziehungskultur ein Ausmaß an Co-Kreativität, das es uns leicht macht,
gemeinsam Lösungen für die dramatischen Situationen auf der Welt zu finden."
Prof. Dr. Gerald Hüther, Neurobiologe
Wir
hatten schon wiederholt unsere Quellen der Erkenntnis thematisiert: Die Sinne,
der Verstand, das Bauchgefühl, die Intuition. (Vergl. untenstehendes Gedicht
von Klaus Burghardt) Nun hat uns unsere letzte Philrunde die Möglichkeit eine
weiteren Quelle der Erkenntnis eröffnet: die Co-Kreativität. Durch Beachtung
gewisser Spielregeln im Gruppen-Dialog kann es zu spontanen Erkenntnissen
kommen. Die wenigen angeführten Beiträge
zu der Frage „Was ist Spiritualität?“ in der Nachschau vom letzten Mal zeugen
von Tiefe. Vielleicht war hier schon Co-Kreativität
im Spiel. Wir wollen das beim nächsten Mal am 3.2. noch einmal austesten mit
der Frage „Was kann ich beitragen zu einer besseren Welt?“ Klemens Speer wird uns noch einmal begleiten.
Die meisten von uns sind mit den Spielregeln bereits vertraut, so dass wir etwas
lockerer einsteigen können.
„Die
höchste Form dieser Art von Austauschprozessen entsteht immer dann, wenn
gemeinsam nach Lösungen gesucht wird. Diese gemeinsame Suche nach Lösungen
heißt Co-Kreativität, an dem jeder als Individuum beteiligt ist, aber das Ganze
sich in einer Gemeinschaft abspielt. Es kommt auf jeden an. Was gefunden wird,
ist mehr als das, was sich ein Einzelner ausdenken könnte. Wir scheitern
gegenwärtig in so vielen Bereichen unserer gesellschaftlichen Entwicklung, weil
wir die Probleme, die wir erzeugt haben und die uns jetzt zu schaffen machen,
auf die bisherige Weise nicht lösen können. Wir haben keine Erfahrung, wie wir
Gemeinschaften bilden, deren Mitglieder wirklich Interesse haben, die Problem
gemeinsam zu lösen und nicht gegeneinander….“
Gerald
Hüter
Gerald
Hüter
Die Intuition Klaus Burghardt
Jeder möchte wohl gerne Erkenntnis gewinnen
Was ist Wahrheit? so fragt sich die Philosophie
Alles Wissen, so heißt es, hebt an von den Sinnen1
Nur - die geben Dir keine Erfolgsgarantie
Also bleibt der Verstand, wird so mancher sich sagen
[Die Vernunft muß ihn lotsen und leiten und lenken]
Der beschäftigt sich gerne mit kniffligen Fragen
Doch manch' Lösung verschließt sich dem logischen Denken
Nimm nur einmal als Beispiel die Welt der Gefühle
Mit Affekten und Ahnungen, Zweifeln und Angst
Völlig klar, daß Du etwa bei Haß oder Liebe
Mit der Logik wohl kaum zu Erkenntnis gelangst
Auch auf and'ren Gebieten ergeben sich Schranken
Ob Natur, ob Gesellschaft, ob Recht, ob Moral
Die genialsten, gescheitesten, kühnsten Gedanken
Die verrennen sich völlig und scheitern total
Doch zum Glück gibt's noch and're Erkenntnismethoden
Eine kennen wir alle als „Intuition“
Nach dem Forschen: entspannen, verschnaufen, erholen ...
Und Heureka! - die phänomenale Vision
Archimedes lag chillend verträumt in der Wanne
Als ihn plötzlich abrupt der Erkenntnisblitz traf
Als er unverhofft glasklar die Lösung erkannte ...
Kekulé ging es ähnlich - im halbwachen Schlaf
Unser inneres Auge hat etwas gesehen
Nein, genauer vielleicht: Es hat etwas „geschaut“
Dies will allerdings nun der Verstand auch verstehen
Der hat immer schon sehr auf Kontrolle gebaut
Er will prüfen, bewerten und elaborieren
Als Pragmatiker wie auch als Rationalist
Dann noch implementieren und verifizieren -
[Und auch dokumentieren! verlangt der Chronist :-)]
Jeder sollte sich also demnächst mal entspannen
Manchem hilft hier ein Bier, and'ren Meditation
Wenn wir nun auch noch jegliches Denken verbannen
Sind wir endlich bereit für die INTUITION
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