Montag, 21. September 2015



Nachlese 4.9. 2015                                   Christian Brehmer

Unsere Philrunde war wieder gut besucht. Eine Variante gab es bei der traditionellen Entspannungsreise zu Beginn. Sie war dem Thema der Sonologie angepasst: Brahmari,  eine Atemtechnik aus dem Hatha-Yoga. Dabei wird das Summen einer Biene imitiert als Hinführung  zur gedanklichen Stille, dem „klanglosen Klang“. Dieser verbindet uns nach vedischem Verständnis mit der Urschwingung, dem Brahman (christl. Logos),  aus dem die gesamte Schöpfung hervorgegangen ist.  (Vergl. Joh. 1-3)
   Die Nada (Klang) Brahma Sonologie gründet auf diesem Verständnis, so Andrea, ausgebildete Sonologin und Referentin des Abends.  Die Sonologie wurde von dem Atomphysiker und Vedenforscher, dem Inder Vemu Mukunda für den modernen Menschen zugänglich gemacht. Sie ermöglicht jedem,  den ihm naturgegebenen, persönlichen Grundton ausfindig zu machen. Täglich getönt, im Rahmen einer vorgegebenen Struktur, führt  die ordnende Kraft des Grundtones langfristig und auf natürliche Weise zu einer inneren Ordnung und Klarheit, wie sie bei der Bewältigung des Alltags von unschätzbarem Wert ist (www.nbsonologie.net). Gleichzeitig wird die Verbindung mit unserem Ursprung Brahman/Logos, das  ursprüngliche  Ziel  aller Religionen (lat. re-ligare = Rück-bindung),  gefördert.
    Als kleinen Vorgeschmack haben wir dann den Ton G mit A getönt und ihn in die Stille ausklingen lassen. Aus dem entstandenen Gruppenfeld haben wir danach, etwas zögerlich, das Gespräch wieder aufgenommen und Fragen  an Andrea gestellt.
   Zum Schluss fragten wir uns noch nach unserem Beitrag zum „Tag der guten Tat“ am 8.9.  Einige machen etwas still und unauffällig und sprechen nicht darüber, andere geben Rückmeldung und  inspirieren:  Andrea macht Flüchtlingsarbeit, Chris hat 500.- € gespendet. Wieder andere leiten weiter, wo Hilfe gebraucht wird.  (www.tag-der-guten-tat.de)  „Es gibt nichts Gutes außer man tut es!“

Vorschau 2.10. 2015                           Jürgen Staas

"...auf dass ihr heil werdet." (Phil. 2, 12) / Männer zwischen Risiko und Sicherheit
Dem Referat wird eine Lektorenpredigt zugrunde liegen. Gedanklich wird es um Spannungsbögen gehen wie Risiko und Sicherheit, bzw. Angst und Sicherheit, Langeweile und Stimulation, Anonymität und Identität. Herangezogen werden Erkenntnisse der Verhaltensforschung, der Humanbiologie und auch der Hirnforschung. Erkenntnis ist der erste Weg zur Besserung. Angesprochen ist damit eine solide Anthropologie als Voraussetzung für Theologie.
   Die Beschäftigung mit dem Thema ist nach meiner Wahrnehmung geeignet, viele aktuelle Vorgänge besser zu verstehen, wie den religiösen Fanatismus oder den wieder aufblühenden Nationalismus, aber auch schlicht alltäglich zu beobachtende Verhaltensweisen.
 

Mittwoch, 19. August 2015

Nachlese 7.8.2015                              Jürgen Staas
Marian Brehmer berichtet von seiner wissenschaftlichen Arbeit über den Sufismus

Nach Aufenthalten und Spracherwerb in Persien, Syrien und der Türkei hat sich Marian in seiner Bachelorarbeit mit dem Sufismus beschäftigt. Der Name leitet sich von "Suf" (Wolle) her und deutet auf einfache, asketische Kleidung hin. Der Begriff Sufismus ist schon unscharf, weil der -ismus auf ein Konzept oder System verweist, was dem Geist dieser mystischen Richtung nicht gerecht wird. Die Orientalistin Annemarie Schimmel hat sich mit dieser Variante des Islam intensiv beschäftigt und
bezeichnet den Sufismus verallgemeinernd als eine große geistige Strömung, die alle Religionen durchfließt. Charakteristisch ist die Tendenz zu Mystik und Transzendenz, zu Innerlichkeit (Herz) und Poesie. Der Ursufismus bedeutet - wie der Islam - Hingabe, Unterwerfung unter den Willen Gottes, Aufgabe von Ego und Trieb hin zu einer geistigen Sublimierung. Wie der Islam überhaupt folgt der Sufismus einem göttlichen Autoritätsprinzip. Die Scharia (Straße oder Weg) gibt mit ihren
Geboten und Verboten anfänglich Orientierung.
Ausführlicher stellte der Referent die poetische Seite des Sufismus dar in der Gestalt Rumis (Dschalal ad-Din Muhammed Ali), geb. 1207 im heutigen Afganistan, gestorben in Konya, Türkei. Beeindruckend waren der Vortrag und die Deutung des bekannten Gedichts von der "Rohrflöte" in der persischen Orginalversion und der Übersetzung von A. Schimmel. Erwähnenswert ist noch die Rolle Runis als Herr und Meister (Malana) der Derwische.

(Anmerkung: Das ausführliche Referat ließ leider keine Zeit für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema, die m.E. doch auch angezeigt wäre und sich vielleicht noch nachholen lässt.)




                                                                                




Die formgestaltende Kraft von Schwingungen: 
 
hier eine "Chladmische Klangfigur" - Wirkung einer schwingenden Geigenseite auf den auf einer Glasplatte befindlichen feinen Sand.






Vorschau  4.9. 2015                            Andrea Glüer-Brehmer  
Sonologie: Innerer Frieden durch die Kraft der persönlichen Schwingung  -
Einführung in das Nada-Brahma-System der Grundtonbestimmung nach Vemu Mukunda

Jeder Mensch besitzt einen eigenen Ton, den persönlichen Grundton. Er ist sozusagen die tonale Basis der Persönlichkeit  - eine Konstante, die immer präsent ist, die stabilisiert und Kraft spendet.
Klangtherapien können vor allem dann erfolgreich sein, wenn sie den individuellen Grundton berücksichtigen. Wenn man diesen Ton regelmäßig auf eine bestimmte Art und Weise tönt, kann dies zu innerem Frieden und emotionaler Ausgeglichenheit führen.
Wir werden uns mit Tönen im Allgemeinen beschäftigen: Was ist ein Ton physikalisch, musikalisch und philosophisch?
Weiter wird es eine kurze Charakteristik der 12 Grundtontypen und eine Beschreibung der  gesundheitlichen Wirkungsweise der Sonologie geben.
Ferner wird kurz skizziert, wie der persönliche Grundton gefunden wird und wie mit ihm geübt wird.
Der Praxisteil soll auch nicht zu kurz kommen. Wir werden auf einem „neutralen“ Ton ein paar Übungen machen, um schon einmal eine Ahnung von der Wirkung des Systems zu bekommen.
„ Die Beschaffenheit der Schwingungen, auf die der Mensch gestimmt ist, erklärt die seiner Seele eigene besondere Note.“
Hazrat Inayat Khan ( Sufi-Mystiker und Musiker)


Donnerstag, 16. Juli 2015



Vorschau 7.8. 2015:  Sufismus und seine Bedeutung für die Gegenwart                                                                Christian Brehmer

Allen Menschen ist die Suche nach ihrem Ursprung eingeschrieben. Die bewusste Suche wird auch als Mystik (griech. myein = die Augen schließen) bezeichnet. Der Weg führt nach innen. Er hat in unterschiedlichen geographischen Regionen der Erde unterschiedliche Ausprägungen angenommen. Im nahen Osten ist es der Sufismus, der bereits vor Mohammed existierte und durch den Islam einen neuen Auftrieb bekommen hat. Die Gottessucher kleideten sich in grobwollem Stoff, arabisch suf, daher der Name. Vertreter eines „universellen Sufismus“ sehen eine Beziehung zwischen dem Begriff der Sophia (griech. Weisheit) und der Bezeichnung Sufi.   
Während der orthodoxe Islam mehr eine Gesetzesreligion ist, ist der Sufismus eine Herzensreligion. Es geht um die Beziehung zwischen  dem Liebenden (Sufi) und dem Geliebten (Gott). Ziel ist die Rückbindung an Gott, was eigentlich das ursprüngliche Anliegen aller Religionen (lat. re-ligare = Rückbindung) ist. Das Gesetz und der Glaube sind zwar der Ausgangspunkt,  doch darüber hinaus strebt der Sufi nach Gotteserfahrung. Dabei hilft ihm die Loslösung vom Verhaftetsein an die Sinne und an das Ego. Das Ego muss „sterben“ damit das Selbst sich mit dem göttlichen Prinzip vereinen kann (unio mystica).
Ein wesentliches Werkzeug auf dem Wege der Befreiung ist für den Sufi das „Dhikr“ = Gedenken (an Gott): Durch das liebe- und hingebungsvolle Wiederholen von Gottes Namen  und sich Versenken in Gott -  meist in der Gruppe -  strebt der Sufi danach sich mit Gott zu vereinen.   Eine befreiende Kraft kommt ihm dabei entgegen. Diese Wiederholung stellt sich dann mit der Zeit auch im Alltag ein als ein sanfter Hintergrund der inneren Orientierung, der stillen Freude und der Geborgenheit. Mithin erfolgt die „Erlösung“ schon im gegenwärtigen Leben und nicht erst nach dem Tode. Der Sufi wirkt tatkräftig in der Welt, ist jedoch nicht von der Welt.

 „Sufismus ist Ruhm im Elend, Reichtum in der Armut, Herrschaft in Dienstbarkeit, Sättigung im Hunger, Leben im Tode und Süße in der Bitterkeit … Der Sufi ist der, der mit allem zufrieden ist, was Gott tut, so dass Gott mit allem zufrieden ist, was er tut.“
Dieses Zitat von Abu Sa’id verweist auf die innere Erfüllung des Sufi und dem daraus erwachsenden Gleichmut. Das steht im krassen Gegensatz zur nie endenden Suche nach äußerer Erfüllung, wie sie unsere Konsumgesellschaft kennzeichnet und wie sie in die Umweltzerstörung einmündet.

„Jenseits aller Vorstellungen über richtig und falsch ist ein Feld.  Ich treffe Dich dort“.
Diese Aussage des persischen Sufi-Dichters Rumi verweist auf die Lösung der nie endenden Kontroverse im demokratischen Prozess und dem Streit unter Individuen,  Parteien,  Nationen und  Religionen. Jenseits aller Meinungsverschiedenheiten ist ein Bewusstseinsfeld der Wahrheit (der Sophia). Durch Beruhigung des Geistes (z.B. durch Meditation) wird dieses Bewusstseinsfeld zugänglich.  

   





Freitag, 19. Juni 2015



Praktische Philosophie – eine Einladung                              Christian Brehmer




Nicht nur philosophieren, sondern auch was tun!  „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“. Zwar ist schon die Meditation zu Beginn unserer Palaverrunde etwa Gutes  für uns selbst und  –   durch die positve „Ausstrahlung“ –   für unsere Umwelt. Und vielleicht werden auch die Themen unserer Philrunden,  die gemeinsamen Diskussionen und Reflexionen bei einigen von uns  handlungswirksam. Oder vielleicht lernen wir aus der Arbeit an unserer Dialoggestaltung....




Wir können uns aber auch bewusst für eine gute Handlung entscheiden. Dazu will  der Tag der guten Tat am 8. September eines jeden Jahres in Melle einladen. Es handelt sich um eine Initiative von Georg Trenkler, dem Chef des Meller Bioladens.   Auf der Website www.tag-der-guten-tat heißt es: 
 „Wir wollen in unserer Gesellschaft den guten Taten und Nachrichten mehr Beachtung schenken und sie mehr in das Bewusstsein der Menschen bringen.
Immer mehr Menschen in unserer Gesellschaft fühlen sich einsam, unglücklich und glauben nicht mehr an das Gute in der Welt.
Viele Jugendliche stöpseln sich die Ohren zu und lassen sich von Musik beschallen, vermutlich weil sie die vielen schlechten Nachrichten nicht mehr hören wollen.
Wer hat noch Lust, ein politisches Amt zu übernehmen oder sich mit Gesellschaftsproblemen zu beschäftigen bei all den schlechten Nachrichten?“

Es muss ja nicht gleich ein politisches Amt sein. Es reicht z.B.  wenn ich meiner gehbehinderten Nachbarin, wenn erforderlich,  einen Bringdienst mit meinem Auto anbiete. Oder einfach mal gelegentlich bei ihr reinschaue. Ihr ein Lächeln schenke.  Ihr oder jemanden anders….



Rückblick Dialogabend zum Begriff der Ahnung am 5.6.2015     Angela Muselmann-Bruhn

Da sich bei kritischer Betrachtung, mentale Prozesse, als gar nicht so rational, wie angenommen herausstellen, wollte ich gerade die Menschen ansprechen und einladen sich mit dem Begriff der Ahnung zu beschäftigen, die lieber rein logische und vernunftmäßige Überlegungen bevorzugen, um sich dem Erkennen anzunähern, dass viele Leistungen und Errungenschaften auf künstlerischen und wissenschaftlichen Gebieten, aus Einfällen, Intuitionen, unwahrscheinlichen Vermutungen und Ahnungen hervorgegangen sind.
Am bisher heißesten Abend in diesem Jahr, fand sich dann allerdings nur eine intime Runde von vier Teilnehmern auf Martinas Balkon ein, die von Anfang an eine Offenheit zur Integration von wissenschaftlichen Ergebnissen und persönlichen Erfahrungswahrheiten hatten. Die kleine übersichtliche Runde gab uns die Möglichkeit zu einem tiefgehenden Austausch, bei dem jeder viel von sich selbst einbringen konnte und Gehör fand. Es war für mich spannend zu beobachten, dass durch aufmerksames Zuhören und den einzelnen „unvorbereiteten“ Teilnehmer aussprechen zu lassen, schon automatisch, soviel an unterschiedlichen Aspekten eingebracht wurden, die ich vorbereitend zitieren wollte, so dass ich sie dann nur noch ergänzend einige Philosophen hinzufügen brauchte:
J. C. Hennings sprach von der Ahnung als einem diffusen Zukunftsgefühl, welches sich nur als Konstruktion unserer Erinnerung bei seinem Eintreffen bestätigt.
Kant machte auf die leitende Funktion, die die Ahnung für unsere Erkenntnisbemühungen hat, aufmerksam, da sie sich jedoch begrifflich nicht klar fassen lässt, gehört sie für ihn nicht zum philosophischen Denken.
Jacobi sprach von der Ahnung, als den Anschluss an die Dinge an sich, durch das Gefühl.
Fries führt die Ahnung als eigenständige und dritte Form des Fürwahrhaltens, neben Wissen und Glauben ein.
Albert Görland beschreibt, dass das Phänomen der Ahnung eine Offenbarung, die zugleich Geheimnis bleibt ist und dass genau diese Spannung in diesem Widerspruch die Triebkraft der Ahnung darstellt, nämlich durch das Verlangen ihn aufzulösen.
Schleiermacher definiert Ahnung als Erstzugang zu allen Arten von Erkenntnissen und Inhalten. Die Ahnung steht für eine erste vorsprachliche Form des Verstehens und so ist unser erkennendes Existieren ein von Grund auf symbolisierender Prozess.
Heidegger beschreibt die Ahnung als Form reiner Empfänglichkeit, dort, wo Worte versagen, als ein Gedankenexperiment, dessen unablässiges anrennen gegen die Grenze der Sprache Wortneuschöpfungen nötig macht, er spricht von der Ahnung des Seyns. Heidegger sagt: „es west“, was ausdrücken soll, dass es nicht festgestellt, sondern nur geahnt werden kann.
Die Ahnung ist der Grund, aus dem Erkenntnis niemals abgeschlossen ist, Grundvoraussetzung von und Beginn aller Erkenntnis.
Hogrebe spricht von Ahnungen als erkenntnissmäßige Zustände, die Vorgriffscharakter haben, vage Repräsentationen für etwas, was anders noch nicht zugänglich ist. Ahnungen stehen am Anfang unserer kognitiven Karriere. Ahnung ->Vermutung->Meinung->Wissen
Da wir aber nie sicher sein können, ob wir wirklich wissen, muss der gesamte Corpus unserer Überzeugungen, Meinungen und unseres Wissens stets von unserer Ahnungsnatur umgriffen bleiben, wenn wir für Neues in grundsätzlicher Weise empfänglich bleiben wollen.

Da für mich, die AHNUNG, für jenen entscheidenden Moment steht, in dem etwas zu werden beginnt, ist es für mich sinnvoll, weiter an meiner Offenheit, für Ahnungen empfänglich zu werden und zu arbeiten. Es deucht/dünkt mich und es ahnt/schwant mir, dass das Bemühen, um eine spirituelle Lebenspraxis, mich dabei unterstützt.


Vorschau 3.7.2015                                                       Jürgen Staas

Transparenz
Die Anregung zum Thema geht zurück auf einen "Zeit"-Artikel von 2012, der sich kritisch mit der globalen Forderung nach Transparenz auseinandersetzt. Problematisch ist das Verhältnis von Vertrauen und Transparenz. Maximale Tranparenz würde Vertrauen zerstören, unmöglich machen, mit entsprechenden Folgen für menschliche Beziehungen. -   Vertrauen spielt auch eine wesentliche Rolle im religiösen Glauben. Was verstehen wir unter "Gottvertrauen"? Man lese dazu Psalm 139. -       Transparenz ist auch ein psychologisches Problem. Wie weit durchschauen wir andere Menschen oder auch uns selbst? Wieviel bleibt im Unbewussten verborgen? -  Transparenz ist auch ein soziales oder politisches Problem: aktuell sind die Ausspähungen durch Geheimdienste. Was soll ihnen erlaubt oder verboten sein? Berührt von der Frage sind auch Amtsgeheimnisse von Pastoren, Rechtsanwälten, Ärzten, Bankangestellten. Müssen Ärzte und Geistliche Geheimnisse preisgeben, wenn Gefahr droht? (s. Depressiver Pilot).       Das Thema bietet reichlich Diskussionsstoff.